22 plus 12 für Peking !

Mecklenburger und Vorpommern gut gerüstet für Peking 2008 …

Der „Deutsche Olympische Sportbund“ (DOSB) schloss am 15.Juli seine dritte Nominierungsrunde ab.
Während aus M-V noch Franka Dietzsch (Diskuswerfen), die Ruderer Felix Drahotta (Rostock/Zweier ohne), Tom Lehmann (Rostock/Zweier ohne), Mathias Flach (Rostock/Achter), Nicole Zimmermann (Rostock/Achter), Stephan Krüger (Rostock/Doppelvierer), der Kanute Martin Hollstein(Neubrandenburg) und Philipp Naruhn (früher Schwerin) endgültig ihre Peking-Tickets erhielten, fand der Laser-Segler Alexander Schlonski leider keine Berücksichtigung mehr. Somit zählt das deutsche Olympia-Team 436 Athletinnen und Athleten.

St.NimkeAm 20.Juli werden noch die Sportlerinnen/Sportler in den Mannschaftsspielsportarten nominiert. Für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2008 sind damit aus M-V 22 Athletinnen und Athleten mit einer mecklenburgischen oder vorpommerschen Klubzugehörigkeit nominiert. Weitere zehn Sportlerinnen/Sportler hatten in M-V „ihre Wiege“.

Marita Koch, 1957 in Wismar geboren und u.a. für den SC Empor Rostock startend, feierte ihre größten Erfolge bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau mit Gold über 400 Meter und Silber in der Staffel.

Jede und jeder wird sein Bestes geben !

Marita Meier-Koch über die Leistungsstärke des „M-V-Teams 2008“, die Talente-Förderung in M-V und über ihre olympischen Vorlieben …

M.KochFrage: Das „Team M-V“ für die Olympischen sowie Paralympischen Spiele 2008 ist zahlenmäßig stark. So werden 30 Sportlerinnen und Sportler, die einem Klub in M-V haben bzw. hier ihre „Wiege“ hatten, in Peking an den Start gehen. Der DOSB schloss heute seine dritte Nominierungsrunde ab.
Wie beurteilen Sie das Leistungsvermögen des Teams aus Ihrer sportlichen Sicht ?

Marita Koch: Es gibt eine Reihe sehr ambitionierter Athletinnen und Athleten für Peking, die von den Leistungsträgern der vergangenen Jahre, Andreas Dittmer, Stefan Nimke und der hoffentlich wieder genesenen Franka Dietzsch, angeführt werden. Sehr stark sind die Ruderer und Kanuten vertreten. Gerade der Rostocker Rudersport leistete eine gute kontinuierliche Nachwuchsarbeit. Sie haben sehr viele rudersportliche Talente nach vorn gebracht. Der „Lohn“ dafür, … Ruderinnen und Ruderer aus Rostocker Vereinen starten in Peking, darf zu Recht stolz machen.
Auch Anja Dittmer im Triathlon oder Kugelstoßer Ralf Bartels sind stets für eine Überraschung gut.
Aber bei allen Medaillen-Hoffnungen oder -Erwartungen: Erfreulich ist, dass so viele Athletinnen und Athleten aus M-V die Teilnahme für die Spiele in Peking schafften.  Was jetzt noch kommt, ist eine erfreuliche Zugabe. Jede Athletin und jeder Athlet wird mit Sicherheit sein Bestes geben.
Schade, dass der Segler Alexander Schlonski nicht doch noch berücksichtigt wurde … Aber ich drücke ihm die Daumen, ihm gehört die Zukunft.
Mitgefiebert hatte ich auch mit Ulrike Maisch (Marathon) und Mark Frank (Speer), dass beide in dieser Saison ihre olympischen Träume erfüllen können. Leider kamen Verletzungsprobleme dazwischen …
Auch mit Britta Kamrau fühle ich mit !

Frage: Der Countdown läuft. In knapp vier Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Peking. Was erwarten Sie von diesem Ereignis, sportlich, kulturell und politisch betrachtet ?

Marita Koch: Olympia bedeutet Vielfalt, Toleranz und Verständnis. Von Peking erhoffe ich mir, dass die olympische Idee auch gelebt wird. Sportlich betrachtet, hatte bzw. hat Olympia stets seine eigenen Gesetze. Es werden Favoriten siegen und stürzen, Nobodies werden „nach oben“ preschen und Newcomer werden ungeahnte Erfolge feiern. Bei Olympia liegen Glanz und Elend ganz dicht beieinander – und Peking wird bestimmt ein weiteres interessantes Kapitel in der olympischen Geschichte sein.

Frage: Sie selbst erlebten bei Olympia Tiefen und Höhen. 1976 schon vor Ort in Montreal konnten sie verletzungsbedingt dann leider nicht starten, kamen so um eine mögliche Medaille. In Moskau gab es dann das ersehnte Gold über 400 Meter.
Was verbinden Sie persönlich mit Olympia ?

Marita Koch: Olympia ist etwas Großartiges, ja Einzigartiges. Olympia gibt es nur alle vier Jahre, dann muß man auf die Minute top-fit sein. Vor allem: Olympia ist das einzige Fest, zu dem die ganze Welt geladen ist – und das bedeutet, hier gibt es noch ein reales Miteinander trotz aller Konkurrenz.

Frage: Nach den politischen Unruhen in Tibet und der harten Reaktion der chinesischen Sicherheitsbehörden darauf wurde lange Zeit ein Boykott der Spiele durchaus in Erwägung gezogen. Sie selbst konnten in Ihrer sportlichen Karriere die tatsächlichen Wirkungen von Olympia-Boykotten miterleben: 1976 der Boykott der meisten afrikanischen Staaten, 1980 der Boykott vieler westlicher Länder und dann 1984 der Boykott vieler Ostblock-Staaten.
Wie war, wie ist Ihre Meinung zu dieser Problematik ?

Marita Koch: Boykotte sind etwas Destruktives, etwas was Probleme nicht löst, sogar verschärfen kann. Der Afrika-Boykott 1976 oder gerade die Boykotte 1980 und 1984 wurden auf den Rücken der Sportler ausgetragen, sie wurden für politische Auseinandersetzungen instrumentalisiert, eine Rolle, die sie niemals einnehmen dürfen. Auch das hat die Vergangenheit gezeigt. Gut finde ich allerdings, dass es so breite und umfassende Diskussionen um die Menschenrechtspolitik in China gegeben hat und noch immer gibt. Ich finde da die Haltung vieler Länder inkonsequent. Einerseits plädierten diese für einen Boykott, andererseits unterhielten sie tiefste wirtschaftliche Beziehungen … Aber die Diskussionen im Vorfeld haben den chinesischen Machthabern klar gemacht: So nicht, überdenkt euer Handeln ! Vielleicht hilft Olympia ja bei der Demokratisierung der chinesischen Gesellschaft ?!

Frage: „Oldies but Goldies“ – Zwei echte sportliche Vorbilder aus M-V, die seit Jahren in der Weltspitze ganz vorn zu finden sind, wird man in Peking das letzte Mal in der olympischen Arena sehen: Andreas Dittmer, den „Mr.Kanusport“ und dreifachen Olympiasieger, und die „Grand Dame“ des Diskuswerfens, Franka Dietzsch.
Was zeichnet Andreas Dittmer – aus Ihrem persönlichen Blickwinkel – aus ?

Bei Franka ist – aufgrund gesundheitlicher Probleme – der Start in Peking noch offen.  Dennoch, ist die SCN-Athletin nicht auch der Beweis dafür, dass Sport wahrlich jung hält …

Marita Koch: Es ist bewundernswert, dass sich beide Sportler immer wieder für ihre sportliche Ziele motivieren können. Das über viele Jahre zu schaffen, ist schon bewundernswert. Andreas erreichte schon alles in großer Anzahl – Olympiasiege, Weltmeistertitel, Europameistertitel. Franka weist ebenfalls eine beeindruckende Erfolgsbilanz auf, bei ihr kommt noch der Traum von der Olympiamedaille hinzu. Ja, Olympia kann schon „unsterblich“ machen.
Beide sind schon Sportler mit einer großen Vorbildwirkung.

R.BrussigFrage: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es, neben den „Altgedienten“, sehr viele sportliche Talente, die auch nach den Spielen in Peking große Zukunftsambitionen haben.  Im Rudern gehören dazu u.a. die Rostocker Felix Drahotta, Tom Lehmann oder Marlene Sinnig, im Kanurennsport sorgte der Neubrandenburger Kajak-Fahrer Martin Hollstein mit seiner überraschenden Olympia-Qualifikation für Furore, in der Leichtathletik sind die Schwerinerinnen Martina Strutz (leider klappte bei ihr die Quali 2008 nicht …) und Anika Leipold  potentielle Teilnehmerinnen im Hinblick London 2012, im Schwimmen könnte Antje Mahn spätere olympische Herausforderungen meistern, falls Boxen in London olympisch demonstriert wird, dürfte die Wismarerin Anne Cravaack dabei sein, und im Goalball ist Sarah Schacht ein echtes Ass für kommende Herausforderungen, und die Segler Jan Kurfeld aus Wismar und Alexander Schlonski sind begnadete junge Leistungsträger in ihrer Sportart.
Talente vorhanden – alles gut: Oder müßte es eigentlich hierzulande doch Verbesserungen  
in der sportlichen Talenteförderung geben ?

Marita Koch: Naja, nun sollte man nicht in „selbstgerechtes Schulterklopfen“ und „selbstgefällige Zufriedenheit“ verfallen. Auch weiterhin gilt: Klotzen statt kleckern. Es gibt viele beachtliche Erfolge bei der Talenteförderung hierzulande, aber es muß – im Hinblick auf die weitere Konkurrenzfähigkeit – auch weiterhin hart gearbeitet werden. Noch haben viel zu viele (nicht nur) sportliche Talente keine berufliche Perspektive, müssen sich im Zweifelsfall gegen den Sport und für den Beruf entscheiden.
Hier müsste noch einiges getan werden, um sportliche Talente zu halten.

Frage: Welchem olympischen Wettbewerb fiebern Sie besonders entgegen ?

Marita Koch: Als Läuferin werde ich natürlich mit großem Interesse die Leichtathletik-Wettbewerbe verfolgen. Aber Olympia bietet ja so viel. Bestimmt werde ich mir die Wettkämpfe auch in anderen Sportarten anschauen, die mich dann zur Olympia-Zeit fesseln werden. Das olympische Angebot ist ja so ungemein vielseitig !

Frage: Wo werden Sie die Spiele in Peking eigentlich verfolgen – live vor Ort oder im heimischen TV-Sessel ?

Marita Koch: Natürlich im olympischen TV-Sessel. Sicherlich gibt es dann bei mir im August den einen oder anderen (olympischen) Augen-Ring …

Frage: Wie halten Sie sich eigentlich fit ? Der Leichtathletik sind Sie ja noch über den 1.LAV Rostock intensiv verbunden. Nehmen Sie an Volks- oder Crossläufen teil ?

Marita Koch: Nein, nein. Ganz so stressig geht es bei mir nicht zu. Ich jogge ab und zu. Ansonsten hält mich die Familie „auf Trab“ !

Die Olympioniken und Paralympioniken aus M-V für Peking im Überblick

Neues PSV Wismar-Stadion> Leichtathletik: Ralf Bartels (Neubrandenburg/Kugelstoßen), Franka Dietzsch
(Neubrandenburg/Diskuswerfen), Sonja Kesselschläger (Neubrandenburg/Siebenkampf), Jana Schmidt (Waren/Paralympics/Kugelstoßen), Steffi Nerius (Speerwerfen/geboren in Bergen), Julia Mächtig (Neubrandenburg/Siebenkampf/Ersatz), Denise Hinrichs (früher Schwaan/nun Wattenscheid/Kugelstoßen), zudem: Jonna Tilgner (früher u.a. MTV Bützow,  Sportinternat Rostock, 1.LAV Rostock), Marianne Buggenhagen (geboren in Ueckermünde/nun Berlin/Paralympics: Diskus, Kugel)

> Schwimmen: Thomas Rupprath (Rostock)

> Rudern: Felix Drahotta (Rostock/Zweier ohne), Tom Lehmann (Rostock/Zweier ohne),
Mathias Flach (Rostock/Achter), Nicole Zimmermann (Rostock/Achter), Marie-Louise Dräger (Rostock/Leichtgewichts-Doppelzweier), Stephan Krüger (Rostock/Doppelvierer), Marcus Klemp (Paralympics/Ribnitz), Philipp Naruhn (gebürtiger Schweriner), Peter Thiede (gebürtiger Ueckermünder, nun Dortmund), Robert Lehnigk (gebürtiger Greifswalder)

> Kanu-Rennsport: Andreas Dittmer (Neubrandenburg/Canadier), Martin Hollstein (Neubrandenburg/Kajak), Thomas Lück (Ersatzmann/Neubrandenburg)

> Triathlon: Anja Dittmer (Neubrandenburg), Christiane Pilz (Rostock/Neubrandenburg)

> Goalball: Natalie Ball (Greifswald)

> Rollstuhl-Fechten: Simone Briese-Baetke (früher Rostock, nun Tauberbischofsheim)

> Judo: Ramona Brussig (Paralympics/Schwerin), Carmen Brussig (Paralympics/Schwerin)

> Radsport: Stefan Nimke (Schwerin/Sprint), Jens Voigt (Straße/geboren in Grevesmühlen)

> Schießsport: Axel Wegner (Skeet/geboren in Demmin), (Stefanie Thurmann, Freie Sportpistole, einst Schützin bei der Wittenberger Schützengilde von 1582 / Wittenberge gehörte bis 1990 zum damals noch existierenden Bezirk Schwerin.)

> Handball: Stefan Schröder (früher Schwerin/erweiterter Kader)

> Volleyball: Robert Kromm (früher Schwerin)

> Wasserspringen: Heike Fischer (geboren in Demmin, für Leipzig startend).

Olympische Meilensteine für M-V …

– erstes olympisches Gold für M-V: 1928 2 x Gold für Dressur-Reiter Carl-Friedrich von Langen (Parow)

– erste olympische Medaille in einer Mannschaftsspielsportart für M-V: 1936 durch Detlef Okrent (Rostock) im Feldhockey

– erste olympische Frauen-Goldmedaille für M-V: 1964 Ingrid Engel-Krämer (Wahl-Rostockerin) im Wasserspringen

– erste olympische Medaille für Schwerin: 1960 durch Walter Krüger im Speerwerfen

– erste olympische Medaille für Schwerin in einer Mannschaftsspielsportart: 1972 durch die Volleyball-Spieler Wolfgang Maibohm und Horst Hagen (H.H. bis 1969 beim SC Traktor Schwerin)

– erstes olympisches Frauen-Leichtathletik-Gold: 1976 durch Brigitte Rohde (Neubrandenburg) in der 4×400 Meter-Staffel (zuvor: 1972 – Ruth Fuchs, Jena, Absolventin der KJS Güstrow, mit Speerwurf-Gold 1972 plus Gold 1976) 

– erstes Leichtathletik-Herren-Gold für M-V und Schwerin: 1980 durch Gerd Wessig (Traktor Schwerin) im Hochsprung

– erste olympische Medaillen für Schwerin bzw. M-V im Frauen-Volleyball: 1980 durch die Volleyball-Spielerinnen Andrea Heim, Carla Roffeis, Martina Schmidt und Anke Westendorf (alle Schwerin) sowie Heike Lehmann (gebürtige Neustrelitzerin/SC Dynamo Berlin)

– erste Kanu-Medaille für M-V: 1972 durch Ilse Kaschube (Neubrandenburg) mit Silber

– erste olympische Ruder-Medaille für Schwerin: 1972 durch Manfred Schneider im Achter

Schwimmen– erste olympische Goldmedaillen für Schwerin: 1976 durch den Ruderer Michael Wolfgramm, den Boxer Jochen Bachfeld und die Schwimmerin Andrea Pollack

– letzte olympische/paralympische Medaillen für Schwerin: 2004 Gold und Bronze für den Bahnradsportler Stefan Nimke und Gold für die Judoka Ramona Brussig

Marko Michels

F.: M.M.


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