2.Bundesliga aktuell: Super Spiel ohne Happy End !

Wismarer Handball-Spielerinnen mit unglücklichem 25:26 gegen Dortmund …

„Wenn Pfeifen pfeifen gerät nicht nur ein Spiel unter die Reifen !“, meint bereits der sportive Volksmund.

Dortmund vs. TSG am 16.2.08Doch, was das Schiedsrichter-Duo aus Stockelsdorf und Lübeck während der Partie zwischen der TSG Wismar und Borussia Dortmund zeigte, war – und hier kann man Alt-Bundeskanzler Schröder getrost zitieren – eine mehr als „suboptimale Leistung“.

Aber die Schiedsrichter sind nicht der Rede wert, wenn man an die ansonsten handballsportliche Glanzleistung der TSG-Mädel während der gesamten 60 Minuten denkt:

Zweikampf (re.: N.Baier)Eine überragende Mascha Bratenkowa im Tor, die reihenweise auch vermeintlich „unhaltbare“ Würfe parierte, eine aufopferungsvoll und leidenschaftliche TSG-Mannschaft um Kapitän Franca Kühne und um die Torjägerin „des Tages“ Anne Herrmann, die verbissen um jeden Ballbesitz kämpfte, und eine Trainerin Diana Sperling, die ihr Team taktisch und spielerisch bestens auf die Begegnung gegen Dortmund eingestellt hatte.

J.OldenburgNach 20 Minuten führte Wismar bereits mit 12:5 und bis zur Halbzeitpause hieß es 15:11. Ein Vorsprung, der durchaus auch höher hätte sein können …

Und bereits hier wurde man zu diesem Zeitpunkt das Gefühl nicht los, dass der Tag, das Spiel „irgendwie“ kein „Happy End“ finden sollte.

Zu unverständlich waren einige Schiedsrichter-Entscheidungen, die bei Wismar hart durchgriffen, aber über die sportlich harte „Gangart“ der Dortmunderinnen oftmals „lässig“ hinwegsahen.

Mareen TeglerDes Weiteren: Gespielt haben die TSG-Damen auch in ihren stärksten Phasen (Mitte der ersten Halbzeit / Mitte der 2.Halbzeit) oftmals wie die „Weltmeisterinnen“, aber Tore mußten sie hinnehmen – leider – wie die „Dorfmeisterinnen“.

Zwar war die Rückwärtsbewegung nach eigenen Angriffen bereits dynamischer und schneller als noch vor vier Wochen, aber gerade die „08/15-Tore“ der Gäste ließen diese immer wieder herankommen.

Abwehr verbessert - die TSGAls es dann in der 50.Minute nur noch 22:20 stand und die Dortmunderinnen auch in ihrem Abwehrverhalten stetig aggressiver wurden, nahm das Unheil aus Wismarer Sicht seinen Lauf.

Sechs Minuten später (56.Minute) stand es bereits 24:24 und als Staffel-Spitzenreiter Dortmund sogar das 24:26 erzielte, war das Spiel entschieden.

Enttäuschte Mienen ...Zwar verkürzte die TSG noch auf 25:26, aber der Sieg war ebenso weg, wie die wichtigen Punkte gegen den Abstieg …

Dennoch, die Hanseatinnen verdienen ein ganz großes Kompliment für eine starke Leistung, die vielleicht beste, in dieser wechselvollen Spielzeit 2007/08.

Jede Spielerin war mit dem Verstand und dem Herzen dabei. Eine deutlicher Beweis war das „Handball-Catchen“ zwischen Jessica Oldenburg und ihrer Dortmunder Gegnerin in der 41.Minute um den Ballbesitz – da spürte man deutlich die Emotionen, das Feuer im Wismarer Team, das zur schwachen Vorstellung in der Vorwoche gegen Travemünde nicht wiederzuerkennen war.

Mit der Leistung aus dem Dortmund-Spiel sollte die TSG eigentlich erheblichen „Rückenwind“ für den Kampf gegen den Abstieg aus der 2.Liga erhalten.

Wenn es eine Erkenntnis aus diesem Spiel gibt, dann die: Wismar besitzt das spielerische und kämpferische Vermögen, den Klassenerhalt zu schaffen.

Übersehen sollte man jedoch nicht die „dunkle Seite“ des Dortmund-Spieles: Dank der Schiedsrichter holt Dortmund auf und schlägt die TSG …

Torjägerinnen der TSG gegen Dortmund: Anne Herrmann (11), Franca Kühne (4), Jessica Oldenburg (4), Stefanie Laas (2), Mareen Tegler (2), Nicole Baier (1), Johanna Brinkies (1)

Zuschauer: 620

Restliche Heimspiele: am 8.März gegen TuS Lintfort, am 29.März gegen TSV Nord Harrislee und am 19.April gegen HSC 2000 Magedeburg (jeweils 16 Uhr in der Sporthalle Wismar)

Info: Vor dem Spiel gab es eine Gedenkminute für den am 10.Februar verstorbenen Erich Nolte, ein langjähriges Vereinsmitglied der TSG. Der verdienstvolle Handball-Freund war u.a. Vorstands- und Präsidiumsmitglied der TSG Wismar und viele Jahre Handball-Abteilungsleiter in Wismar. mm

Nicole BaierInterview mit TSG-Spielerin Nicole Baier, 21 Jahre und seit Sommer 2007 bei der TSG

„Wir bleiben in der zweiten Liga !“

Nicole BaierFrage: Nicole, Sie zogen 2007 handballsportlich von der Hansestadt Rostock in die Hansestadt Wismar.

Ihr Start bei der TSG verlief verletzungsbedingt etwas unglücklich. Mittlerweile gehören Sie aber zu den spiel- und treffsichersten Spielerinnen in Wismar.

Aus Ihrer persönlichen Sicht: Lohnte sich der Wechsel von Rostock nach Wismar – trotz der spielerischen „Auf und Ab`s“ in dieser Saison ?

Nicole: Doch, mein Wechsel hat sich auf alle Fälle gelohnt. Ich konnte und kann mehrere Handball-Stile kennen lernen und es ist auch spannend, mal andere „Handball-Luft zu schnuppern“.

Kampfstarke TSGIn Wismar ist dabei das Publikum begeisterungsfähiger als in Rostock – hier geht „fanmäßig“ echt die Post ab !

Besonders beeindrucken mich bei der TSG Steffi Laas und Katja Schwenke: Ihre Leidenschaft für den Sport ist schon enorm.

Frage: Gegen Altlandsberg und vor allem gegen Dortmund bot die TSG Glanzleistungen, gegen z.B. Travemünde lief es beim Team überhaupt nicht.

Wo sehen Sie die Ursachen für diese „Unbeständigkeit“ bei der TSG ?

Nicole: Naja, das hat vor allem mit „mentalen Dingen“ zu tun.

N.Baier (re.) in AktionVielleicht waren wir auswärts gegen Travemünde zu locker an die Sache herangegangen. Aber, sowohl gegen Altlandsberg als auch aktuell gegen Dortmund waren wir hochmotiviert und „richtig eingestellt“.

Ich bin so unglaublich traurig, dass wir so „bitter“ gegen Dortmund verlieren mußten …

Frage: Nicole, Sie sind noch sehr jung. Einige Mitspielerinnen, z.B. Jessica Oldenburg oder Johanna Brinkies, dürfen nur in die „Disco For Kids“.

Wie ist die Atmosphäre in so einem extrem jungen Team ? Gibt es schon einige Zickenkriege ?

Nicole: Einen harten KOnkurrenzkampf auf den einzelnen Positionen im Team, wie z.B. in Rostock, gibt es hier fast gar nicht.

Jede Spielerin ist froh – bei der angespannten Personalsituation – wenn die anderen Kolleginnen fit sind.

Es kann schon – emotional bedingt – vorkommen, dass man sich während des Spiels einmal etwas deutlicher „anmuffelt“.

Aber das wird nachher „freundschaftlich“ in der Kabine geklärt und ist die absolute Ausnahme. Nach einem Tag ist so etwas ohnehin vergessen !

Frage: Sie haben faktisch eine Dreifachbelastung: Ausbildung in Güstrow zur Polizeikommissar-Anwärterin (Anm.d.V.: Also die kommende „Miss Marple“ !), Training in Wismar und am Wochenende die Bundesliga-Einsätze.

Eine einfache Aufgabe ?!

Nicole BaierNicole: Es ist schon ungemein hart und schwierig. Aber mit bedeutet beides, der Handballsport und meine Ausbildung zur Polizeikommissar-Anwärterin (Mein absoluter Traum-Job !!!), sehr, sehr viel.

Beides sind für mich Leidenschaft und Berufung.

Ich wohne ja in Rostock, spiele in Wismar Handball und mache die Ausbildung in Güstrow, also eine „echte mecklenburgische Globetrotterin“.

Übrigens: Von Trainerin Diana Sperling bekomme ich meine individuellen Trainingspläne für die Woche mit nach Güstrow, die ich natürlich zu „99 Prozent“ erfülle (Naja, vielleicht etwas übertrieben …).

Frage: Diana Sperling amtiert seit rund vier Wochen als neue TSG-Trainerin. Was zeichnet sie aus ? Gibt es erhebliche Veränderungen beim Training ?

N.BaierNicole: Mit Diana ging ein sichtlicher Ruck durchs Team – trotz der herben Niederlage gegen Travemünde. Das hat man nun wieder gegen Dortmund in positiver Hinsicht gesehen.

Ihr Training ist viel individueller. Sie läßt sich während der Übungseinheiten eine Menge einfallen – viel mehr Abwechslung.

Diana brachte ganz einfach Schwung und Spielfreude ins Team zurück.

Handball macht endlich wieder richtigen Spaß !

(Anmerkung von Nicole: Aber auch Lutz Gau war ein guter Trainer-Typ.)

Obligatorische Frage zum Schluß: Wo endet die Saison 2007/08 in der 2.Bundesliga für die TSG Wismar ?

Nicole: Natürlich bleiben wir in der zweiten Liga !

Viel Erfolg und Kampfgeist dabei …

Marko Michels

F: M.M. (12), TSG (1)


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