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Aktuelle Herbstkonjunktur: Handwerk zeigt sich in der Krise stabil

Auch wenn der Geschäftsklimaindex im Vergleich zum Vorjahr um 2 Punkte leicht absinkt, ist das Handwerk im Kammerbezirk Schwerin in der Wirtschaftkrise eine Wirtschaftsgruppe, die sich durch Stabilität und Robustheit auszeichnet.
Aktuelle Geschäftslage und Umsatz:
Die Bewertung der Geschäftslage im abgelaufenen Quartal sinkt leicht unter das Vorjahresniveau. Eine schlechte Geschäftslage beklagt nahezu jeder Vierte der befragten Handwerksbetriebe (23 %). Insgesamt beurteilt dennoch fast die Hälfte der befragten Betriebe ihre derzeitige geschäftliche Lage als befriedigend und immerhin 29% als gut. Auch die Umsatzentwicklung zeigt sich gegenüber dem Vorquartal stabil. Wie im Vorjahr geben 67% der befragten Unternehmen gestiegene oder gleichbleibende Umsätze an (Vorjahr 66%).

Überdurchschnittlich viele Handwerksbetriebe im Bauhauptgewerbe (41%) bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut und immerhin noch 37% als befriedigend. Offensichtlich wirken neben den saisonalen Effekten auch erste Maßnahmen aus dem zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung in Form bereits ausgelöster öffentlicher Aufträge. Durch die Effekte der inzwischen ausgelaufenen Umweltprämie verläuft die Beurteilung der geschäftlichen Lage im Kfz-Gewerbe unterschiedlich. Einerseits bezeichnen 14% der Betriebe des Kfz-Gewerbes ihre Geschäftslage als gut, während andererseits 33% eine schlechte geschäftliche Lage bilanzieren.

Personalsituation und –bedarf:
Die Gesamtbeschäftigtenzahl ist gegenüber dem Vorquartal ein weiterer Indikator für Stabilität. 78% der Handwerksunternehmen geben eine unveränderte Beschäftigtenzahl an. Während 13%  der befragten Betriebe Neueinstellungen angeben (Vorjahr 6%), melden 10% weniger Beschäftigte (Vorjahr 3%). Im Bauhauptgewerbe zeigt sich ein überdurchschnittlicher Beschäftigungszuwachs: 19% der Handwerksunternehmen melden mehr Personal.

Auftragslage und Auslastung:
Die Auftragseingänge zeigen sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig verändert. Insgesamt geben 45% (Vorjahr 51%) der Unternehmen stabile und 19% (Vorjahr 15%) gestiegene Auftragseingänge im Berichtsquartal an. Bei den Auftragseingängen ist aber zwischen den einzelnen Gewerbegruppen zu differenzieren: Während im Kfz-Gewerbe keine zusätzlichen Auftragseingänge generiert werden, verbucht vor allem das Bauhauptgewerbe (33% der Betriebe) und das Nahrungsmittelhandwerk (27% der Betriebe) gestiegene Auftragseingänge.

Die durchschnittliche Betriebsauslastung ist im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Eine nahezu vollständige Betriebsauslastung geben 39% der Handwerksunternehmen (Vorjahr 44 %)an. 15% beklagen eine zu geringe Betriebsauslastung (Vorjahr 12%). In der Einzelbetrachtung haben vor allem das Ausbauhandwerk und Bauhauptgewerbe mit 59 bzw. 53 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Betriebsauslastung. Von einer überdurchschnittlich niedrigen Betriebsauslastung berichten hingegen die Handwerksbetriebe für personenbezogene Dienstleistungen (z.B. Friseure, Schneider, Uhrmacher oder Textilreiniger).

Preisentwicklung und Investitionen:
Die Einkaufspreise haben sich gegenüber dem Vorquartal nur noch für 31% der befragten Betriebe erhöht (Vorjahr 67%). Aber nur 7% können über gesunkene Einkaufspreise berichten. Insbesondere im Nahrungsmittelhandwerk sind die Einkaufspreise überdurchschnittlich (45%) gestiegen.

Höhere Verkaufspreise konnten nur 10% am Markt durchsetzen (Vorjahr 22%), 77% haben ihre Verkaufspreise konstant gehalten und 14% haben sie gesenkt (Vorjahr 9%).

Die Investitionsbereitschaft der Handwerksbetriebe stagniert überwiegend auf dem Vorjahresniveau (49%). Überdurchschnittlich rückläufig sind die Investitionen im Gesundheitsgewerbe und im Kfz-Gewerbe. Hier haben jeweils 56% der befragten Unternehmen weniger Investitionen vorgenommen. Auch im Zuliefererbereich haben die Handwerksunternehmen ihre Investitionstätigkeit überdurchschnittlich zurückgenommen.

Erwartungen und Aussichten:
Trotz der nach wie vor nicht überwundenen und in den Folgen nicht abschätzbaren Wirtschaftskrise gehen die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Schwerin verhalten optimistisch in das neue Quartal. Die zukünftige Geschäftslage wird von einem Viertel der Handwerksbetriebe als „gut“ eingeschätzt. Allerdings erwarten gleichzeitig 23% künftig eine eher schlechte Geschäftslage. Insgesamt übersteigen aber die positiven Erwartungen für die zukünftige Geschäftslage die negativen Befürchtungen.

Im Branchenblick wird die künftige geschäftliche Entwicklung im Kfz-Gewerbe besonders pessimistisch eingeschätzt. Hier zeigen sich die Befürchtungen auf einen Einbruch des Geschäfts nach Auslaufen der Umweltprämie. Überdurchschnittlich positiv schätzen hingegen das Ausbau- und das Nahrungsmittelhandwerk die künftige geschäftliche Entwicklung ein.

Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin, wertet die Ergebnisse der Konjunkturumfrage als weiteren Hinweis darauf, „dass das Handwerk in der Krise eine unverzichtbarer Stabilisator der wirtschaftlichen Entwicklung ist. Für die Binnenkonjunktur wäre es aber Gift, wenn durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, wie jetzt vom Sachverständigenrat gefordert, dem Wirtschaftskreislauf Kaufkraft entzogen würde.“

Petra Gansen


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