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Schwerin-NEWS.de Nachrichten-Archiv

Die Geschichte mit dem Klavier

Erinnerungen an Nachbarn vor 25 Jahren

Bei den „Erzähl-Cafés“, zu denen der Stadtteilverein „Die Platte lebt e.V.“ in den zurückliegenden Monaten eingeladen hatte, kamen auch zwei interessante Begegnungen mit dem bekannten Schweriner Schauspieler und Sänger Kurt Nolze zur Sprache. Frank Sembritzki erinnerte sich an die Geschichte mit dem Klavier 1980:
Eines Tages machte sich in der Pilaer Straße eine Firma aus Berlin zu schaffen. Auf dem Dach des Hauses, in das auch Kurt Nolze einzog, baute sie einen Dreibock mit einem Arm auf, also einen Flaschenzug. Dann wurde an der Wohnung des Schauspielers die Balkonbrüstung abgebaut, danach die Loggiawand. Das gesamte Material transportierte man per Fahrstuhl nach unten. Was nun wohl passierte? Wir guckten neugierig. Ein Klavier wurde herangeschafft und an der Hauswand mühsam nach oben gewuchtet, in Nolzes Wohnzimmer, denn das war für dieses sperrige Stück auf normalem Weg über die Treppen nicht erreichbar. Nach der Prozedur wurde alles wieder sorgfältig in den vorherigen Zustand zurückversetzt: Loggiawand und Balkonbrüstung. Lange hielt es Kurt Nolze hier allerdings nicht aus. Nach einem halben Jahr zog er weiter. Ob das Klavier auf die umgekehrte Weise wieder abtransportiert wurde, weiß ich nicht mehr.
Übrigens: Die Zahl der weiblichen Fans war schon damals ziemlich groß: Jeden Abend lauerten sie dem Mimen vor dem Hauseingang regelrecht auf. Für uns damals 16-, 17-jährige Bengels gab so etwas reichlich Stoff für mehrdeutige Anspielungen. Nächtliche Ruhe trat im Umfeld erst nach Nolzes Wegzug ein.
Auch Wilfried Wollmann hatte über ihn eine Anekdote parat: Eines Nachmittags im Sommer 1980 sollte unser Ältester wie stets seinen Mittagsschlaf halten; das Kinderzimmer befand sich zur Hofseite. Natürlich gefiel unserem damals vierjährigen Sohn dies nicht. Das Fenster war nur angeklappt. Da klingelte es unten an der Haustür. Ich ging hinunter. Kurt Nolze hatte etwas beobachtet. „Hallo, Herr Wollmann! Seien Sie ganz ruhig und schauen Sie vorsichtig nach rechts oben. Das ist doch Ihr Sohn, der da im Fenster steht?“
Tatsächlich. Unser Junge war neugierig durch die Gitterstäbe aus seinem Bett gekrochen, stand nun auf dem Fenstersims und hielt sich am Rahmen fest. „Wirst du wohl ins Zimmer zurückgehen, du Lümmel“, rief ich ihm zu und machte, dass ich so schnell wie möglich zu ihm kam. Dass nichts Schlimmeres passierte, danke ich dem Schauspieler, der damals mein Nachbar war.
ric


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