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Ein Leben im Dienst des christlichen Glaubens

Dr. Georg Diederich über Weihbischof Norbert Werbs


Weihbischof Norbert Werbs (Foto: Erzbischöfliches Amt Schwerin)Ein Leben im Dienst des christlichen Glaubens, speziell im Dienst der katholischen Kirche: Das trifft auf den Schweriner Weihbischof Norbert Werbs zu, der gerade seinen 75. Geburtstag feierte und in den verdienten (Un-)Ruhestand geht. Die Wirkungsstätten des gebürtigen Warnemünders waren neben Schwerin insbesondere Erfurt, Rostock, Neubrandenburg und Parchim. Dabei widmete sich Norbert Werbs verschiedenen Aufgaben, war stets für die Menschen da und trat immer als engagierter Christ auf.

Einer, der den Weihbischof persönlich gut kennt, ist Dr. Georg Diederich. Der einstige Innenminister, der seit 1996 Direktor des Heinrich-Theissing-Institutes ist, widmet sich dort der Aufarbeitung der Geschichte der katholischen Kirche in Mecklenburg und speziell in Schwerin.

Dr. Georg Diederich über Weihbischof Norbert Werbs und seine Arbeit beim Heinrich-Theissing-Institut in Schwerin

„Aufrichtig, geradlinig, mutig und einfühlsam…“

Frage: Gerade feierte Weihbischof Norbert Werbs seinen 75. Geburtstag. Was zeichnet ihn aus Ihrer Sicht aus?

Dr. Georg Diederich: Bewundernswert ist vor allem, wie aufrichtig und geradlinig Weihbischof Werbs denkt, redet und handelt. Während meiner Berufszeit im kirchlichen Dienst habe ich oft seinen Rat und seine Meinung gesucht. Das ergab sich ganz zwanglos, denn unsere Büros lagen fast zwanzig Jahre „Tür an Tür“. Bei unseren Diskussionen ging es nicht nur um eine wahrhaftige Darstellung der Geschichte, sondern auch um das, was in Kirche und Gesellschaft heute geschieht. Dabei habe ich den Weihbischof immer als sachkompetenten Gesprächspartner erfahren, der sich in großer Bescheidenheit persönlich sehr zurücknahm. Besonders schätze ich seine spontane Hilfsbereitschaft. Auch bei kurzfristiger Anfrage war er sich nie zu schade, ein gerade aufgefundenes historisches Dokument aus dem Lateinischen zu übersetzen oder ellenlange Manuskripte in nächtlicher Lesearbeit für uns zu korrigieren.

Frage: Norbert Werbs war stets ein Mann der deutlichen Wort, der sich oftmals auch gegen den „Zeitgeist“ stellte. Fehlen solche Persönlichkeiten „mit Ecken und Kanten“ heute sowohl in als auch außerhalb der Kirche?

Dr. Georg Diederich: Solche „Leute mit Charakter“ sind wohl zu allen Zeiten selten. Weihbischof Werbs gehört unbedingt dazu, da gebe ich Ihnen recht. Es ist gut für den freiheitlichen Rechtstaat, in dem wir leben dürfen, wenn nicht nur jugendliche Opposition oder der Widerspruchsgeist Einzelner den Mainstream gesellschaftlicher Entwicklungen kritisch hinterfragen. Aber dazu gehört Mut – und nicht zuletzt auch eine gewisse Einfühlsamkeit. Beides sind Eigenschaften, die Weihbischof Werbs auszeichnen. Er hat es immer verstanden, bei aller Entschiedenheit in der öffentlich vertretenen Meinung auch auf die zu zugehen, denen seine Kritik galt.

Frage: Sie selbst sind seit fast 20 Jahren Direktor des Heinrich-Theissing-Institutes… Welchen Stellenwert hat Ihr Institut mittlerweile erreicht? Welches sind die aktuellen Projekte?

Dr. Georg Diederich: Zunächst muss ich darauf verweisen, dass ich seit April 2015 im Ruhestand bin. Allerdings leite ich das Heinrich-Theissing-Institut noch geschäftsführend, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin im Amt des Direktors gefunden ist.

Mir liegt sehr viel daran, die Arbeit dieses Institutes aufrecht zu erhalten, das bereits 1993 auf Anregung von Weihbischof Werbs als Dokumentationszentrum für Kirchen- und Zeitgeschichte gegründet wurde. Seit ich 1996 die Leitung übernahm, sind hier mehr als 20 Sachbücher und eine Vielzahl weiterer Publikationen entstanden. Damit ist das Institut nicht nur in Deutschland bekannt geworden.

Auch im Ruhestand werde ich mich noch an der wissenschaftlichen Arbeit beteiligen. So entsteht zur Zeit der dritte Band zur Chronik der katholischen Kirche in Mecklenburg, der 2016 erscheinen soll. Darüber hinaus finden in jedem Jahr öffentliche Ausstellungen zu den kunsthistorischen Sammlungen der katholischen Gemeinden im Lande ein interessiertes Publikum. Anlässlich des Reformationsjubiläums im Jahre 2017 wird das Institut eine Ausstellung sehr seltener und kostbarer Bibeln aus dem Fundus der Historischen Bibliothek St. Anna präsentieren.

Frage: „Deutschland geht es gut!“, wird von politischer Seite oft geäußert. Die realen Zahlen auf dem Arbeitsmarkt, Streiks bei Bahn, Post und kommunalen Kitas … lassen etwas anderes vermuten. Der Dienst am Menschen scheint auch heute teilweise nicht viel zu zählen. Wie beurteilen Sie die derzeitige gesellschaftliche Situation?

Dr. Georg Diederich: Bei der Beurteilung der Frage, ob es Deutschland gut geht, kommt es auf den Standpunkt an. Als ehemals aktiver Politiker weiß ich, dass eine Gesellschaft nur dann in Frieden lebt, wenn alle am allgemeinen Wohlstand partizipieren können. Den allgemeinen Wohlstand gibt es meines Erachtens wirklich, Deutschland geht es also gut.

Aber ob es allen Bürgern im Lande gut geht, wage ich zu bezweifeln. Hier hilft mir die christliche Sicht, die Benachteiligte und Verfolgte in den Vordergrund stellt. Geringverdiener, Arbeitslose, Leute in Altersarmut, Asylsuchende, Verfolgte in anderen Ländern – sie alle brauchen unsere ständige Unterstützung und Zuwendung. Die Gesellschaft in Deutschland und in Europa wird nur dann in Frieden und Wohlstand bleiben, wenn alle zum Teilen bereit sind.

Vielen Dank
Die Fragen stellte Marko Michels


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