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Etiketten, Jazz und Gobelins – Ein Leben mit der Bundesgartenschau

Angefangen hat alles bereits 1965. Der junge Grafiker Reiner Haebler suchte einen Job und die Bundesgartenschaugesellschaft in Karlsruhe suchte einen Grafiker. „Ich hatte nicht viel zu tun, viel Spaß gemacht hat das damals nicht.“ Aber Reiner Haebler hatte BUGA-Luft geschnuppert. Zwei Jahre später stieg er dann mit seiner Frau Bärbel „richtig“ ein.

 Reiner Haebler mit seiner FrauFür die Karlsruher Gartenschau mussten Etiketten geschrieben werden. Die Haeblers hatten inzwischen ihren eigenen kleinen Betrieb. Die Etiketten waren ihr Geschäft. „Von Hand musste jedes Schildchen gestaltet werden, in Schönschrift und vor allem mit korrekten Namen darauf“, erinnert sich Reiner Haebler. Bis tief in die Nacht ging die Arbeit so manches Mal. Dazu kam: Der studierte Künstler machte abends Musik, um Geld zu verdienen. Die Schilder „nebenbei“ zu schreiben war aber fast unmöglich. Da sprang Bärbel Haebler ein. Obwohl sie eigentlich gar keine Ahnung hatte. Denn sie hatte eigentlich Bibliothekswissenschaften studiert – in Leipzig. Aber nach zwei Semestern war sie weggegangen aus der DDR, das war 1956.

Heute sind die Haeblers immer noch im „Etiketten-Geschäft“. Reiner hat sich etwas zurückgezogen, die Hauptarbeit macht Bärbel. „Gartenschauen sind mein Sandkasten“, sagt sie.

Insgesamt haben die Gaeblers bisher 20 Bundesgartenschauen und 15 Landesgartenschauen bedient. Nur in Cottbus 1995 und in München 2005 waren sie nicht dabei.

Trotzdem kann sich die Bilanz sehen lassen: 500 BUGA-Hallenschauen hat das Ehepaar inzwischen mit rund 400.000 Etiketten und Schildern bestückt.

Hinter der Blumenhalle der Bundesgartenschau in Schwerin steht auf dem Wirtschaftshof ein unscheinbarer Standard-Bürocontainer. Das ist das Reich von Bärbel Haebler. Ein Regal, ein Tisch, ein Stuhl, zwei Computer und ein Plotter – die Ausstattung ist eher spartanisch. Hier wurden für die BUGA 2009 bereits über 11.000 Etiketten und Dutzende von Schildern produziert. „Die Rechentechnik hat vieles vereinfacht“, sagt Bärbel Haebler. „Trotzdem müssen wir eine hohe Qualität sicherstellen.“ Für sie heißt das: Jeder Begriff, der ihr von den Ausstellern genannt wird, wird noch einmal überprüft. Ist er richtig geschrieben, passen lateinische und deutsche Bezeichnung zueinander? „Dafür haben wir 16.000 begriffe im Computer und unsere Nachschlagewerke immer griffbereit.“

Alle zwei Jahre eine Bundesgartenschau, dazwischen Landesgartenschauen – für die Haeblers heißt das, sich immer wieder eine neue Wohnung zu suchen, wenn auch der Hauptwohnsitz Karlsruhe bleibt. „Durch unser Umherziehen haben wir aber auch Deutschland sehr gut kennen gelernt“, sagt Reiner Haebler. Immerhin sind wir dann ein halbes Jahr am Gartenschauort – da kennt man sich dort schon aus.“ Und nimmt am Leben in der jeweiligen Stadt teil. In Schwerin frönt Reiner Haebler seiner großen Leidenschaft, dem Jazz. Im Weinhaus Uhle finden regelmäßig Jazz-Abende statt. Wer sein Instrument mitbringt und mitspielt, der hat die Getränke frei. Doch um das Freibier geht es Haebler nicht. Er hätte auch Musiker werden können, meint er, spielt Saxophon, Klarinette und Cello. Der Jazz ist seine Leidenschaft.

Auch Bärbel Haebler sucht den Ausgleich. Sie webt in der Freizeit, wenn sie denn mal in Karlsruhe zu Hause ist, feine Gobelins. Die großformatigen müssen es aber schon sein, sagt sie.

Doch für ihr Hobby ist jetzt keine Zeit. Die Bundesgartenschau in Schwerin fordert die ganze Aufmerksamkeit. Jede Woche gibt es eine neue Hallenschau – da müssen die Etiketten rechtzeitig und vor allem richtig bereit stehen.

Und nach der BUGA 2009? Die Haeblers könnten sich zur Ruhe setzen. Doch das ist ihre Sache offenbar nicht. „Es ist wie ein Virus, das einen gepackt hat“, sagt Bärbel Haebler. Ob sie bei den nächsten Gartenschauen wieder dabei sein will, lässt sie deshalb erstmal offen.


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