Frauen-Handball in MV: Die Saison ist vorüber

Nachgefragt bei Trainer Tilo Labs


Handball ist in Deutschland eigentlich im Trend. Das betrifft jedoch mehr den Herren-Handball-Bereich. Bei den Frauen sieht es da schon etwas anders aus. Die Resonanz bei Zuschauern, Sponsoren und Talenten ist da deutlich verhaltener. Das ändert aber nichts an den großen Erfolgstraditionen deutscher Frauen-Nationalteams und auch mecklenburgischer Vereine in der Vergangenheit.

Dass der Frauen-Handball hierzulande lebt, zeigt auch die feste Fan-Gemeinde der TSG Wismar, des Rostocker HC, von Grün-Weiß Schwerin oder vom SV Fortuna 50 Neubrandenburg. In der dritten Liga ist die Saison 2014/15 nunmehr abgeschlossen. Hinter dem SV Werder Bremen und HSG Kropp-Tetenhusen wurde die TSG Wismar Dritter. Grün-Weiß Schwerin wird als Tabellenvierzehnter leider absteigen. In der Ostsee-Spree-Liga dominierte Rostock und steht als Aufsteiger in die dritte Liga längst fest. SV Fortuna 50 spielt hier – einen Spieltag vor Saison-Ende – noch gegen den Abstieg.

Wie der renommierte mecklenburgische Handball-Trainer Tilo Labs das Geschehen in M-V beurteilt, erfuhren wir im Interview.

„Schwerpunkt und Basis der Handlungsfähigkeit der M-V-Vertreter ist die Jugendarbeit …“

Frage: Herr Labs, die Drittliga-Saison endete am letzten Wochenende. Wismar wurde Dritter, Schwerin steigt ab. Sie kennen die Teams, als ehemaliger Trainer von beiden, sehr gut. Wie beurteilen Sie die Ergebnisse?

Tilo Labs: Die TSG Wismar hat eine tolle Saison gespielt, meine Glückwünsche dazu. An den drei erfahrenen Neuzugängen haben sich andere etablierte Spielerinnen aufrichten und so eine Einheit bilden können, der es gelungen ist, stabil ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Unsere Schweriner Mannschaft hat den Spagat zwischen notwendigem Umbruch und regelmäßigem Qualitätsnachweis, auch durch immens viele Verletzungen von Leistungsträgern, leider nicht geschafft. So waren wir in vielen Spielen auf Augenhöhe, sogar bis zur Schlussphase dominant, aber eben am Ende nicht mit der notwendigen Routine und Kaltschnäuzigkeit ausgestattet.

Frage: Gerade Wismar ging zum Schluß etwas „die Puste aus“, als feststand, dass man im Falle eines Aufstiegs aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der zweiten Liga spielen könne. Demotiviert man nicht so auch die Spielerinnen?

Tilo Labs: Dass es für einen Spannungsabfall sorgte ist sicher richtig, aber demotivierend denke ich nicht. Demotivierend wäre es, mit fliegenden Fahnen aufzusteigen, dann ab November keine Zuschauer mehr zu ziehen, ab Januar die Spielerinnen nicht mehr finanzieren zu können, am Ende abzusteigen und trotzdem noch froh sein zu müssen, letztendlich nicht insolvent zu sein. Solange es bei der eingleisigen Liga bleibt, ist es für norddeutsche Vereine ein extremes finanzielles Abenteuer.

Frage: Mit Blick auf die Ostsee-Spree-Liga: Wie ist Ihre Meinung zur Saison der Rostockerinnen und Neubrandenburgerinnen?

Tilo Labs: Rostock ist sehr dominant marschiert. Da sieht man dann auch mal den Leistungsunterschied zwischen den Ligen. Ich wünsche den Rostockerinnen in der Aufstiegsrelegation viel Erfolg. Neubrandenburg hat noch mit ein paar „Altlasten“ zu tun. Einige Jahrgänge waren zu dünn besetzt, dann haben sie ebenfalls mit strukturellen Standortproblemen zu kämpfen. Aber ich bin sicher, dieses Tal ist schon durchschritten.

Frage: Anfang Mai gibt es für den Nachwuchs den 20. Petermännchen-Cup in Schwerin. Welche Bedeutung hat ein derartiges Turnier?

Tilo Labs: Der Schwerpunkt der Handlungsfähigkeit der M-V-Vertreter liegt in der Jugendarbeit. Sie bildet immer die Basis. Wenn wir in den Frauenbereichen gute Spielerinnen brauchen, müssen wir sie selber ausbilden. Sich dann bei diesen Turnieren, mit Nachwuchs aus anderen leistungsorientierten Vereinen zu messen, ist als Standortbestimmung unglaublich wichtig.

Frage: Im Dezember findet die Frauen-WM in Dänemark statt. Wen erwarten Sie da vorne?

Tilo Labs: Ob es wieder eine Überraschung à la Brasilien gibt (Anmerkung: Die Brasilianerinnen wurden 2013 in Serbien Weltmeister)? Ansonsten tippe ich eher auf den Balkan, dort „spielt“ in der Champions League aktuell auch „die Musik“.

Vielen Dank
Die Fragen stellte Marko Michels


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