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Schwerin-NEWS.de Nachrichten-Archiv

Gedanken zum Osterfest von Kirchenrat Markus Wiechert

Der Regierungsbeauftragte der evangelischen Kirchen in M-V über die Bedeutung des Osterfestes, aktuelle gesellschaftliche Debatten und die Tätigkeit der evangelischen Kirche

„Ostern bedeutet: Das Leben blüht neu auf!“

Blick in die Heiligen-Geist-Kirche in Wismar.Die Osterfeiertage versprechen freie Tage, Erholung und Abwechslung. Die Bedeutung des Festes ist für viele, vielleicht sogar die meisten, von eher untergeordneter Bedeutung. Ostern ist jedoch mehr als „Ostereier suchen“, beim „Osterhammer“ abtanzen oder der traditionelle Osterspaziergang.

Schwerin-News fragte bei Pastor Markus Wiechert, dem Regierungsbeauftragten der Evangelischen Kirchen von Mecklenburg und Pommern nach.

Markus Wiechert ist seit Herbst 2009 als Nachfolger von Martin Scriba in diesem Amt.

Der neue Regierungsbeauftragte studierte bis 1996 evangelische Theologie in Rostock, Tübingen und Berlin. Danach war Markus Wiechert als Pastor in der verbundenen Kirchgemeinde Sankt Nikolai-Heiligen Geist in Wismar tätig und engagierte sich vor allem für einen ökumenischen Kirchenladen für sozial schwache Menschen.

Frage: Herr Kirchenrat Wiechert, Ostern rückt näher. Für die Christen wird dort die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, viele Menschen, die sonst nie in die Kirche gehen, ob offziell Mitglieder einer Kirche oder nicht, werden wieder zu den Gottesdiensten am Ostersonntag und Ostermontag kommen. Weihnachten und Ostern sind die Kirchen überfüllt, an den anderen Tagen im Jahr sieht es schon weniger gut aus.

Viele Christen außerhalb Deutschlands meinen, dass Deutschland zwar die schönsten, aber auch die spärlich besuchtesten Kirchen habe. Wird der Glaube, ja die Botschaft von Jesu Christi von den heutigen Kirchenvertretern nicht lebendig und authentisch genug vermittelt ?!

Kirchenrat Markus Wiechert.Dom zu SchwerinKirchenrat Markus Wiechert: Das erlebe ich anders. Gerade Ostern erinnere ich mich an viele lebendige Gottesdienste, die ich erlebt habe oder mitgestalten konnte. Ein besonderes Erlebnis war für mich die Feier einer Osternacht in der Wismarer Sankt Georgenkirche im vergangenen Jahr. Es war der erste Ostergottesdienst nach dem Wiederaufbau dieser Kirche. Mehrere hundert Menschen waren gekommen, um die Osterbotschaft mit allen Sinnen aufzunehmen. Es begann in völliger Dunkelheit. Ein Zeichen für den Tod Jesu am Karfreitag.

Erblüht Schwerin auch 2010 wieder – im BUGA-Folgejahr …Ein Zeichen auch für manch dunkle Situation in unserem Leben. Dann wurde eine riesige Osterkerze entzündet und durch die Kirche getragen. Und von dieser Kerze breitete sich das Licht aus. Jeder Besucher hielt eine brennende Kerze in seiner Hand. Ein Zeichen für die Auferstehung Jesu. Ein Zeichen auch dafür, dass Christen auf eine göttliche Kraft vertrauen, die neues Licht in unser Leben bringen kann.

– Eine andere sehr lebendige Aktion ist das Schmücken des Osterkreuzes: Besonders die kleinen Kinder haben immer viel Freude daran. Sie stecken bunte Blumen an eine Holzkreuz. Aus einem toten Holz wird ein blühender Lebensbaum. Ostern bedeutet: Das Leben blüht neu auf!

Osterhase in Schwerin …Frage: Nicht zuletzt werden die Oster-Feiertage als zusätzliche Ferientage betrachtet. Kulturelle Veranstaltungen, ob Konzerte oder Theatervorstellungen, stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Aber für viele Heranwachsende ist auch der Disco-Besuch obligatorisch, sogar eine Techno-Party mit dem Thema „Osterhammer“ steht auf dem Programm. Für Sie österlicher Frevel, eine unangemessenes Veranstaltung oder sind Sie da eher tolerant ?

Kirchenrat Markus Wiechert:
Die Frage ist für mich, wann die Party beginnt!? Denn die Woche vor Ostern wird nicht ohne Grund die „stille Woche“ genannt. Gründonnerstag denken wir an Jesus letztes Abendmahl mit seinen Freunden, Karfreitag an seinen Tod am Kreuz. – Gerade in unserer lauten Welt halte ich Stille für wichtig. Sie gibt die Chance, sich zu besinnen. Dazu gehört auch, Fragen des Leidens und des Todes zuzulassen. Sie nicht zu übertönen. Und die Nacht vom stillen Karsamstag zum Ostersonntag ist die Nacht einer großen Verwandlung.

Kinder, die Zukunft des Landes.Aus der Traurigkeit über Abschied und Verlust wird Freude über neues Leben. In diesen Feiertagen der Osterzeit steckt also ganz viel Bewegung, die wir mit vollziehen können. Sie führt in die Osterfreude am Ostersonntag. Viele Kantoren ziehen dann gern mal alle Register der Orgel und die Gemeinde stimmt ein in den Gesang: „Christ ist erstanden“ oder „Wir wollen alle fröhlich sein“. Natürlich gibt es ganz verschiedene Weisen, seiner Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Da bin ich tolerant. Aber nach christlicher Tradition beginnt die Party erst am Ostersonntag.

Kinderland M-V ?!Frage: Viele Themen bewegen die Menschen: die Hartz IV-Debatte, der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, die Finanz- und Wirtschaftskrise, drohende Arbeitslosigkeit, Kinderarmut in Deutschland und anderswo, Missbrauch von Heranwachsenden, Hilfsprogramme für die Dritte Welt, zunehmende Verrohung der Gesellschaft, eine extrem ungleiche Vermögensverteilung nicht nur hierzulande und selbstgefällige Politiker.

Können die Kirchen, speziell die evangelische, hier überhaupt noch Orientierung und Rückhalt geben ? Melden sich beide Kirchen ausreichend zu Brennpunkt-Themen zu Wort ?

Kinderwelt – eine Welt !Blick in die Sankt-Georgen-Kirche in Wismar. Kirchenrat Markus Wiechert:
Es gibt verschiedene Weisen unserer evangelischen Kirche, Menschen Haltung und Orientierung zu geben. Doch nicht alle werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Denn die erste Weise ist die Seelsorge, die ganz persönliche Zuwendung zu einem Menschen und die Anteilnahme an seinen Sorgen und Ängsten. Das ist eine ganz wichtige Arbeit, die im Verborgenen geschieht: In den Krankenhäusern, den Gefängnissen, bei der Bundeswehr, den Beratungsstellen der Diakonie und natürlich bei Besuchen in den Kirchgemeinden. Wie wertvoll sie ist, können wohl nur die Menschen ermessen, die ein offenes Ohr, eine ausgestreckte Hand und ermutigende Worte erleben.

Landesbischof Andreas von Maltzahn.Darüber hinaus bezieht sich jede Auslegung eines Bibelwortes immer auf die Situation, in der die Menschen gerade leben. Bei meiner Einführung habe ich in einer öffentlichen Landtagsandacht über einen Text des Propheten Jesaja gepredigt: Jesaja führt vor Augen, welche Zukunft uns offen steht, wenn wir den Weg der Gerechtigkeit gehen. Und der kritische Maßstab, ob Gerechtigkeit gelingt, ist ob wirklich alle an den Lebensmöglichkeiten teilhaben. Dafür möchte ich in meiner Tätigkeit eintreten.

Vom 18.-20. März 2010 hat die Mecklenburgische Landessynode getagt. In ihr sind Gemeindeglieder und Pastorinnen sowie Pastoren zusammen, die miteinander über den Weg der Mecklenburgischen Kirche beraten und entscheiden. Der Bericht aus der Diakonie stellte sich besonders dem Problem der größer werdenden Armut in unserem Land und zwar mit dem Anspruch, beherzt nach Möglichkeiten zu suchen, die Situation der Notleidenden im Land zu verändern.

Und im Bericht von Landesbischof Andreas von Maltzahn hieß es: „Finanz- und Klimakrise machen heute deutlich, … dass unsere Gesellschaft – um des Lebens willen! – Orientierung durch Gottes Wort braucht. Nicht nur die jüngste Debatte um Afghanistan hat ja gezeigt, dass der gesellschaftspolitische Diskurs im Sinn einer kooperativen Wahrheitssuche der Perspektive des Glaubens bedarf. Es gehört also auch heute zu unserem Auftrag, uns als Kirche zu den (Über-)Lebensfragen unserer Zeit zu äußern.“

Frauen-Power in Deutschland: Sozialministerin M-V, Manuela Schwesig … Bundesfamilienministerin Kristina Schröder … Frage:
Für Schlagzeilen in Deutschland sorgen auch die Frauen. Glaubt man den meinungsbildenden Medien, ist in Deutschland bald „Frauen-Power pur“ angesagt. Frauen, wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Schauspielerinnen Anja und Gerit Kling oder Maria Furtwängler, Sportlerinnen wie Magdalena Neuner oder Maria Riesch, Unternehmerin Elisabeth Mohn, die Schriftstellerin Thea Dorn, Topmodel Heidi Klum, Nobelpreisträgerin Herta Müller, die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes Jutta Limbach oder auch die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, stehen für engagierte und erfolgreiche Frauen in Deutschland.

Hat sich das Frauenbild in der Gesellschaft aus Ihrer Sicht tatsächlich so gravierend verändert oder überdecken die genannten „Power-Frauen“ die realen Verhältnisse ? Aus Ihrer Sicht: War der Rücktritt von Margot Käßmann unbedingt notwendig oder hätte die evangelische Kirche Frau Käßmann nicht noch deutlicher beistehen müssen ?

2Margot Käßmann - Kirchenrat Markus Wiechert: Das Frauenbild hat sich zurecht geändert. Aber die realen Verhältnisse sind immer nur so gut, wie auch wir Männer bereit sind, Maria Riesch, Deutschlands Skikönigin.uns zu verändern.

Zum Glück ist es heute keine Seltenheit mehr, dass auch Väter sich zwischenzeitlich aus der Firma verabschieden und Erziehungsurlaub nehmen. Nach der Geburt meines ältesten Sohnes habe ich das auch getan, und ich möchte diese ganz besondere Zeit nicht missen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der BUGA.Der Rücktritt von Bischöfin Käßmann hat allerdings nicht damit zu tun, dass „Kirchenmänner“ ihr nicht beigestanden hätten. Frau Käßmann hat sich ganz bewusst ihrer Schuld gestellt. Sie wollte die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Der Politik hat sie damit eine Konsequenz gezeigt, dieSchwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. beispielgebend sein könnte.

Ich habe großen Respekt vor der Geradlinigkeit dieser Entscheidung, kann die persönliche Motivation dafür nachvollziehen und sehe diese Entscheidung aber auch im Topmodels Heidi Klum und Anni Wendler aus Schwerin. Zusammenhang mit der Frage, wie wir in unserer Gesellschaft mit Schuld umgehen und wann wir Sühne fordern.

Manche ihrer Vertrauten hatten die Hoffnung gehegt, sie könne aus der Kraft der Vergebung einen neuen Anfang wagen. Doch Frau Käßmann spürte sehr wohl, dass auch nach ihrem Schuldeingeständnis die Gesellschaft ihr diesen Fehler nicht so schnell verzeihen würde.

Sie zog die richtigen Konsequenzen daraus und besaß die Freiheit, von ihrem Amt zurück zu treten.

Kirche am Ufer bei der BUGA 2009. Kirche zu neuen Ufern 2010 ?!Letzte Frage: Wie werden Sie das Osterfest verbringen – im Dienst oder außer Diensten ?

Blume der Hoffnung … Kirchenrat Markus Wiechert:
Ich werde die Bewegung dieser Woche mitvollziehen, wie ich es Ihnen beschrieben habe: Aus der Besinnung in die Lebensfreude. Das ist mir wichtig und keine Frage des Dienstes.

Schwerin-News: Dann ein besinnliches und dennoch abwechslungsreiches Osterfest für Sie und Ihre Familie !

Kirchenrat Markus Wiechert:
Vielen Dank! Dasselbe wünsche ich auch Ihnen und allen Lesern!

Die Fragen stellte: Marko Michels.

Fotos:

1.Blick in die Heiligen-Geist-Kirche in Wismar. Michels
2.Kirchenrat Markus Wiechert. Evangelische Landeskirche M-V.
3.Dom zu Schwerin. Michels
4.Erblüht Schwerin auch 2010 wieder – im BUGA-Folgejahr … / Michels
5.Osterhase in Schwerin … Michels
6.Kinder, die Zukunft des Landes. Michels
7.Kinderland M-V ?! Michels
8.Kinderwelt – eine Welt ! Michels
9.Blick in die Sankt-Georgen-Kirche in Wismar. Michels
10.Landesbischof Andreas von Maltzahn. Evangelische Kirche M-V
11.Frauen-Power in Deutschland: Sozialministerin M-V, Manuela Schwesig … Michels
12. Margot Käßmann – „Konsequenz gezeigt, die beispielhaft ist“. EKD
13.Bundesfamilienministerin Kristina Schröder … Pressestelle K.Schröder
14.Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der BUGA. ZVG/Margot Wild
15.Maria Riesch, Deutschlands Skikönigin. Olympiagesellschaft München 2018
16.Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Pressestelle Verwaltung Schwerin
17.Topmodels Heidi Klum und Anni Wendler aus Schwerin. ProSieben
18.Kirche am Ufer bei der BUGA 2009. Kirche zu neuen Ufern 2010 ?! Michels
19.Blume der Hoffnung … Michels


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