„Golden Box-Girl“ aus M-V

Boxsportlerin Anne Cravaack aus Wismar gewann „inner-mecklenburgisches“ Duell in Berlin

Anne Cravaack holte in Berlin den Titel 2007„Ich bin überglücklich, dieses Mal Meisterin geworden zu sein !“
Das war der erste Kommentar von Anne Cravaack vom PSV Wismar als sie bei den 5.Internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin den Titel in der Klasse bis 57 kg (Federgewicht/Juniorinnen) erkämpfte.

Die zweifache mecklenburgische Landesmeisterin bezwang in ihrem Finale die Schwerinerin Claudia Schulz (BSC Schwerin) deutlich nach Punkten, mit 46:14.

Beste Trainingsbedingungen gibt es für Anne in WismarEin Jahr zuvor war Anne Cravaack in Herrischried bereits deutsche Vize-Meisterin geworden und bewies ihr boxsportliches Talent bereits auf regionaler Ebene mehrfach: Anne wurde schon zweimal Landesmeisterin in M-V.

Wismar`s Box-Nestor Fiete von ThienDie Auszubildende bei den Fietz-Restaurantbetrieben wurde übrigens von Box-Nestor Fiete von Thien entdeckt und gefördert. Beim PSV Wismar trainieren übrigens u.a. die Boxsportlerinnen Anne Cravaack, Alice Altmann, Elli Wohlgemuth, Sophie Schwartz, Stefanie Sawall, Schuschan Surmaschjan (In Berlin Dritte !) und Nicole Schwarz.

In Berlin starteten 69 Boxsportlerinnen in 14 Gewichtsklassen. Von den 14 teilnehmenden Landesverbänden stellten 8 die Final-Kämpferinnen (Berlin: 6, M-V: 5, Bayern: 4).

Vielleicht ist Anne ja eine Kandidatin für Olympia 2012. In London wird dann das Frauen-Boxen erstmals olympisch sein ! Foto/Text: Marko Michels

Zum Frauen-Boxen:

Das Frauen-Boxen ist keine junge Sportart, obwohl sie in Deutschland erst durch die Erfolge von Regina Halmich so richtig populär wurde.

Das Frauen-Boxen entstand wie das Männer-Boxen bereits im 18.Jahrhundert, das seine Ursprünge in England hatte.

Der erste „offizielle Preiskampf“ zwischen zwei Frauen soll im Jahr 1728 in Clerkenwell zwischen Elisabeth Wilkinson und Anna Hyfield stattgefunden haben. Es ging dabei um eine „gekränkte Ehre“ und 60 Pfund Preisgeld.

Eine „inoffizielle Weltmeisterin aller Klassen“ gab es wahrscheinlich erst Ende des 19.Jahrhunderts.

Polly Fairclough trat auf Jahrmärkten mit Sportangeboten auf und bezeichnete sich selbst als „Female Champion of the World“.

Box-Lizenzen für Frauen wurden in England gehäuft Ende des 19./Anfang des 20.Jahrhunderts vergeben.

Besitzer von „Boxbuden“ ließen die Damen in Shows gegeneinander antreten.

Bei den Olympischen Spielen 1904 in St.Louis (USA) wurde Frauen-Boxen „nach festen Regeln“ ins olympische Demonstrationsprogramm aufgenommen.

Frauen-Boxen in Deutschland gab es bis zum ersten Weltkrieg nur in speziellen Klubs. Bis 1918 war es hierzulande verboten. Nach 1920 wurden im „Friedrichstadtpalast“ bzw. im „Metropol“ in Berlin Frauen-Boxkämpfe mit sportlichem Charakter gezeigt.

Sehr erfolgreich war Ende der1920er/Anfang der 1930er Jahre die Boxsportlerin Annie Hayes. Nach 1937 wurde das Frauen-Boxen erneut „de facto“ in Deutschland verboten und auch nach dem Krieg war es insbesondere in deutschen Landen nicht sehr populär.

In den 1990er Jahren erfolgte dann aber ein richtiger frauenboxsportlicher Boom. Allerdings wurde erst 1994 wieder ein öffenlicher „Nachkriegsboxkampf“ für Frauen innerhalb der „ersten Hamburger Frauensporttage“ veranstaltet. Die Legalisierung des Frauen-Amateur-Boxens erfolgte 1996.

Die Erfolge von Regina Halmich, Alesia Graf oder Susi Kentikian bewiesen, „Frauen haben auch einiges in den Fäusten“ und wissen technisch wie sportlich im Boxsport zu überzeugen.

Gerade Regina Halmich war die „Wegbereiterin“ des Frauen-Boxens in Deutschland. 1994 wurde sie bereits Profi-Europameisterin und ein Jahr später Profi-Weltmeisterin der „Women International Boxing Federation“. Von ihren 55 Kämpfen (bis Juli 2007) gewann sie 53 (!). Im Jahr 2002 boxte Regina Halmich auch in der Sport- und Kongreßhalle in Schwerin.

Aktuelles:
Beim Kampf-Abend in der Rostocker Stadthalle am 15.September verteidigte der von Michael Timm betreute Jürgen Brähmer gegen Mario Veit nicht nur seinen Intercontinental-Titel nach WBO-Version, es siegte auch Alesia Graf in ihrem WM-Kampf (Trainer: Torsten Schmitz/Schwerin) gegen die Mexikanerin Zulina Munoz.

Zurückgeblickt: Amateur-Frauen-Box-WM 2006 in New Delhi/Indien

Bei den Amateur-Box-WM für Frauen im letzten Jahr dominierten die Asiatinnen mit 6 Titeln, wobei die indischen Gastgeberinnen vier Weltmeisterinnen stellten. Auch die Russinnen erwiesen sich als sehr kampfstark und holten dreimal Gold. Im Erdteilkampf Europa – Asien – Amerika stand es nach Abschluß der einzelnen Finals Asien: 6, Europa: 6, Amerika: 1.

Gewichtsklassen – Finalistinnen – Resultat

46kg: Chungneijang Marykom (Indien) vs. Steluta Duta (Rumänien) – 22:7
48kg: Ri Jong Hyang (Nordkorea) vs. Jessica Bopp (Argentinien) – 14:10
50kg: Hasibe Erkoc (Türkei) vs. Li Siyuan (China) – 18:12
52kg: Sarita Devi Laishram (Indien) vs. Viktoria Rudenkow (Ukraine) – 24:16
54kg: Sofia Ochigava (Russland) vs. Karolina Michalczuk (Polen) – 21:2
57kg: Yum Kum Ju (Nordkorea) vs. Nagisettey Usha (Indien) – 17:7
60kg: Katie Taylor (Irland) vs. Anabella Farias (Argentinien) – 31:14
63kg: Jenny Lalremliani (Indien) vs. Klara Svensson (Schweden) – RSC 2.Rd.
66kg: Aya Cissoko (Frankreich) vs. Lesja Kozlan (Ukraine) – 10:1
70kg: Ariane Fortin (Kanada) vs. Akima Stocks (USA) – 17:2
75kg: Lekha Kozhummel Chettadi (Indien) vs. Li Jinzi (China) – 30:9
80kg: Irina Sinetskaja (Russland) vs. Chatiqua Hemingway (USA) – 13:6
86kg: Elena Surkowa (Russland) vs. Maria Kovacs (Ungarn) – 20:16

Text & Fotos: Marko Michels


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