IHK: Westmecklenburger Konjunktur im Frühherbst 2007 leicht gebremst

Die konjunkturelle Dynamik im 1. Halbjahr 2007 initiiert ein Wirtschaftswachstum von derzeit 4,0 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Triebkraft dieser günstigen Entwicklung sind die Industrieunternehmen. Dieser Trend wird auch von den Westmecklenburger Unternehmern bestätigt. Allerdings nimmt der Schwung im Frühherbst 2007 ab.

Die Stimmung in der Westmecklenburger Wirtschaft ist seit Mai 2007 zwar ruhiger geworden, aber die von der Schweriner IHK im September 2007 befragten 877 Westmecklenburger Unternehmen sind noch überwiegend zufrieden mit der Geschäftslage. Jedoch beginnt sich nun im Frühherbst 2007 die konjunkturelle Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen deutlicher zu unterscheiden. Zu differenziert fallen die Nachfrageimpulse in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aus. Diese Tatsache spiegelt sich in der negativeren Ertragslage, in insgesamt rückläufigen Umsätzen und auch in der etwas negativen Zahlungsmoral wieder. Der IHK-Geschäftsklimaindikator fällt von 115 auf 108 Punkte (maximal 200 Punkte) und gibt jetzt ähnlich nach wie der Ifo-Geschäftsklimaindex auf Bundesebene.

Der wirtschaftliche Fortschritt gegenüber dem Frühherbst des letzten Jahres ist aber unbestritten und hat ein Wachstum von 4,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im 1. Halbjahr 2007 gegenüber dem 1. Halbjahr 2006 angestoßen´, so Dipl.-Ing. Jörgen Thiele, Präsident der Schweriner IHK.

Motor der wirtschaftlichen Dynamik sind und bleiben die Industrieunternehmen. Nur ihnen gelang es, die Umsätze noch einmal deutlich zu erhöhen. Wesentliche Triebkraft dieser Verbesserung ist die lebhafte Nachfrage aus dem In- und Ausland. Im Bauhauptgewerbe ist die Situation zwar günstiger als im Vorjahr, aber die Indikatoren lassen nach dem guten Frühjahr nun wieder nach. Vergleichbar gestaltet sich die Entwicklung im Verkehrsgewerbe. Hier werden die Auftragseingänge und die Umsätze spürbar geringer. Im Einzelhandel und den konsumnahen Dienstleistungsbereichen hat sich die Situation zum Vorjahr verbessert, aber die Nachfrage und die Umsätze wachsen jetzt nur noch vereinzelt. Die Konsumneigung nimmt ab. Immer mehr Verbraucher betrachten die Preissteigerungen als Gefahr für ihre Kaufkraft und befürchten, dass weitere Preiserhöhungen Schule machen könnten.

IHK-Präsident Thiele wörtlich: ´Der konjunkturelle Funke springt nicht kräftig genug auf den privaten Verbrauch über. Zwar verbessert der Auftrieb die Beschäftigungslage, die mit dem Abbau der Arbeitslosenquote einher geht, aber er trifft nicht alle Wirtschaftsbereiche gleichermaßen. Der Konjunktur hapert es an einer ausreichend breiten Grundlage über alle Wirtschaftsbereiche hinweg. Allein die Industrie kann es kaum richten.´

Dabei deckt die konjunkturelle Entwicklung besonders in den Industrieunternehmen Defizite an Fachkräften auf. Beispielsweise sucht jetzt nahezu jedes dritte Unternehmen aus der Investitionsgüterindustrie passende Ingenieure sowie jedes vierte Meister und Facharbeiter. Immer seltener bewerben sich geeignete Fachkräfte. Diese Situation wird sich nach Überzeugung der Schweriner IHK in den nächsten Jahren durch den demographischen Wandel noch zunehmend verschärfen. Übereinstimmend wollen die Unternehmen daher die eigene Aus- und Weiterbildung in der nächsten Zeit weiter forcieren.

So werden trotz der weiter steigenden guten Konjunktur aus den Industriebranchen wie auch aus den anderen Wirtschaftsbereichen Sorgen laut. Ein oft genannter Kritikpunkt sind erhebliche Kostensteigerungen: zum einen bei den Lohnzusatzkosten aber auch die beständig kletternden Energie-, Öl-, Kraftstoff- und Materialpreisentwicklungen zählen dazu. Darüber hinaus werden der starke Euro und steigende Zinsen vereinzelt als Risiko angesehen.

In den geschäftlichen Aussichten der nächsten zwölf Monate gehen jetzt die Einschätzungen weiter auseinander. Nur in den Industriebranchen bleiben die optimistischen Erwartungen. Stütze dieser Prognosen sind die Exportgeschäfte. Von ihnen erhoffen sich die Industrieunternehmen auf ihrem wesentlichen Exportmarkt – den EU-Mitgliedsstaaten – weitere Wachstumsimpulse. In allen anderen Wirtschaftsbereichen verstärkt sich die Ungewissheit über die Nachhaltigkeit des künftigen Konjunkturverlaufes und die Einschätzungen geben nach. Der Einzelhandel und das Bauhauptgewerbe erreichen beispielsweise wieder nahezu deckungsgleich die pessimistischen Erwartungen vom Vorjahr. Im Einzelhandel wie in anderen konsumnahen Bereichen schwingt die Unsicherheit über die künftige Verbrauchernachfrage mit. Da sie wohl kaum die Ertragssituation befriedigend lösen kann, sollen den Preissteigerungen der letzten Zeit bald weitere folgen.
Treffen diese Aussichten ein, wird der BIP-Zuwachs des 2. Halbjahres 2007 geringer als der des 1. Halbjahres 2007 ausfallen und das Jahresergebnis wohl kaum noch verbessern können.

Die Investitionsabsichten werden sehr deutlich von den Industrieunternehmen bestimmt, jedoch ist über alle Branchen hinweg die Investitionsbereitschaft noch insgesamt groß. Sie hat aber ihren Höhepunkt erreicht und lässt generell nach.

Letztlich wird der Erfolg des konjunkturellen Fortschrittes auch am Arbeitsmarkt gemessen. Bisher war der Trend dort positiv und könnte sich in abgeschwächter Form fortsetzen. Allerdings sind es auch hier wieder nahezu ausschließlich Industrieunternehmen, welche die günstige Entwicklung auf Kurs halten wollen. Damit wird aber deutlich, dass die Industrieunternehmen alleine kaum größere Zuwachsraten der Beschäftigung anstoßen können´, so der Präsident der Schweriner IHK abschließend


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