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IHK zu Schwerin: Wirtschaftlicher Jahresrückblick

Fachkräftemangel in und um Schwerin?!

Ist die wirtschaftliche Lage schlechter als ihr Ruf? Sind „wir“ in Deutschland, in Mecklenburg-Vorpommern, nicht zu genügsam, wenn es um die mittelbaren Folgen der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise geht? Üben sich zu viele in ökonomischer Schönfärberei angesichts der offiziellen und insbesondere der inoffiziellen Arbeitslosigkeit in ganz Europa? Ist der Fachkräftemangel nicht eine Mär, deren Wahrheitsgehalt nicht dadurch besser wird, dass es ständig wiederholt wird?

Fakt ist jedenfalls: Zwei Dritteln der Weltbevölkerung geht es alles andere als gut. Ein Drittel scheint dagegen in „Saus und Braus“ zu leben.
Ist es in Mecklenburg-Vorpommern ähnlich … Ein Drittel lebt und arbeitet in prekären Verhältnissen, ein Drittel kämpft gegen den sozialen Abstieg, zählt sich (noch) zum Mittelstand und dem Verbleibenden geht es prächtig?

Nachgefragt bei Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin

„Die Unternehmen aller Branchen sehen sich zunehmend mit demografischen Problemen konfrontiert“

Frage: Und wieder ist ein Jahr vorüber. Das Jahr vier nach dem Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Wie stehen nun die Firmen im Bereich der IHK zu Schwerin da? Alles im „grünen“ (wirtschaftlichen) Bereich?

Siegbert Eisenach (Foto: IHK)Siegbert Eisenach: Die Wirtschaft im IHK-Bezirk Schwerin stabilisiert sich auf einem hohen Niveau. Die Geschäftslage ist in den zwei Landkreisen und der Landeshauptstadt Schwerin als insgesamt positiv zu bewerten. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie die zukünftigen Erwartungen werden im Konjunkturklima-Index abgebildet, der nach der sehr positiven Frühjahrsumfrage nur geringfügig gesunken ist (von 113 auf 109,4). Damit liegt er aber nach wie vor deutlich über dem langjährigen Mittelwert von 96.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuelle Geschäftslage deutlich besser ist als die Erwartungen, da die Unternehmen durch die anhaltende Staatsschuldenkrise weiterhin verunsichert sind. Trotzdem planen vor allem die exportierenden Unternehmen einen weiteren Ausbau ihrer Aktivitäten.

Frage: Stichwort „Fachkräftemangel“… Wird hier nicht seitens der Medien, Arbeitsverwaltung und Politik ein Begriff pauschalisiert? Echten Fachkräftemangel gibt es doch wirklich nur im Bereich der spezialisierten Naturwissenschaften, bei den Ingenieurwissenschaften und vor allem im Informatik-Bereich – oder?

Siegbert Eisenach: Im Sommer 2012 wurde mit knapp 10.000 Schulabgängern im Vergleich zu den Vorjahren ein Tiefststand erreicht. Bezogen auf 2008 hat sich die Zahl der Schulabgänger damit mehr als halbiert. Ab 2013 verlassen doppelt so viele Arbeitnehmer aus Altersgründen den Arbeitsmarkt wie junge Schulabgänger nachrücken. In der Folge wird die Fachkräftelücke für die kommenden Jahre deutlich messbarer.

Bereits heute bilden die IHK-Unternehmen vorrangig für den eigenen und nicht mehr über diesen Bedarf aus. Schon im Sommer 2012 konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Über 300 Angebote blieben frei.

Die Unternehmen aller Branchen sehen sich zunehmend mit diesen demografischen Problemen konfrontiert. In Zukunft müssen bestehende Ressourcen noch besser genutzt werden. Die Weiterbildung und Qualifizierung von Arbeitskräften, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch ein durchdachtes betriebliche Gesundheitsmanagement und ein gutes Arbeitsklima durch qualifizierte Führungskräfte sind solche Faktoren.

Frage: Wie beurteilt die IHK zu Schwerin das Jahr 2012? Welche Hoffnungen verbindet diese mit dem Jahr 2013?

Siegbert Eisenach: Das Jahr 2012 ist eindeutig positiv zu bewerten. Die Unternehmen waren im Jahresvergleich sehr zufrieden mit ihrer Geschäftslage, jedoch hat gegen Jahresende die bereits erwähnte Staatsschuldenkrise die Erwartungen eingetrübt. Diese Krise und die damit einhergehenden Befürchtungen werden 2013 eine richtungsweisende Rolle bei der Entwicklung der Wirtschaft spielen.

Durch die geringe Exportabhängigkeit der Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern und der noch immer stabilen Binnennachfrage ist eine kurzfristige Eintrübung der regionalen wirtschaftlichen Situation jedoch nicht zu erwarten. Besonders positiv bewertet das verarbeitende Gewerbe sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für 2013.

Die Dienstleistungsunternehmen beurteilen ihre aktuelle Situation sehr gut, sehen aber sehr kritisch in die Zukunft. Nur gut jeder vierte Betrieb rechnet hier mit einem besseren Geschäftsverlauf. Der Handel verzeichnet aktuell stabile Umsätze, drei Viertel der Unternehmen erwarten eine gleich bleibende oder bessere Geschäftslage in 2013.

Die Fragen stellte Marko Michels


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