JAZZ LYRIK PROSA „Knupperkirschen mit Vanilleeis“

Musikalisch-literarische Veranstaltung mit Tradition am 30. Januar 2011 im Capitol

1963 rief Werner „Josh“ Sellhorn (*16.11.1930 – †17.05.2009) im Auftrag des Buchverlags Volk und Welt, dessen Werbeleiter er war, die Verlagswerbeveranstaltung „Jazz und Lyrik“ ins Leben, die 1964/65 nahezu hundertmal in vielen Städten der DDR aufgeführt wurde und die riesige Publikumsresonanz fand. Die musikalische Seite wurde vertreten durch die Berliner Amateurband „Jazz-Optimisten Berlin“ mit ihrem swingenden Dixielandjazz und den Jazzgesang des Schauspielers Manfred Krug. Anknüpfend an die damals große Begeisterung vieler für Lyrik wurden Gedichte – hauptsächlich heiterer und satirischer Art – aus den Büchern des Verlags ausgewählt, die auch von Manfred Krug vorgetragen wurden. Allmählich kamen immer mehr auch Prosatexte hinzu, bis schließlich Ende 1965 das neue Programm „Lyrik – Jazz – Prosa“ gestartet wurde. Neben der Stammbesetzung kamen zeitweise – singend oder rezitierend – Gastsolisten hinzu wie die Jazzsängerin Ruth Hohmann, die Schauspielerinnen und Schauspieler Eberhard Esche, Gerry Wolf, Angelica Domröse, Annekathrin Bürger, Edwin Marian, der Kabarettist Gerd E. Schäfer, der Liedermacher Wolf Biermann und andere.

„Jazz und Lyrik“ und „Lyrik – Jazz – Prosa“ galten in der DDR geradezu als Kultveranstaltungen. Während der Laufzeit

dieser Konzerte (Ende 1963 bis ins Jahr 1966 hinein) gab es stets ausverkaufte Häuser und großen Jubel des Publikums. Auch später kannten zum Beispiel viele ganze Passagen der vorgetragenen Texte auswendig und trugen sie bei häuslichen Festen und im Freundeskreis vor.

Von Veranstaltungen in Berlin wurden Mitschnitte auf Amiga-Schallplatten veröffentlicht (1965 die LP „Jazz und Lyrik“ von einem Konzert 1964; 1968 – nach langen Auseinandersetzungen mit Kulturfunktionären – die LP „Lyrik – Jazz – Prosa“ von einem Konzert 1965). Ende 1995 wurde vom Label Amiga der Hansa-Musikproduktion (im Konzern BMG Ariola) eine zusammenfassende CD unter dem Titel „Jazz – Lyrik – Prosa“ herausgebracht, die die Mehrheit der damals veröffentlichten Musiktitel und alle rezitierten Titel beider LPs enthält und die eine große Resonanz findet. (Ende November 1995 in Erstauflage veröffentlicht, musste BMG Ariola vor Weihnachten 1995 bereits eine dritte Auflage herausbringen, weil die CD zeitweilig ständig vergriffen war; bis Ende 2009 lag die Zahl der verkauften Exemplare bereits über 160 000.)

Weil durch die neuerliche Resonanz deutlich wurde, dass auch heute noch und wieder durchaus ein großes Bedürfnis nach derartigen musikalisch-literarischen Veranstaltungen besteht haben wir beschlossen, ein solches Projekt unter dem Titel „Jazz – Lyrik – Prosa“ neu zu starten. Die musikalische Grundlage bilden, moderne, aber durchaus populäre Spielweisen des Jazz. Was die ausgewählte Literatur betrifft, so sollte sie heute noch „weltoffener“ sein als damals. Der künstlerische Grundgedanke sollte jedoch der früheren Absicht verpflichtet bleiben, das Publikum nicht nur schlechthin zu unterhalten, sondern es mit guter Literatur (Prosa und Lyrik) unterschiedlicher Art und Spielarten des Jazz sowie deren Zusammenwirken bekannt zu machen.

In Gedenken an unseren spiritus rector Werner „Josh“ Sellhorn wird die Veranstaltungsreihe weitergeführt. 2007 erschien die CD „Jazz Lyrik Prosa IV“ mit Ausschnitten der aktuellen Programme und 2009 die fünfte CD „ Hacks‘ Fülle des Lebens“.

Knupperkirschen mit Vanilleeis – Sonderprogramm: Mit Ursula Werner, Gottfried Richter und der Papa Binnes Jazz Band

Ein literarisch-musikalisches Programm mit lustigen Geschichten und Gedichten von Autoren wie Hugo Wiener, Renate Holland-Moritz, John Stave, Heli Busse, Ralph Wiener und anderen, vorgetragen von  Ursula Werner (Maxim-Gorki-Theater Berlin) und Gottfried Richter (Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin). Dazu populärer Jazz mit der wohl dienstältesten Dixieland Band Ostdeutschlands, der 1959 gegründeten Papa

Binnes Jazz Band deren Repertoire weit gespannt ist von klassischen Titeln des traditionellen Jazz wie „Mahagony Hall Blues Stomp“ und „South Rampart Street Parade“ über Swing-Stücken wie “Sent For You Yesterday” bis zu “verjazzten” Schlagerhits wie “Die alten Rittersleut’“ und „Die Fidschi-Inseln“.

Ursula Werner (Foto: privat)Ursula Werner studierte Schauspiel an der Staatlichen Schauspielschule Berlin, der heutigen Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Erste Engagements führten sie an das Landestheater Halle an der Saale und an das Berliner Kabarett „Die Distel“. Seit 1974 ist Ursula Werner festes Ensemblemitglied des Maxim Gorki Theaters Berlin. Ihre Ausflüge zur großen und kleinen Leinwand bleiben besonders ehemaligen DDR-Bürgern in Erinnerung, denn die Schauspielerin ist liebevoll burschikos und darf dies in ihren Rollen auch zeigen. Einige wichtige Filme: Ein irrer Duft von frischem Heu 1977, Insel der Schwäne 1982, Tatort: Money! Money! 1998, Willenbrock 2005, „Wolke 9“ !!! 2007 – 2008 hierfür die „Goldene Lola“

Gottfried Richter (Foto: privat)Gottfried Richter Jahrgang 1947, Studien der Malerei und Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig wurde er 1970 ans Volkstheater nach Rostock, 1974 nach Schwerin und wieder nach Leipzig engagiert, für 14 Jahre. Dort viel Jugendliches: Carlos, Max Piccolomini, Melchthal, Tempelherr, „Golden Boy“ bis Volker Brauns „Che Guevara“…Musicalproduktionen wie „Westside-Story“, „Pop-Festival“ und „Rockballade“ in Leipzig führten 1987-90 auch zu Gastrollen an die Staatsoperette Dresden für den Che in „Evita“ und Ethan in „König David Bericht“ nach Stefan Heym. 1987 Umzug nach Berlin und nach Gastrollen 1991 Engagement am Maxim-Gorki-Theater, (dort 250 Mal Mc Murphy im „Kuckucksnest“), an der Staatsoper Berlin als Gast „Bassa Selim“, 1998 am ehem. Kulturpalast Bitterfeld als „Orpheus“ von Peter Hacks, als Guter Gesell im „Jedermann“ in der Kirche in Koserow bei „Klassik am Meer“. Daneben Synchronarbeit, Film- und Fernseharbeiten bei Regisseuren wie Günter Reisch, Lothar Warnecke, Heiner Carow, Christa Mühl, Hans Werner und Kai Wessel. 1990 Hauptrolle im 7-Teiler „Luv und Lee“ von H.-J. Hildebrandt. Am Gorki-Theater engagiert bis 1997, in dieser Zeit zu sehen als Jason in H.H.Jahnns „Medea“, Verwalter in der Urfassung „Wassa Schelesnowa“. Weitere Ausbildungen in Konzertgitarre und Steptanz. Seit 1999 Engagement am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Hier neben vielen musikalischen Arbeiten eine Menge charaktervoller Rollen wie in „Quartett“, in „Räuber“, „Hamlet“ und „Lear“, in „Drei Mal Leben“ von J. Réza, „Die Ziege, oder wer ist Sylvia“ von Albee, „Gespenster“, „Das Fest“ und im Musical „Sorbas“. Zuletzt Gefängnispfarrer/Alter Jac in „Clockwork Orange“. Gastspiele führten ihn zu Steffen Mensching nach Rudolstadt in „Sechs Personen suchen einen Autor“ und nach Heilbronn als Pablo Neruda in „Brennende Geduld“, Regie Alejandro Quintana. Projekte auf dem Gebiet Chanson, Dichtung, Lesung begleiten ständig die Theaterarbeit.

JAZZ LYRIK PROSA
„Knupperkirschen mit Vanilleeis“
Sonntag, 30.01.2011, 17.00 Uhr
Capitol Schwerin

Karten sind ab sofort an den Kassen des Capitols oder unter info@das-capitol.de für 22,50 € erhältlich.


Produkttipps

Nach oben scrollen