„Kurs: Olympischer Marathon 2008“

Hanseatin Ulrike Maisch hofft auf Peking …

Während Schwerin noch die Siegerinnen und Sieger des 3.Nachtlaufes am 19.April 2008 feiert, bereitet sich die Rostockerin Ulrike Maisch intensiv auf den olympischen Marathonlauf in Peking vor.

Frage: Das Wettkampfjahr 2007 war für Sie, nicht zuletzt verletzungsbedingt, ein schwieriges. Gehen Sie dennoch optimistisch in die Olympia-Saison 2008 ?

Ulrike MaischUlrike: Ich war ja beim Wintertraining in Bischofswiesen. Da ich noch bis September 2008 bei der Bundeswehr als Hauptgefreite bin, hatte ich dort eine „preiswerte“ Unterkunft, in einer Kaserne. In Bischofswiesen trainierte ich zusammen mit Christiane Pilz, die für den SC Neubrandenburg im Triathlon startet, aber auch von meinem Trainer Klaus-Peter Weippert trainiert wird. Sie macht sich ebenfalls noch Hoffnungen auf Olympia …  Ansonsten verlief die Vorbereitung – von kleineren Verletzungen einmal abgesehen – sehr gut. Seit Oktober 2007 konnte ich mich aber auch in „wärmeren Gefilden“ auf Peking vorbereiten. So war ich in einem zweiwöchigen Trainingslager mit den Triathleten auf Lanzarote und im Januar/Februar 2008 trainierte ich mit weiteren DLV-Leichtathleten im südlichen Spanien. Zur Zeit (April 2008) bin ich im Trainingslager in Marburg.
Nach dem Frankfurter Marathon im letzten Jahr bestritt u.a. auch auch einige Wettkämpfe, so nahm ich am Silvesterlauf in Trier teil und startete bei der Militär-Cross-WM in Thun bzw. bei den deutschen Crossmeisterschaften.
Mit Blickrichtung Peking bin und bleibe ich optimistisch !

Frage: Bei den deutschen Crossmeisterschaften Anfang März hatten Sie einen beeindruckenden Start in die olympische Saison: Gold mit dem Team (zusammen mit der Triathletin Christiane Pilz und Katharina Splinter) sowie Vierte im Einzel.
Selbst überrascht über diesen Erfolg ? Hat Ihr Trainer Klaus-Peter Weippert „ganze Arbeit“ geleistet ?

Ulrike: Naja, nicht ganz zufrieden war ich mit der Einzelleistung, aber insgesamt betrachtet war es schon ein gutes Ergebnis. Allerdings: Wenn man so dicht ans „Medaillen-Treppchen“ läuft, möchte man auch sehr gern darauf stehen 🙂
Das Mannschafts-Resultat ist natürlich super, aber – ehrlich gesagt – eher zweitrangig …
Für mich war der Start bei den deutschen Crossmeisterschaften eine Bestätigung der Form auf einer „kurzen Strecke“, wobei Klaus-Peter Weippert – wie immmer (!) – „ganze Arbeit“ geleistet hat.

Frage: Ulrike, Sie können mental viel Kraft aus Ihrem EM-Gold 2006 schöpfen …
Wie sieht Ihre aktuelle Vorbereitung auf Peking aus ?

Ulrike: Wie schon gesagt, bin ich ja noch in Marburg. Und die Qualifikation in Hamburg Ende April steht für mich natürlich im Vordergrund. Dabei dürfte die Olympia-Norm von 2 Stunden und 31 Minuten nicht reichen, denn es sind bereits vier deutsche Frauen schneller gelaufen, und Irina Mikitenko ist bereits gesetzt. Aber ich bin weiterhin guter Hoffnung, werde meine Bestleistung jedoch steigern müssen – wahrscheinlich so auf  2 Stunden 29 Minuten !
Zur „heißen“ Vorbereitungsphase auf Peking: Ich werde im Sommer wieder ein Höhentraining in St.Moritz  bestreiten. Teilnehmen werde ich wohl ebenfalls an den deutschen Meisterschaften im Straßenlauf und bei den Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg im Juli laufe ich die 5000 Meter. „Läuft alles nach Plan“ reisen wir 10 Tage vor Beginn der Spiele ins Vorbereitungslager nach Japan und werden zwei Tage vor der Entscheidung im Marathon in Peking eintreffen.
Was den EM-Erfolg in Göteborg von 2006 betrifft … Vor allem bei „Tiefpunkten“ und Verletzungen gibt das EM-Gold von 2006 „Rückenwind“ !

Frage: Der Marathonlauf ist „mörderisch“ lang, mit einer einmaligen historischen Dimension.
Wie kamen Sie, Ulrike, zur Leichtathletik ?

Ulrike: Das verdanke ich meinen Eltern, meinem damaligen Sportlern und Trainern, die wohl sahen, dass ich Talent für die Leichtathletik allgemein hatte. Bereits als Kind trieb ich viel Sport, wurde – nicht zuletzt durch meinen Vater, der Mehrkampftrainer war – Mehrkämpferin und gelangte „so“ schließlich zum Marathon.

Frage: Das gewaltsame Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte in Tibet zog eine heftige Boykott-Diskussion nach sich. Wie ist hier Ihre persönliche Meinung ?

Ulrike: Ich denke nicht, dass ein Boykott die gewünschte Wirkung hätte. Die sportlichen Wettkämpfe können viel mehr „frischen Wind“ nach China bringen.
Abgesehen davon ist Olympia für Sportler eines der größten Erlebnisse überhaupt, auf das kein Sportler verzichten möchte.

Infos zu U.Maisch

Die Rostocker Marathonläuferin und amtierende Europameisterin Ulrike Maisch, die vor der EM-Entscheidung 2006 „eigentlich nur unter den ersten Acht landen wollte“, kam erst spät  zur Langstrecke. Bis zum 16.Lebensjahr war sie eine erfolgreiche Siebenkämpferin. Den  ersten Marathonlauf absolvierte Ulrike dann 2001. Und 2002 der erste „Paukenschlag“ – Sieg beim Bonn-Marathon. Im gleichen Jahr – bei den EM 2002 in München – wurde die Hanseatin im Einzel Achte und belegte mit dem Team den ersten Platz. Bei den WM 2003 erreichte die gebürtige Stralsunderin eine „Top Twenty“-Platzierung und nach der Olympia-Teilnahme 2004 begannen ihre Verletzungssorgen. Ein erfolgreiches Comeback feierte Ulrike im Jahr 2005 als sie Zweite über 5000 Meter bei den deutschen Meisterschaften wurde und den traditionellen Schwedenlauf in Wismar gewann. 2006 wurde Ulrikes goldenes Jahr, ehe ihr verletzungsbedingt die WM-Teilnahme 2007 in Osaka versagt blieb. Nun meldete sich die Hanseatin bei den deutschen Crossmeisterschaften 2008 eindrucksvoll zurück. M.M.

STECKBRIEF – Ulrike Maisch – Disziplin: Marathon – Geburtsjahr: 1977 – Geburtsort: Stralsund – Größe: 169 cm – Gewicht: 55 kg – Beruf: Sport-Soldatin (seit 2006), Studium  (Erziehungswissenschaften/Sprachen), Studienaufenthalt 1996-1998 in Texas – Verein: 1.LAV Rostock – Trainer: Klaus-Peter Weippert – Persönliche Bestleistung: Bestleistung: 2:30:01 Std. (2006) – Größte Erfolge: Europameisterin 2006, Achte 2002, Olympia-Teilnehmerin 2004, WM-Teilnehmerin 2003, deutsche Meisterin Halbmarathon 2002, DM-Zweite 2005 (5000 m), DM-Dritte 2006 und 2004 (5000 m), Siegerin Bonn-Marathon 2002

Weltmeisterinnen im Marathon

1983: Grete Waitz (NOR) / 1987: Rosa Mota (POR) / 1991: Wanda Panfil (POL) / 1993: Junko Asari (JAP) / 1995: Maria Manuela Machado (POR) / 1997 Hiromi Suzuki (JAP) / 1999: Jong Song-ok (PRK) / 2001: Lidia Simon (ROM) / 2003: Catherine Ndereba (KEN) / 2005: Paula Radcliffe (GBR)

Olympiasiegerinnen im Marathon

1984: Joan Benoit (USA) / 1988: Rosa Mota (POR) / 1992: Walentina Jegorowa (RUS) / 1996: Fatuma Roba (ETI) / 2000: Naoko Takahashi (JAP) / 2004: Mizuki Noguchi (JAP)

Marko Michels

Autogrammfoto Ulrike Maisch

Zuletzt aktualisiert am 20. November 2022 um 23:51 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

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