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Natürlich wieder Filme nonstop

Nur noch ein paar Tage… Dann ist es wieder so weit. Schwerin wird zum cineastischen Mittelpunkt in M-V und lädt vom 3. bis 8. Mai zum 26. Filmkunstfest.

Interview

Marko Michels hat bei Pressesprecher Max Peter Heyne einmal nachgefragt.

„So viele Aufführungen gab es noch nie bei einem Filmkunstfest…“

 

Was werden die Höhepunkte des 26. Filmkunstfestes M-V sein?

Max-Peter Heyne: Zum einen erwarten wir am 6. Mai um20 Uhr im Großen Saal des Filmpalast Capitol „theworld’scraziestbigband“, die Flat Earth Society aus Brüssel. In diesem Jahr ist Belgien unser Länderschwerpunkt, und wir freuen uns auch belgische Musiker in Schwerin zu Gast zu haben. Die 1998 vom Multiinstrumentalisten und Komponisten Peter Vermeersch gegründete Band mixt Jazz, Swing, Folklore, Zirkus- und Big Band-Sound auf avantgardistische Weise und feiert damit in ganz Europa Triumphe.
Sie sind allerdings bisher nur selten in Deutschland aufgetreten. Umso schöner, dass die unkonventionellen Belgier den frivolen Stummfilm „Die Austernprinzessin“ nun in Schwerin kongenial vertonen werden.

In dem frühen Werk (1919) des genialen Komödienregisseurs Ernst Lubitsch („Ninotschka“) will die verwöhnte Tochter eines superreichen Unternehmers unbedingt einen Prinzen als Mann – gerät aber an dessen Diener. Wir sind selbst gespannt, in welcher Weise dieses an sich schon sehr schräge, ins Groteske tendierende Werk der Blütezeit des deutschen Stummfilms vom Sound einer so spielfreudigen Jazz-Bigband wie der Flat Earth Society profitiert. Immerhin erwarten wir ein 14-köpfiges Orchester.

Aus dem reichhaltigen Filmprogramm Höhepunkte herauszusuchen, fällt schwer, da sich die Programmredaktion Monate lang Mühe gegeben hat, ausschließlich Perlen der Filmkultur auszuwählen. Aber unser Eröffnungsfilm „Rabbi Wolff“ von Regisseurin Britta Wauer gehört mit Sicherheit zu den Highlights. Der Schweriner Ehrenbürger und Ex-Landesrabbiner ist einfach eine liebenswerte und beeindruckende Persönlichkeit – die man nach diesem Filmporträt noch mehr schätzen lernt als zuvor.

 

Was können, was dürfen die interessierten Zuschauer noch erwarten?

Max Peter Heyne: Filme nonstop, immerhin verzeichnet das Programm, das ab dem 22. April komplett online unter www.filmland-mv.de einzusehen und herunterzuladen ist, 140 Veranstaltungen, die meisten davon Filmaufführungen. So viele Aufführungen gab es noch nie bei einem Filmkunstfest. Das Programm besteht aus den traditionellen Wettbewerbsschienen zu Spiel-, Dokumentar-, Jugend- und Kurzfilmen. Dann gibt es die Reihe mit dem Gastland Belgien – ein Land, das sich als kreative Filmnation im Aufwind befindet –, die Reihe mit Filmen des Medienpartners NDR, der DEFA, „gedreht in MV“ und die Hommage zur diesjährigen Ehrenpreisträgerin Christine Schorn.

Szene aus ''Ich bin tot'' (Bild: Camino Filmverleih)Nicht zu vergessen die Reihe Cinefete, Filme im französischen Original mit Untertiteln für Schülerinnen und Schüler am Vormittag. Wir sind von der Fülle einer Berlinale dennoch weit entfernt, aber auch beim Filmkunstfest MV 2016 ist für jeden Geschmack und jedes Interesse etwas dabei. Das betrifft auch die belgische und die Ostseereihe: Belgien ist berühmt für seine skurrilen, oft schwarzen Komödien. Mit dem turbulenten Roadmovie „Ich bin tot – macht was draus“ mit dem sehr populären Flandern-Star BouliLanners haben wir auch ein besonders unterhaltsames Beispiel dieses Genres im Programm.

Aber es gibt auch melancholische und dramatische Filme aus Belgien zu sehen, etwa die Tragikomödie „Alle Katzen sind grau“ – ebenfalls mit BouliLanners – und die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die als Partyorganisatoren in Stress geraten: „Café Belgica“. Auch die filmische Reise rund um den Ostseeraum zeichnet sich durch eine große Bandbreite bei den Genres aus, Sie führt oft in entlegene Orte und Landschaften, deren bisweilen raues Klima die Menschen prägt.

Häufig kreisen die Geschichten um die junge Generation: Im bereits auf der Berlinale ausgezeichneten lettischen Beitrag „MellowMud“ geht es um die 17-jährige Raya, die nach dem Tod der Großmutter auf sich allein gestellt ist und sich auf die Suche nach der durchgebrannten Mutter begibt. In dem großartig fotografierten Roadmovie „Kirschtabak“ aus Estland verliebt sich die 17-jährige Laura zum ersten Mal – in einen attraktiven, Pfeife rauchenden, aber wesentlich älteren Tourguide.

Der vielfach ausgezeichnete Film „Lenas Klasse“ aus Russland erzählt von der jungen, intelligenten und lebensfrohen Lena, die trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung als Rollstuhlfahrerin ein normales Leben führen will – in einer Umwelt, die mit besonderen Bedürfnissen nicht umgehen kann.

Zwei einfühlsame Dramen kommen aus Dänemark und Schweden. In „In Deinen Armen“ wird eine fürsorgliche dänische Krankenschwester von einem jungen Schwerkranken um aktive Sterbehilfe gebeten. „The Yard“ aus Schweden ist eine kafkaeske Parabel über einen Dichter in einer unwirtlichen Umgebung, der zur Nummer degradiert wird allmählich alle Bezugspunkte in seinem Leben verliert.

Eine schwedisch-deutsche Koproduktion, die teils in Bremerhaven gedreht wurde. Norwegen steuert eine schwarze Komödie bei: „Kill Billy“ handelt von einem verzweifelten Betreiber eines alteingesessenen Möbelgeschäfts, der sich gegen die übermächtige Konkurrenz wehrt, indem er den betagten IKEA-Gründer Ingvar Kamprad zu entführen versucht.

Ein weiteres Drama mit einer sehr romantischen Note aus Finnland, „2 Nightstil Morning“ lässt ein ungewöhnliches Paar in Vilnius aufeinandertreffen: Caroline, eine französische Architektin auf Geschäftsreise in Litauen, und Jaakko, ein finnischer DJ, der zum Auflegen nach Vilnius kommt. Wer es spannend mag, kommt beim polnischen Psychothriller „The Red Spider“ voll auf die Kosten. Die Geschichte über einen jungen Mann, der im düsteren Krakau der Sechzigerjahre einem Serienmörder auf die Schliche kommt und sich darüber selbst verliert, fesselt mit überraschenden Wendungen und verleiht dem Genre neue Impulse.

Der litauische Beitrag „Mariupolis“ – der einzige Dokumentarfilm der Reihe – ist zu Beginn des Konfliktes in der Ostukraine gedreht worden und zeigt die Auswirkungen einer latenten Bedrohung auf die Menschen. Neun originelle Kurzfilme aus den jeweiligen Ländern werden als Vorfilme gezeigt.

 

Gibt es neben bewährten Angeboten auch Neuerungen?

Max Peter Heyne: Ganz große Änderungen gibt es 2016 beim FILMKUNSTFEST nicht. Aber was in diesem Jahr auffällig ist: Wir haben deutlich mehr Diskussionen und Filmgespräche als sonst. Einerseits wird die Tradition der Late Night Talks wieder aufgegriffen, die unser erfahrener Filmkunstfest-Moderator Knut Elstermann am Festivalmittwoch und –Freitag mit Filmschaffenden im neuen Festivalcafé Platon im Schweriner Klöresgang abhalten wird, voraussichtlich jeweils ab etwa 23.30 Uhr.

Zum anderen haben wir zusammen mit politischen Stiftungen und Organisationen Podiumsdiskussionen angesetzt: Zum Dokumentarfilm „Wem gehört der Osten? – die Deals der Einheit“, der kritisch auf die Umbruchzeit 1990 zurückblickt, als fast ein ganzes Land zum Verkauf stand, erwarten wir den letzten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maiziere, den Fraktionsvorsitzenden der Partei Die Linke im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, den ehemaligen Präsidenten des Bauernverbandes MV, Gerd-Heinrich Kröchert, und den Produzenten des Films, Olaf Jacobs (4.5., 16 Uhr, Capitol).

Anlässlich der Aufführung des belgischen Kriminalfilms „Image“, der im mittlerweile berüchtigten Stadtteil Molenbeek spielt, zugleich auch eine Abrechnung mit dem Sensationsjournalismus ist, im Länderschwerpunkt Belgien bot sich eine Diskussion über die aktuelle Situation in Brüssel an: Unter dem Titel „Miteinander, nebeneinander oder gegeneinander leben in Europas Hauptstadt?“ diskutieren in Anwesenheit der beiden belgischen Regisseure Adil ElArbi und Bilal Fallah außerdem noch unser Gast, die Graphic-Novel-Illustratorin Judith Vanistendael, und Dr. Sylvia Völzer, Stellvertretende Leiterin des Informationsbüros des Landes MV in Brüssel unter der Leitung des Journalisten Friedrich Leist (6.5., 16.45 Uhr, Capitol).

Über die aktuelle Kulturpolitik der neuen, rechtskonservativen Regierung in Polen wird anlässlich des Gastprogramms mit Kurzfilmen des Stettiner Festival SEFF am 5.5. um 18 Uhr im Capitol diskutiert. Dazu erwarten wir u.a. Michał Chaciński, renommierter Publizist, TV-Journalist und ehemaliger künstlerischer Leiter des größten polnischen Filmfestivals Polens in Gdynia, und Herrn Dr. Kai-Olaf Lang, Senior Fellow bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin.

Zu seinem Forschungsgebiet gehört EU-Erweiterungspolitik, östliche Partnerschaft und die Länder Mittel- und Osteuropas. Der Eintritt ist frei. Es wird u.a. darum gehen,obman wie in Ungarn auch in Polen bei den Kreativen und Programmgestaltern der Festivals mit Zensur und vorauseilender Selbstzensur rechnen muss. Wie verheerend solche Tendenzen und Eingriffe der Regierungen auf kulturelle Prozesse sein können, wird in der Veranstaltung „Verbotene Utopie“ diskutiert.

Am 7. Mai 2016, 16.30 Uhr, im Capitol wird zunächst der DEFA-Film „Der verlorene Engel“ über Ernst Barlach von 1964 gezeigt. Danach werden der Herausgeber und Ko-Autor des neuen Bucheszum verhängnisvollen Plenum vom Dezember 1965 in der DDR, „Verbotene Utopie – Die SED, die DEFA und das 11. Plenum“, Ralf Schenk (Vorstand der DEFA-Stiftung), und Evelyn Carow, frühere DEFA-Cutterin und Witwe des Regisseurs Heiner Carowüber diese Zeit sprechen und aus dem Buch lesen. Auch diese Moderation übernimmt Knut Elstermann.

 

Wie viele Filme werden in den Wettbewerben präsentiert?

Max Peter Heyne: Es laufen jeweils 10 Spielfilme und Dokumentarfilme sowie 20 Kurzfilme in den Wettbewerben, 6 im Jugendfilmwettbewerb. Insgesamt sind 131 Filme zu sehen, davon 75 lange Filme, 22 Dokumentarfilme, 76 Kurzfilme aus 24 verschiedenen Ländern, wenn man die Co-Produktionsländer wie Slowenien, Serbien, Kanada und die Ukraine mitzählt.

 

Weitere Informationen unter www.filmkunstfest-mv.de .


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