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Schwerin-NEWS.de Nachrichten-Archiv

Offener Brief des Stadtgeschichts- und Museumsvereins Schwerin

Schwerin-NEWS.de erhielt vom Stadtgeschichts- und Museumsverein Schwerin e.V. einen offenen Brief zum Kulturentwicklungskonzept 2010 bis 2015 der Landeshauptstadt Schwerin mit der Bitte um Veröffentlichung. Der Brief ist gerichtet an die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt und an die Fraktiononsvorsitzenden in der Schweriner Stadtvertretung.

Offener Brief des Stadtgeschichts- und Museumsvereins Schwerin
an
Frau Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow,
Herrn Stadtpräsidenten Stefan Nolte,
den Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Herrn Daniel Meslien,
den Vorsitzenden der CDU/FDP-Fraktion, Herrn Sebastian Ehlers,
den Vorsitzenden der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Herrn Manfred Strauß,
den Vorsitzender der Fraktion Die Linke, Herrn Gerd Böttger,
den Vorsitzender der Fraktion der Unabhängigen Bürger, Herrn Silvio Horn
per eMail an an die Redaktionen
der Schweriner Volkszeitung, des Schweriner Kurier, des Schweriner Sonntags-Blitz, der Ostsee-Zeitung, des Norddeutschen Rundfunks, Radio Mecklenburg-Vorpommern, Radio Antenne M-V, dpa und epd

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Stadtpräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
der Stadtgeschichts- und –museumsverein Schwerin e. V. hat sich 1993 konstituiert, um das damalige Historische Museum auf seinem Weg zu einem Stadtgeschichtsmuseum zu unterstützen. Seit dessen Schließung 2005 gehört unter anderem zu unseren Zielen, der Schweriner Stadtgeschichte einen angemessenen musealen Raum in Schwerin zu verschaffen.
Erfreut nehmen wir zur Kenntnis, dass Bemühungen zur Einrichtung einer stadtgeschichtlichen Ausstellung unternommen werden und dass, wie in der Schweriner Volkszeitung am 04. März zu lesen war, das Kulturentwicklungskonzept 2010 bis 2015 wieder ein Geschichtsmuseum vorsehe, wobei es sich allerdings lediglich um eine Ausstellung, nicht ein Museum handeln wird. Wir haben schon 2005 darauf hingewiesen, dass es mit einer Ausstellung nicht genug sein kann, denn sowohl die Sammlung als auch die pädagogische Vermittlung der Stadtgeschichte im Rahmen einer institutionalisierten Museumsarbeit müssen fortgesetzt werden.

Insofern sehen wir die jetzige Planung durchaus kritisch. Die Ausstellung »Mecklenburg im Ersten Weltkrieg« hat bereits gezeigt, dass die im Schleswig-Holstein-Haus für die Stadtgeschichtsausstellung vorgesehenen Räume nur sehr bedingt geeignet für eine Ausstellung bzw. ein Museum sind:
• Der Zugang zu den Ausstellungsräumen ist nur über eine Treppe möglich, die zudem noch abseits der Besucherwege in den Ausstellungen des Schleswig-Holstein-Hauses liegt.
• Die Räume besitzen große Fensterfronten, die für eine hohe Helligkeit sorgen, Sonneneinfall ermöglichen und damit auch die Raumtemperaturen ständigen Veränderungen                          unterwerfen.
• Die Räume verfügen über unterschiedliche Fußbodenniveaus mit mehr oder weniger hohen Stufen und Schwellen; die Ausstellungsräume im Flügel Schliemannstraße sind nur über eine
mehrstufige Treppe zu erreichen.
• Die Anordnung der Räume ermöglicht keinen Besucherrundgang in der Ausstellung.
• Die relativ geringe Größe der einzelnen Räume schränkt die Möglichkeiten der Präsentation von Exponaten stark ein und beschränkt zugleich Rundgangs- bzw. Führungsmöglichkeiten mit Gruppen.
• Die vielen Türen und Fenster in den einzelnen Räume belegen etwa 30 Prozent der Wandfläche und reduzieren die Wandnutzung stark.
• Die insgesamt zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche ist für eine zeitgemäße, sich an Besucherbedürfnissen und museumsdidaktischen Standards orientierende Ausstellung nicht
ausreichend. Sie geht nicht wesentlich über die Fläche hinaus, die im Haus Großer Moor 38 für Ausstellungen zur Verfügung stand (früher: rd. 195 m², jetzt rd. 300 m²). Alles, was darüber hinaus den Museumsbesuch zu einem einzigartigen und zeitgemäßen Erlebnis machen könnte, wie interessante mediale Präsentationsformen mit Möglichkeiten zu didaktisch begründeten Besucheraktivitäten oder schlicht nur großzügige, ansprechende und motivierende Gestaltung wird hier kaum Platz finden.
• Außer den Ausstellungsräumen stehen keine weiteren Nebenräume (beispielsweise für Technik, Abstellmöglichkeiten usw.) zur Verfügung, Arbeits- bzw. Ausstellungsvorbereitungsräume fehlen ebenso, wie Möglichkeiten, museumspädagogische Arbeit innerhalb der Ausstellung zu realisieren.
• Die Ausstellungsräume lassen keine Weiterentwicklung oder Ergänzung der Ausstellung zu. Aufgrund ihrer bisherigen Funktion als Büros müssen die Räume im Haus Schliemannstraße für eine Dauerausstellung erst hergerichtet werden. Da dies nicht nur die Beleuchtungstechnik, sondern auch den Lichtschutz, die Schaffung der für eine museale Dauerausstellung aus
konservatorischen Gründen erforderlichen Raumklimabedingungen, bauliche, technische und personelle Sicherung der Exponate während und außerhalb der Öffnungszeiten usw. betrifft, müssten zunächst allein in solche Maßnahmen erhebliche Mittel investiert werden, ohne dass damit die eigentliche Ausstellung überhaupt begonnen wäre. Zugleich würden diese Investitionen die grundsätzliche Ungeeignetheit der Ausstellungsräume nicht verbessern, ebenso wenig die Erreichbarkeit der Ausstellung und oder die Möglichkeiten des Besuchs der Ausstellung für Menschen mit Gehbehinderungen oder Gehhilfen, besonders für Menschen der älteren Generation.
Ob solche Investitionen angesichts der unzulänglichen Gegebenheiten zu vertreten sind, müssen letztlich Sie bzw. die Stadtvertretung entscheiden.

Wir sehen vor diesem Hintergrund die Investitionen in die Räume im Schleswig-Holstein-Haus nicht als sinnvoll an, da im Ergebnis eine attraktive, für eine Landeshauptstadt angemessene Ausstellungs- und Museumsarbeit sowie eine weitere Entwicklung an dem Standort nicht zu erwarten steht.
Schwerin als »Kulturhauptstadt des Nordens« sollte darauf hinarbeiten, einen modernen, besucherorientierten und vor allem auch zeitgemäßen Museumsstandort zu entwickeln. Wir
appellieren deshalb an Sie, in dieser Sache nichts überstürzt zu beschließen, um dann im Endeffekt nicht über das hinauszukommen, was bereits 2005 am Standort Großer Moor 38
vorhanden war bzw. hätte vorhanden sein können.
Wir empfehlen dringend, dass eine andere räumliche Lösung für die Präsentation der Stadtgeschichte gesucht wird. Dem Artikel in der SVZ vom 04. März 2010 entnehmen wir, dass im
Kulturentwicklungskonzept die bauliche Sanierung des Gebäudekomplexes der ehemaligen Brauerei, Röntgenstraße 22, und die »Herrichtung der Räume für Kulturvereine und Künstler« vorgesehen ist. Auch wenn dieses Konzept im Zeitungsbericht eventuell verkürzt dargestellt ist, erscheint es uns doch unverhältnismäßig, die eigene Stadtgeschichte provisorisch in ungeeigneten und nicht entwicklungsfähigen Räumlichkeiten unterbringen zu wollen, Kunst- und Kulturvereinen dagegen Flächen anzubieten, die nicht nur von der Größe (im Haus Röntgenstraße 22 ohne Anbauten und das Eckhaus stehen rd. 1.250 m² in drei Stockwerken zur Verfügung), sondern auch von der Struktur für eine Museumsnutzung wesentlich besser geeignet wären und zugleich Entwicklungspotenzial böten. Die Anordnung allein der Lagergeschosse mit jeweils ca. 300 m² eröffneten die Möglichkeit, den Aufbau eines stadtgeschichtlichen Museums über mehrere Jahre in aufeinanderfolgenden Abschnitten zu realisieren. Neben den nahezu fensterlosen Lagergeschossen des Gebäudes bietet es darüber hinaus
• ausreichend Nebengelass für Sonderausstellungen, Museumspädagogik, Ausstellungsvorbereitung, Abstellmöglichkeiten usw.;
• zwei Treppenhäuser sowie einen Fahrstuhl im Hof, so dass Barrierefreiheit hergestellt werden könnte. Die baulichen Optionen zur Veränderung für einen modernen Museumsstandort sind hier nicht so eingeschränkt wie in dem in der Vergangenheit aufwändig sanierten Schleswig-Holstein-Haus.
• mögliche Synergieeffekte durch die Nähe zum Speicher und die vorhandene bzw. geplante Gastronomie (verbessert die Aufenthaltsqualität für Besucher), möglicher gemeinsamer
Karten(vor)verkauf mit/für den Speicher, gemeinsame Veranstaltungen mit dem Speicher usw.
Das Gebäude befindet sich zudem im Sanierungsgebiet Schelfstadt, so dass auch Fördermöglichkeiten für die bauliche Herrichtung zu einem Geschichtsmuseum genutzt werden könnten.
Dass die Umsetzung dieses Projekts angesichts der finanziellen Möglichkeiten der Stadt ein längerer Prozess sein wird, der bei der Raumstruktur des Gebäudes auch abschnittsweise erfolgen kann, ist uns bewusst. Wir sind gern bereit, diesen Prozess zu begleiten und mit den uns als Verein zur Verfügung stehenden Möglichen zu fördern, beispielsweise bei der Einwerbung zusätzlicher Mittel oder Mithilfe bei Veranstaltungen usw. Dazu wäre uns allerdings wichtig, eine Zukunftsperspektive und Entwicklungsmöglichkeiten für ein Geschichtsmuseum zu sehen, was uns am derzeitig angestrebten Standort Schleswig-Holstein-Haus aus den bereits genannten Gründen schwer fällt.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand des Stadtgeschichts- und –museumsvereins Schwerin e.V.
gez. Jörg Moll, 1. Vorsitzender
gez. Steffi Rogin, Stellv. Vorsitzende
gez. Norbert Credé, Stellv. Vorsitzender
gez. Christine Rehberg-Credé, geschäftsführendes Vorstandsmitglied
gez. Dagmar Reinisch, Beisitzerin
gez. Daniela Wauschkuhn, Beisitzerin
gez. Herbert Koch, Beisitzer
gez. Waldemar Leide, Beisitzer


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