Paralympics 2008: Die nächsten Spiele im „Reich der Mitte“

Schweriner Judo-Schwestern Brussig mit dabei …

R.Brussig 04Logo„Teil 2“ der Spiele von Peking, die Paralympics, finden vom 6. bis 17.September statt. Rund 4000 Athletinnen und Athleten mit Handicaps aus fast 150 Ländern werden in 20 Sportarten, in 471 Entscheidungen, Sieger und Platzierte ermitteln. Für das deutsche Paralympia-Team sind 170 Sportlerinnen und Sportler (103 Männer / 67 Frauen) am Start.
Auch ein Quintett aus M-V ist „heiß“ auf die Paralympics 2008, das von der Goldmedaillen-Gewinnerin 2004 in Athen, Ramona Brussig (Schwerin) „angeführt“ wird.

Paralympische Hoffnungen der M-V-Teilnehmer …

R.Brussig 07Athener JubelSie war 2004 nicht nur eine große Siegerin, sie war 2004 auch eine schnelle Siegerin. 33 Sekunden dauerte das Halbfinale, das sie gewann. Gerade einmal 10 Sekunden länger gestaltete sich das Finale, als sie Siegerin wurde: Ramona Brussig aus Schwerin konnte 2004 in Athen paralympisches Gold gewinnen.
Wer einmal Gold gewann, kann dieses doch sicher erneut – gerade wenn es zu den Paralympics geht …
Das sieht Ramona Brussig ähnlich: So fahre sie nach Peking mit dem Ziel, ganz oben stehen zu können. Sie möchte den Erfolg wiederholen. Das sei das Größte.
Doch nicht nur die Aussicht auf Gold hebt die Stimmung bei der erfolgreichen Judoka !
So freue sie sich auf Peking, weil auch ihre Schwester Carmen dabei sei. Eine Medaille muss es schon sein, zum Gedenken an den Vater, der die Spiele nicht mehr miterleben könne.

Erfolgreich in Peking sein, das möchte auch Ramonas Schwester Carmen.
Sie will „natürlich“ gewinnen, denn „wer strebe das nicht an“. Sie werde zumindest ihr Bestes geben.
Ist für Carmen, ähnlich wie für ihre Schwester, Judo etwas „Besonderes“ ?
Zweifellos … Nach Ansicht Carmens sei es eine Leidenschaft, die zu ihrem Leben gehöre. Der Judo-Sport begleite sie jeden Tag.

M.Klemp/RudernEinen weltmeisterlichen Tag zumindest  hatte auch ein Ribnitzer im letzten Jahr, bei den Ruder-WM in München-Oberschleißheim.
Marcus Klemp und seine Crew sorgten dafür, dass vor Jahresfrist die deutsche Ruder-Flotte nicht „goldlos“  blieb.
Nach WM-Gold nun Olympia-Gold ?
Das ist nach Ansicht von Weltmeister Marcus Klemp allerdings noch lange nicht ausgemacht.
Allein die Teilnahme sei schon ein Erfolg. Doch rechne jeder nach dem letztjährigen Resultat natürlich mit ein wenig mehr. Klappe es mit der Final-Teilnahme, könne alles passieren !

Bescheiden in der Zielstellung ist auch die leistungsstarke Leichtathletin Jana Schmidt aus Waren/Müritz, die bei den Paralympics im Kugelstoßen und Speerwerfen an den Start gehen wird:
Zunächst freue sie sich schon, dass es ihr in relativ kurzer  Zeit gelang, in die Weltspitze vorstoßen zu können und sich sogar für Peking zu qualifizieren.  Wenn es dort eine Top 8-Platzierung im Kugelstoßen oder Speerwerfen gebe, sei es einfach klasse.

Natalie Ball aus Greifswald, die fleißige Medaillen-Sammlerin bei den paralympischen Schwimm-Wettbewerben 2004 in Athen, wird 2008 im Goalball teilnehmen. Hier ist die Gegnerschaft aus Übersee ungemein stark. In Athen 2004 siegten die Kanadierinnen, wie z.B. bereits 2000, vor den US-Amerikanerinnen und Japanerinnen.
Fünf für M-V bei den Paralympics. Das müsste doch „etwas“ gehen …

„Olympische und Paralympische Spiele in Peking als echte Chance …“

Interview mit Jürgen Becher, Präsident des Verbandes für Behinderten- und Rehabilitationssport in Mecklenburg-Vorpommern, zu den Paralympischen Spielen 2008 in Peking

Frage: Die Olympischen und Paralympischen Spiele bilden eine untrennbare Einheit. „Teil 1“ der Spiele 2008, die Olympics, sind schon wieder Geschichte. „Teil 2“ der Spiele 2008, die Paralympics, folgen vom 6. bis 17.September.
Was erwarten Sie persönlich von den chinesischen Gastgebern im Hinblick auf die Durchführung der Paralympcs ?

J.BecherJürgen Becher: Sportlich betrachtet erwarte ich schon eine weitere Leistungssteigerung in einzelnen Disziplinen und Sportarten, denn der wissenschaftlich-technische Fortschritt hat ja auch im paralympischen Sport nicht Halt gemacht, ganz gleich ob im Radsport, in der Leichtathletik oder in Mannschaftssportarten.

In gesellschaftlicher Hinsicht erhoffe ich mir, dass der Sport mit Handicap in China einen höheren Stellenwert ingesamt erhält, dass es dafür auch im engeren familiären Kreis mehr Verständnis und Anerkennung gibt. Und sicher werden die Paralympics, insbesondere nach den sehr erfolgreichen Olympics, eine Top-Veranstaltung – Sportstätten, Organisation und Vorbereitungen verliefen dafür ja vorbildlich.

Frage: Ein Quintett aus Mecklenburg-Vorpommern nimmt auch an den Paralympics 2008 teil, so die Schweriner Judo-Schwestern Ramona und Carmen Brussig, der Ruderer Marcus Klemp (Ribnitz), die Goalball-Spielerin Natalie Ball (Greifswald) und die Leichtathletin Jana Schmidt (Waren/Müritz). Welche Hoffnungen verbinden Sie mit den fünf Paralympioniken aus M-V in Peking ?

Siegerehrung 2004 mit R.BrussigJürgen Becher: Von unseren Athletinnen und Athleten erhoffe ich mir, dass sie ihre Bestleistungen abrufen und eventuell sogar steigern können. Zwei Medailen sollten schon das Ziel des kleinen Teams aus M-V bei den Paralympics 2008 sein. Immerhin konnten z.B. Carmen und Ramona Brussig oder Marcus Klemp zuletzt bei internationalen Meisterschaften sehr erfolgreich sein. Ramona gewann ja schon Gold 2004. Medaillen sind für den Sport mit Handicap in M-V – wie anderswo auch – schon enorm wichtig, geht es doch um weitere finanzielle und materielle Förderung durch Sportpolitik und Wirtschaft. Da sind Medaillen nun einmal das „A und O“ !

Die Teilnehmer aus M-V an den Paralympics 2008 kamen bereits alle aus dem Erwachsenenbereich. Sehr gespannt darf man sein, wie dann das Ergebnis auch in London 2012 ausfallen wird, wenn unser neues Konzept der frühen Förderung hoffentlich bereits erste Früchte trägt.

Frage: Mediale Beobachter meinten im Rückblick auf die Olympics, zwar sei alles perfekt und reibungslos durchgeführt worden, aber es fehlte Herz und Leidenschaft während der Wettkämpfe und Rahmen-Veranstaltungen. „Internet-Zensur“, politisch motivierte Verhaftungen und die chinesische Propaganda wurden – trotz der positiven Eindrücke von Sportstätten, olympischem Dorf oder der Pekinger Hilfsbereitschaft – als bedrückend empfunden.
Olympia und Paralympia in Peking 2008 – eine Chance oder ein Fehler ?

Jürgen Becher: Es ist auf jeden Fall eine Chance, denn nur durch ein gemeinsames Miteinander, persönliches Kennenlernen kann es gelingen Vorurteile abzubauen. Ich halte manche Kritik an der Vergabe der Spiele an China für deutlich überzeugen – ohne dortige Mißstände „schön“ reden zu wollen. Doch sind auch die vermeintlich demokratischen Länder immer vorbildlich in ihrem Handeln gewesen ?

 Die USA haben bereits mehrmals Olympische Spiele ausgerichtet und sind auch nicht
gerade zimperlich in Sachen Menschenrechte, hier nur das Stichwort „Guantanamo“.
Ich denke, wir sollten hier die Relationen wahren, Mentalitäts-Unterschiede beachten. Für mich persönlich kann ich jedenfalls sagen, dass ich die Olympischen und Paralympischen Spiele in Peking als eine echte Chance sehe.

Frage:  Wie lautet Ihre Bestandsaufnahme zur Akzeptanz und Förderung des deutschen Sportes für Athleten mit Handicap ? Was müsste „besser“ werden ?

D.Paschke und SchützlingeJürgen Becher: Es muß eine Gleichstellung der Frühförderung im paralympischen Sport im Vergleich zum olympischen Sport geben. Auch Sportlerinnen und Sportler mit Handicap müssen eine beruflich Perspektive neben bzw. nach ihrem Sport bekommen. Und es sollten  seitens des BGS, der Polizei oder der Bundeswehr mehr berufliche Möglichkeiten für Athleten mit Handicap geschaffen werden. Nur so ist erfolgreicher paralympischer Sport auf Dauer in Deutschland möglich.

Frage: Welche Wettkämpfe der Paralympics werden Sie sich auf gar keinen Fall entgehen lassen ?

Jürgen Becher: Natürlich werde ich die Wettbewerbe intensiv verfolgen, in denen unsere Athletinnen und Athleten starten werden. Ansonsten schaue ich mir – ich bin ja selbst im „Rolli“ – vor allem die „rollstuhllastigen Sportarten“ an. Es werden bestimmt hervorragende Paralympics.

Paralympische Splitter aus Vergangenheit und Gegenwart

China GirlMedaillenspiegel der Paralympics 2004

01. China: 63 x Gold / 46 x Silber / 32 x Bronze   
02. Großbritannien: 35 x Gold / 30 x Silber / 29 x Bronze   
03. Kanada: 28 x Gold / 19 x Silber / 25 x Bronze   
04. USA: 27 x Gold / 2 x Silber /    39 x Bronze   
05. Australien: 26 x Gold / 38 x Silber / 36 x Bronze
06. Ukraine: 24 x Gold / 12 x Silber / 19 x Bronze   
07. Spanien: 20 x Gold / 27 x Silber / 24 x Bronze   
08. Deutschland: 19 x Gold / 28 x Silber / 32 x Bronze   
09. Frankreich: 18 x Gold / 26 x Silber / 30 x Bronze
10. Japan: 17 x Gold / 15 x Silber / 20 x Bronze

Medaillengewinne von Paralympionikinnen aus Vereinen in M-V bei den Spielen 2004 in Athen:

Ramona Brussig (Schwerin) – Judo – 1 x Gold
Natalie Ball (Greifswald) – Schwimmen – 3 x Silber / 1 x Bronze

Paralympionikinnen und Paralympioniken aus M-V in Peking 2008

Ramona und Carmen Brussig aus Schwerin im Judo, Marcus Klemp aus Ribnitz im Rudern, Natalie Ball aus Greifswald im Goalball, Jana Schmidt aus Waren/Müritz in der Leichtathletik

Paralympische Erfolge für M-V: Von Barcelona 1992 bis Athen 2004

– Bei den Paralympics 1992 gewinnt Christian Bahls aus Greifswald die Goldmedaille im Bogenschießen mit der Mannschaft. Das deutsche paralympische Team`92 holt insgesamt 60 x Gold.

– Vier Jahre später erringt Klaus Kulla aus Grabow die Bronzemedaille im Diskuswerfen. Bei den Paralympics 1996 in Atlanta gab es für Deutschland 40 x Gold.

– Gold hatte sie vor Sydney 2000 schon in sechsfacher „Ausführung“. Die 1953 in Ueckermünde (Vorpommern) geborene Marianne Buggenhagen siegte bereits 1992 (viermal) und 1996 (zweimal) in der Leichtathletik. In „Down Under“ kam eine weitere Goldmedaille hinzu – wie auch 2004 in Athen.
Achtmal paralympisches Gold für die querschnittsgelähmte Marianne Buggenhagen – eine atemberaubende Bilanz ! Peking 2008 werden ihre letzten Paralympics als Aktive …

R.Brussig 2007– In Athen 2004 gab es großen paralympischen Jubel aus M-V-Sicht vor allem im Judo und im Schwimmen. Ramona Brussig, die Judoka aus Schwerin, war vor allem ziemlich flink. Gerade 33 Sekunden dauerte es im Halbfinale, bis sie die Chinesin Lei Li Ping bezwungen hatte. Im Finale ließ Ramona Brussig letztendlich auch der Spanierin Marta Arce Payno keine Chance. Nach 43 Sekunden war die spanische Konkurrentin bezwungen – und Ramona durfte über Gold jubeln. Große ERfolge in Athen 2004 feierte auch Natalie Ball aus Greifswald im Schwimmen. Der Schützling von Trainerin Dörte Paschke war der „paralympische Medaillenfisch“ im Athener Schwimmbecken mit 3 x Silber und 1 x Bronze. In Peking 2008 steht die polyglotte Natalie im deutschen Goalball-Team.

Daniela Rossek– Eine der besten Rollstuhl-Fechterinnen der Welt der letzten Jahre, die in Waren/Müritz geborene Daniela Rossek, noch 2004 als Aktive, u.a. Fünfte mit der Degen-Mannschaft, erfolgreich dabei, wird nach ihrer umstrittenen Nicht-Nominierung als Journalistin für „Radio4Handicaps – das Radio für barrierefreie Köpfe“ vor Ort in Peking 2008 sein.
Übrigens: Im Jahre 1992 nahm Daniela am paralympischen Jugendlager in Barcelona teil.

– Was Daniela 1992 vormachte, strebt ein junger Schweriner 2008 an: Am paralympischen Jugendlager anno 2008 nimmt der Schweriner Nachwuchs-Segler Sebastian Menze teil.

Bisherige Austragungsorte der Paralympischen Spiele (Sommer-Paralympics)

Rom 1960 / Tokio 1964 / Tel Aviv 1968 / Heidelberg 1972 / Toronto 1976 / Arnheim 1980 / Stoke Mandeville/New York 1984 / Seoul 1988 / Barcelona 1992 / Atlanta 1996 / Sydney 2000 / Athen 2004 / Peking 2008 / London 2012

TV-Tipp

Chinesische FolkloreAm 6.September überträgt das ZDF ab 13.45 Uhr die Eröffnungsfeier der Paralympics 2008 in Peking. ZDF und ARD übertragen bis zum 17.September im Wechsel täglich jeweils bis zu 180 Minuten von den einzelnen Entscheidungen und Wettbewerben.

Marko Michels

F.: M.M. (7), D.Paschke/privat (1), D.Rossek/privat (1), DRV (1), J.Becher/privat (1), Logo

 


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