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Runder Geburtstag nicht nur für die Stadt Schwerin

Speerwerfer Walter Krüger, der erste olympische Medaillengewinner Schwerins, wurde 80 …

Schwerin feiert vom 4. bis 6.Juni „ganz groß“ den 850.Geburtstag. Die Geschichte Schwerins wird dann in einem Festumzug am 5.Juni dokumentiert – auch der Sport spielt dabei eine gewichtige Rolle …

Ohnehin waren die Auftritte der Schweriner Athletinnen und Athleten gerade auf der “olympischen Bühne” oftmals von großartigen Erfolgen gekrönt.

Den Anfang machte der Speerwerfer Walter Krüger bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. Für das Speerwerfen wurde der 1932 in Altenpleen geborene Krüger vom russischen Trainer Dimitri Markow entdeckt.

Der bis 1954 als Handballspieler bzw. Kugelstoßer aktive Walter Krüger überzeugte mit seiner Speerwurf-Technik in einem Test-Wettkampf, worauf er seine sportliche “Leidenschaft” wechselte.

Ab 1956 startete Walter Krüger dann für den SC Traktor Schwerin im Speerwerfen. Drei Jahre später stellte er seine persönliche Bestleistung mit 79,61 Metern auf. Und im folgenden Jahr, 1960 in Rom, gab es dann Silber hinter dem Russen Wiktor Zybulenko.

Doch, wie war damals – vor 50 Jahren – der olympische Wettkampf im Speerwerfen ? Wie konnte ein Mecklenburger mit dem Speer für so viel Furore sorgen ?

Nachgefragt bei Walter Krüger, der heute in Wendisch-Langendorf bei Stralsund wohnt …

Frage:
Herr Krüger, vor fünf Jahrzehnten gewannen Sie als erster Schweriner in der Sportgeschichte eine Olympia-Medaille. Wie war der Wettkampf ? Hatten Sie vorher mit einer Medaille geliebäugelt ?

Ingrid Krämer und Gustav Adolf SchurWalter Krüger: Ich bin sicher nicht in der Erwartung nach Rom gereist, um dort olympisches Edelmetall gewinnen zu können. Offen gesagt: Ich war mir nicht einmal sicher, wo ich leistungsmäßig überhaupt stand.

Es war ja damals nicht so wie heute, wo man sich so einfach via Fernsehen, Fachzeitschriften oder Internet über alles informieren konnte, und unsere Verbandsleitung gab uns auch keine Informationen über die Weltbestenliste. Leichtathletik-WM wurden noch nicht ausgetragen, so dass außerhalb Olympias die großen Vergleichswettkämpfe fehlten.

Ich hatte mich damals so eingeschätzt, dass ich wohl zwischen Rang 10 bis 12 in der Weltrangliste liegen müsste. Der Weltrekord stand 1960 bei 86,04 Metern –aufgestellt vom Amerikaner Al Cantello 1959.

Frage: Der sollte dann beim Wettkampf dann keine Rolle spielen …

Walter Krüger: Ja, in der Tat. Er wurde nur Zehnter. Aber der Wettkampf verlief auch sehr überraschend.

Frage:
Wie ist Ihr Rückblick auf die Entscheidung ?

Walter Krüger: Der erste Versuch in der Qualifikation war total verkorkst, aber im zweiten Versuch hatte ich dann einen sehr guten Versuch: 78,81 Meter. Das bedeutete nach der Qualifikation Gesamt-Platz vier.

Hildruth ClausDer Pole Janusz Sidlo war mit 85,14 Meter der eindeutig Beste. Aber auch er wurde dann nur Achter … Nach der Qualifikation ging ich duschen, nahm mein Mittagessen ein, ging ins Zimmer und legte mich auf die „Pritsche“. Und dann begann das Grübeln: Tja, wäre doch die Qualifikation bereits der Wettkampf … Der vierte Platz – das wäre doch was. Vielleicht klappt es ja im Finale mit dem Endkampf …

Frage: Sie waren also ziemlich aufgeregt in die Entscheidung gegangen ?

Walter Krüger: Keineswegs. Ins Finale ging ich – nach der sehr guten Qualifikation – ganz locker und glücklich. Ich wollte aber unbedingt in den Endkampf, was damals schwieriger war als heute, da nur die sechs Besten nach dem Vorkampf weiter kamen. Ich musste also eine hervorragende Weite gleich im ersten Versuch erreichen.

Und – es gelang. Ich schaffte 79,36 Meter – und war überzeugt: Das ist der Endkampf. Auch der Russe Wiktor Zybulenko legte gleich 84,64 Meter vor – eine Weite, die die Konkurrenz um Janusz Sidlo, Al Cantello und die Skandinavier schockte. Beim letzten Versuch war ich dann als Erster an der Reihe, war also nicht mehr in der Lage zu kontern, falls ein Konkurrent weiter warf. Natürlich war ich aufgeregt, ging auf der Gegen-Geraden „auf und ab“. Aber kein Konkurrent übertraf meine Weite. Ich war unbeschreiblich glücklich.

Frage: Zwei Jahre nach Ihrer olympischen Silbermedaille beendeten Sie Ihre sportliche Karriere. Sie blieben aber dem Speerwerfen treu …

Walter Krüger:
Ja, ich wurde Trainer – zunächst in Schwerin. Leider war es so, dass die Bedingungen in Schwerin für die Athletinnen und Athleten nicht so besonders günstig waren. Damit meine ich, dass ihnen keine entsprechenden beruflichen Perspektiven geboten wurden. Viele Talente aus der Leichtathletik verließen daher Schwerin. Ich folgte damals dem Ruf nach Rostock.

Frage: Nun feierten Sie selbst kürzlich ein rundes Jubiläum – Ihren 80.Geburtstag am 11.April …

Olympia-Logo von 1960Walter Krüger: Ja, man wird nicht jünger. Meinen „80.“ feierte ich in Stralsund, es war ein ganz besonderer Tag. Sehr gefreut habe ich mich dabei über die Auftritte des Mecklenburgischen Drehorgel-Orchesters, das der ehemalige Schweriner Diskuswerfer Norbert Niemann leitet. In dessen Gasthaus „Zum Rethberg“ in Lübstorf trafen sich übrigens im Januar 2010 die früheren Absolventen der Kinder- und Jugend-Sportschule Schwerin. Es war ein schönes Wiedersehen, was künftig alle zwei Jahre wiederholt werden soll.

Dann weiterhin viel Gesundheit, Schaffenskraft und Optimismus !

Die Fragen stellte: Marko Michels.

Fotos:

1. Bundesarchiv / Bild 183-76277-0034 / Fotograf: Ulrich Kohls / Datum: 14.9.196 / Zentralbild-Kohls Tre-Qu 14,9,1960. Die Olympiateilnehmer sind wohlbehalten in Berlin eingetroffen. Am Dienstag, dem 13.9.1960, fand in der Berliner Dynamo-Sporthalle ein festlicher Empfang des DTSB statt. Der anschließende Olympia-Ball, auch mit Walter Krüger, gestaltete sich zu einem eindrucksvollen Erlebnis. UBz. Der Eröffnungs-Tanz war Ingrid Krämer und Gustav Adolf Schur vorbehalten.

2. Bundesarchiv / Bild 183-75387-0033 / Fotograf: Ulrich Kohls / Datum: 10.8.1960 / Zentralbild Kohls 10.8.1960 Teilnehmer der XVII. Olympischen Sommerspiele 1960 in Rom Für die gemeinsame deutsche Mannschaft zu den XVII. Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom wurden nach den Olympia Ausscheidungen in Hannover und Erfurt zwischen den Sportlern Westdeutschlands und der DDR in der Leichathletik jeweils die ersten Drei den einzelnen Disziplinen, wenn die Sportler die Olympia-Norm bereits erfüllt haben nominiert. UBz: Hildruth Claus (DDR) startet im Weitsprung. Sie gewann am 31.8.1960, acht Tage vor dem Speerwurf-Silber von Walter Krüger, die Bronzemedaille.

3. Olympia-Logo der Olympischen Spiele 1960 in Rom


Das olympische Ergebnis im Herren-Speerwerfen 1960 im Olympiastadion in Rom:

1.Wiktor Zybulenko (Sowjetunion) – 84,64 Meter
2.Walter Krüger (Schwerin) – 79,36 Meter
3.Gergely Kulcsar (Ungarn) – 78,57 Meter
4.Vaino Kuisma (Finnland) – 78,40 Meter
5.Willy Rasmussen (Norwegen) – 78,36 Meter
6.Knut Fredriksson (Schweden) – 78,33 Meter


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