Sommerliches Schwerin mit wintersportlichem Blick

Die WM im Modernen Fünfkampf und in der Leichtathletik stehen unmittelbar bevor und dennoch werfen bereits die winterlichen Sportarten ihre „Schatten“ voraus. Bei den Schnellläufern um Claudia Pechstein und den Skiläufern um Evi Sachenbacher begann das intensive Sommer-Training.
Die Schweriner haben übrigens auch seit 2003 einen eigenen Ski-Club …

Nicht nur die früheren Erfolge der Eisschnelllauf-Weltmeisterin von 1975 Karin Kessow-Drbal, die aktuellen Triumphe der Rostocker Kurzbahn-Eisschnellläufer um Trainerin Karin Schmidt oder auch die gegenwärtigen Aktivitäten der Skisportler vom M-V-Fachverband lassen zu gegenwärtig sommerlichen Temperaturen die wintersportliche Tradition in M-V „lebendig“ werden:

Im Dezember 2000 wurde der Rostocker Eiskunstlauf-Verein gegründet, der das Ziel hat, an die einstige eissportliche Vergangenheit der Hansestadt anzuknüpfen. Immerhin gab es hier von 1954 bis 1972 eine gute Kunstlauf-Entwicklung. Rolf Oesterreich, der genannte Olympia-Zweite 1976 im Paarlauf stammt von der Ostseeküste, genauso wie der zweimalige DDR-Meister im Eiskunstlauf (1963/64) Ralph Borghardt oder der Eistänzer der Meisterklasse Jochen Bode.

Natürlich trainierte Karin Kessow im Freiluft-Stadion an der Rostocker Schillingallee – wie auch Karin Enke. Die gebürtige Dresdnerin und Athletin des SC Einheit Dresden, die spätere dreifache Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin im Eisschnelllauf, erlernte das Schlittschuhlaufen in Rostock. Karin Enke war vor ihrer Karriere als Schnellläuferin, zweifache DDR-Dritte im Kunstlauf (1976/77) und dort EM-Neunte (1977), bevor sie 1978 aufgrund ihrer Körpergröße zum Schnelllauf wechselte.

– Nicht zu vergessen ist auch der Schnellläufer Jörg Lange aus Rostock, der in den 80er Jahren mit respektablen Ergebnissen an nationalen und internationalen Meisterschaften teilnahm.

Neue Eiskunstlauf-Begeisterung in Rostock

Anfang 1999 konnte dann die Eiskunstlauf-Tradition in Rostock wieder belebt werden. Gerhild Höppner und Bärbel Lobe begannen in Rostock, am Eiskunstlauf interessierte Jungen und Mädchen zu betreuen. Inzwischen werden 35 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 4 und 11 Jahren beim Rostocker Eiskunstlauf-Verein trainiert. Kontakte werden mittlerweile auch wieder zu den Leistungszentren in Berlin aufgenommen. Vielleicht gibt es ja schon bald – neben dem aktuellen gebürtigen Greifswalder Paarläufer Robin Szolkowy – eine Weltklasse-Kunstläuferin oder einen Weltklasse-Kunstläufer aus M-V ?!

Sportliche „Eissterne“ und „Schneekristalle“ aus M-V:

– Die spätere Schnellauf-Olympiasiegerin (1960) Helga Obschernitzki-Haase trainiert zwischen 1946 und 1952 bei der BSG Empor Schwerin (Handball).

– 1963 und 1964 wird der Rostocker Ralf Borghardt DDR-Meister im Kunstlauf.

– Der Rostocker Eishockeyspieler Dietmar Peters nimmt 1968 an den Olympischen Winterspielen teil, wird Achter mit der DDR.

– Im Jahre 1975 wird Karin Kessow aus Rostock Eisschnelllauf-Weltmeisterin.

– Der Bobfahrer Meinhard Nehmer aus Rügen wird 1976 Doppel-Olympiasieger (1980 noch einmal Olympiasieger !); der Paarläufer Rolf Oesterreich kann mit Partnerin Romy Kermer Olympia-Silber`76 erkämpfen.

– 1988 macht ein Güstrower im Biathlon Furore: Frank-Peter Roetsch wird in Calgary zweifacher Olympiasieger.

– Sensation in Albertville 1992: Die gebürtige Wismaranerin Jacqueline Börner erringt auf der 1500 m-Distanz im Schnelllauf Gold !

– Torsten Voss, ehemals SC Traktor Schwerin und Weltmeister 1987 sowie Olympia-Zweiter 1988 im Zehnkampf, gewinnt als Anschieber des Czudaj-Bobs 1995 bzw. des Hoppe-Bobs 1996 jeweils WM-Bronze und auf dem Vierer-Bob von Dirk Wiese die Vize-Weltmeisterschaft 1997 !

– Zwischen 1998 und 2006 überzeugen die Rostocker Short Tracker um Arian Nachbar, Aika Klein und Andre Hartwig, betreut von Trainerin Karin Schmidt, auf WM-, EM- und Olympia-Strecken

– Das Eiskunstlauf-Paar Robin Szolkowy/Aljona Sawtschenko sorgte Anfang 2007 für großartige Vorstellungen. Der gebürtige Greifswalder Szolkowy gewann mit seiner Partnerin EM-Gold und WM-Bronze.

Ein Leichtathlet – passend zur unmittelbaren Leichtathletik-WM 2007 aus M-V – sorgte vor 13 Jahren für viel wintersportlichen Wirbel: Ulf Hielscher, am 30.11.1967 geboren und für den SC Neubrandenburg über die 110 Meter-Hürden mit passablen regionalen Erfolgen startend, wechselte zu den Bobfahrern. Als Anschieber gewann er im Hoppe-Bob bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer die Bronzemedaille; 1995 wird er gar Weltmeister !

Marko Michels


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