Sportstadt Schwerin mit positiver Entwicklung

Fast 18000 Schwerinerinnen und Schweriner sind gegenwärtig in Schweriner Vereinen organisiert.
Diese Zahl nannte der Geschäftsführer des Stadtsportbundes Schwerin, Rüdiger Mevius, gegenüber Schwerin-News.

Der SSB Schwerin wird auch von der Sparkasse großzügig unterstützt. Rüdiger Mevius (2.v.l.)Frage: Schwerin ist seit Jahrzehnten eine Sportstadt mit internationalen Erfolgen. Im Jahre 1976 erkämpfte der Boxsportler Jochen Bachfeld das erste Gold bei Olympia für die Landeshauptstadt.

Bei den letzten Olympischen bzw. Paralympischen Spielen 2004 in Athen holte der Radsportler Stefan Nimke sowie die Judoka Ramona Brussig die letzten Siege für Schwerin. Wie ist die gegenwärtige Entwicklung im Schweriner Sport ?

Rüdiger Mevius: Es sind zur Zeit 101 Vereine mit 17983 Mitgliedern im Stadtsportbund Schwerin, dem sportlichen Dachverband der Schweriner Vereine organisiert. Das ist im Vergleich zu anderen Städten und Regionen in M-V eine sehr, sehr gute Zahl.

Frage: Schwerin ist traditionelle Hochburg der Ruderer, Volleyball-Spieler, Handball-Spieler, Leichtathleten, Segler und Boxer. Gibt es mittlerweile „Exoten“ bei den Sportangeboten ?

Rüdiger Mevius: Ja, die Schweriner Vereine haben fast alles im Angebot, was die „Welt des Sportes“ heute so bietet. Das können asiatische Kampfsportarten ebenso sein wie eine Auswahl in denksportlichen Disziplinen. Trendsportarten sind natürlich darunter.

Ein „besonderer Exot“ ist der Schweriner Boule-, Bossel-, Kricket- und Krocket-Club, den es seit rund vier Jahren in Schwerin gibt. Die dortige Cricket-Abteilung unter Trainer Detlef Mai war diesbezüglich schon sehr erfolgreich. Mit Marcus Hyatt und Scheibner sind sogar zwei Kricket-Spieler im Aufgebot der deutschen U 15-Nationalmannschaft, die vom 25.August bis zum 2.September an den EM in La Manga (Spanien) teilnimmt.

Frage: Wichtig ist die Jugendförderung im Sport. Welche Tendenzen gibt es hier in Schwerin ?

Rüdiger Mevius: Bei uns, in den Schweriner Vereinen, haben wir 5004 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Das ist eine ganz respektable Zahl, wenn man an den Geburtenrückgang nach 1990 denkt.

Man kann – bei Berücksichtigung dieser Tatsache – schon sagen, dass die Schweriner Vereine mit ihren Angeboten in den letzten Jahren sogar mehr Kinder für eine sportliche Betätigung erreichten.

Es kommen auch immer mehr Eltern zu uns, die daran interessiert sind, dass ihre Kinder bereits im Vorschulalter regelmäßig Sport treiben, denn die neuesten Studien zur Thematik Ernährung zeigen: Es gibt gerade viel zu viele KInder mit Übergewicht, aber auch Haltungsschwächen in Deutschland.

Aber was die Förderung des Kinder- bzw. Jugendsportes betrifft, so verläuft die Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung ganz hervorragend. So brauchen Vereine mit einer ausgeprägten Kinder- und Jugendsportförderung nur relativ geringe Gebühren für die Nutzung der Sporthallen zahlen.

Für diese großzügige Förderung werden wir von Nachbarstädten und -Regionen auch beneidet. Zudem gibt es über den Stadtsportbund Schwerin auch die Förderprojekte „Schule-Verein“ und „Bewegter Kindergarten“, damit schon frühzeitig KInder sportlich aktiv werden.
Mit Rostock, Greifswald oder Neubrandenburg sind wir in puncto Kinderförderung auf einem „Level“.

Frage: Ein Dauer-Thema ist der Umbau des Sportkomplexes am Lambrechtsgrund. Eigentlich sind Baumaßnahmen dort doch dringend notwendig – oder ?

Rüdiger Mevius: Der Schweriner Stadtsportbund Schwerin war von Beginn an in diese Diskussion miteinbezogen. Wir stehen auch hinter diesem Projekt, denn wenn Schwerin Sportstadt bleiben will, muß der Sportkomplex am Lambrechtsgrund Realität werden.

Die dort vorhandenen, alten Sportstätten entsprechen nicht mehr heutigen Standards und bedürfen eines Neubaus. Am Lambrechtsgrund befindet sich zudem das Sportgymnasium mit Internat, das auch von Schülern anderer Bundesländer besucht wird.

Damit dieses weiterhin so bleibt, sollte das Umfeld, der Sportkomplex am Lambrechtsgrund, bald modernisiert werden. Es bleibt zu hoffen, dass das Innenmisterium M-V das ähnlich sieht.

Frage: Der Anteil der reiferen Sportfreunde in den Vereinen steigt. Ist Schwerin diesbezüglich „Vorreiter“ ?

Rüdiger Mevius: Ja, die Lebenswelt hat sich nach der Wende gewaltig verändert. Die heute über 60Jährigen kann man mit Kaffeekränzchen oder Kaffeefahrten nicht mehr begeistern.

Sie wollen selbst körperlich und geistig bis ins hohe Alter fit bleiben. Gerade der Gesundheitssport in den einzelnen Vereinen in Schwerin erlebte einen enormen Zulauf.

Auch beim Winston-Golf-Klub sind viele „reifere“ Sportfreunde aktiv. Hier gilt sportlich gesehen: „Oldies but Goldies“ !

Frage: Ganz wichtig sind vorbildliche Persönlichkeiten im Sport. Schwerin hat z.B. mit Stefan Nimke, den Brussig-Schwestern im Judo, den aktuellen Volleyball-Nationalspielerinnen Kathleen Weiß sowie Tina Gollan oder den Akrobaten/Turnerinnen des VfL Schwerin eine ganze Reihe namhafter Athleten. Taugt der Sport – gerade bei den aktuellen negativen Diskussionen überregional – noch als Vorbildfunktion ?

Rüdiger Mevius: Der Hochleistungssport hat mittlerweile eine ungemein professionalisierte ökonomisch herausragende Stellung. Da gibt es sicherlich eine Menge Fehlentwicklungen.

Doch die große Mehrheit der aktiven Sportlerinen und Sportler, vom Kindersport über Breitensport bis hin zum Leistungssport – sind schon Idealisten mit gesundem Lebensgefühl. Da sollte man auch nicht kaputtreden.

Unser Olympiasieger Stefan Nimke engagiert sich sehr in seinem Verein für die Nachwuchsförderung. Der Hochsprung-Olympiasieger von 1980, Gerd Wessig, bringt seine Erfahrungen als Leichtathletik-Abteilungsleiter beim Schweriner SC ein.

Und die Arbeit der dortigen Trainer und Übungsleiter unter seiner Ägide trägt bereits zahlreiche Früchte: Gerade im Leichtathletik-Nachwuchsbereich gilt: Schwer ist wieder „Wer“ in der Leichtathletik-Szene. Anika Leipold wurde sogar Vize-Junioren-Weltmeisterin im Weitsprung 2006 !

Der Diskus-Olympiasieger von 1988 Jürgen Schult gehört beispielsweise dem Förderverein Sportgymnasium Schwerin an. Es bringen sich eben auch frühere Weltklasse-Athleten aus Schwerin in die Förderung des Kinder- und Jugendsportes ein. Außerdem gibt es die Initiative „Sportler helfen Kinder e.V.“, von der bedürftige, sportlich talentierte KInder unterstützt werden. So etwas ist immer vorbildlich.

Frage: Wie wird die Entwicklung des Schweriner Sportes aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren aussehen ?

Rüdiger Mevius: Wir werden uns bei einem Mitgliederbestand bei 18000 einpegeln.

Trotz des Geburtenrückganges unmittelbar nach 1990 werden wir, die Schweriner Vereine, versuchen, den Mitgliederbestand bei Kindern und Jugendlichen zu halten. Zuwächse erwarten wir bei den Senioren-Sportlern, die immer unverwüstlicher werden !

Frage: Gibt es sportliche Höhepunkte in den nächsten Jahren ?

Rüdiger Mevius: Ja,  zur BUGA 2009 wird es eine Reihe hochkarätiger Sportwettkämpfe in Schwerin geben – dazu die Seniorensportspiele !

Frage: Und selbst: Bleibt noch genügend Zeit für den aktiven Sport ?

Sitz des SSB. Das 100 Jahre alte Gebäude an der Lübecker Strasse.Rüdiger Mevius: Ja, ich bin ja begeisterter Fechter und trainiere bei der Schweriner Fechtgesellschaft.

M.Michels


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