Stadt Schwerin versteckt sich hinter Vorwänden

4 SPD-Abgeordnete helfen unbürokratisch

Es war der Dienstagabend dieser Woche: Etwa 50 Jugendliche aus Frankreich und NRW machen sich als Gäste der Schweriner „Schule der Künste“ zu Fuß auf den Weg in die Jugendherberge. Für Fahrscheine war in dem engen Projektbudget kein Platz. Unterwegs werden sie von 5 Schwerinern mit rassistischen Sprüchen beleidigt und bedroht – sogar ein Stein fliegt. Seitdem wurde verzweifelt nach einer Transportalternative für die Jugendlichen gesucht. Das Ereignis soll sich nicht wiederholen. Doch die Stadt Schwerin konnte oder wollte ihren Gästen nicht helfen.

Seit Mittwoch bemühen sich Abgeordnete der SPD um eine Lösung des Problems – darunter die Landtagsabgeordneten Heike Polzin, Thomas Schwarz und Jörg Heydorn sowie die Stadtverordnete Manuela Schwesig. „Zuerst dachten wir, die Stadt könnte den Jugendlichen einfach für die wenigen Tage Freifahrtsscheine aushändigen und so das Problem lösen.“ – so Heike Polzin.

Anfangs sah es auch danach aus, als wäre dies möglich. Vertreter der Kunstschule erhielten einen Anruf, sie mögen sich die Karten an einem zentralen Schalter abholen. Doch dort angekommen, wussten die zuständigen Angestellten aber nichts von der Sache. Die Stadt hatte ihr Angebot inzwischen wieder zurückgenommen. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen – heißt es. Stadtverordnete Schwesig hat hierfür kein Verständnis: „Ich verstehe das nicht: Wir wollen weltoffen, tolerant und Tourismusland Nr.1 sein, aber die Stadt Schwerin ist nicht bereit, unbürokratisch zu helfen.“

Seitdem bastelten die SPD-Abgeordneten an einer eigenen Lösung. Für Mittwoch und Donnerstag langten sie in ihre private Tasche, um den Jugendlichen die Fahrscheine zu bezahlen. Eine gute Lösung war schließlich dank dem Landtagsabgeordneten Thomas Schwarz und dem Busunternehmen SGS Bus und Reisen GmbH möglich. Schwarz, selbst Busfahrer und Betriebsratsvorsitzender des Unternehmens, fackelt nicht lange und besorgt einen Bus: „Ich werde bis Ende nächster Woche den Bus im Ehrenamt ohne Lohn selbst fahren. Das reduziert die Kosten deutlich. Es ist toll, dass der Chef unseres Busunternehmens, Andreas Helms, so unbürokratisch zu helfen bereit war.“

Ganz ohne Geld wird es jedoch nicht gehen, denn immerhin die laufenden Kosten müssen aufgebracht werden. „Darum müssen sich die Jugendlichen aber keine Sorgen machen“ – so der Schweriner Landtagsabgeordnete Heydorn – „Auch hierfür werden wir eine Lösung finden.“ Heute morgen um 9.30 Uhr waren die Jugendlichen erstmals mit Busfahrer Schwarz unterwegs zur „Schule der Künste“.


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