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Schwerin-NEWS.de Nachrichten-Archiv

UNIVERSUM-Kampfabend in Schwerin

Interview mit dem Box-Trainer und Sportwissenschaftler Uwe Fox über das Geschehen im Ring

Arely und SusiEigentlich sollte ihr Auftritt schon etwas länger dauern und der Kampfverlauf ebenfalls ein anderer sein. So verteidigte Weltmeisterin und Box-Queen Susi Kentikian am 17. Juli in Schwerin zwar die Titel gegen die Mexikanerin Arely Mucino, aber das Ergebnis war ein „Technisches Unentschieden“.

Arely und Susi waren zu Beginn der 3. Runde unbeabsichtigt mit den Köpfen zusammengestoßen und bei Susi bildete sich eine stark blutende Platzwunde. Dem Ringrichter Joe Cortez blieb nichts anderes übrig, als den Fight daraufhin abzubrechen. Dennoch verteidigte die Wahl-Hamburger Susi Kentikian auf diese eher tragische Weise die WM-Gürtel in Schwerin. Die in Armenien geborene Fliegengewichtlerin, die in nun 28 Kämpfen ungeschlagen ist, bestritt in der Sport- und Kongresshalle den Hauptkampf, der vom ZDF ab 22.00 Uhr übertragen wurde.

Weitere herausragende Kämpfe der UNIVERSUM Champions Night in der Landeshauptstadt war auch das Duell zwischen Alexander Alekseev und Denis Lebedev, ein WBO-WM-Ausscheid im Cruisergewicht.

„Alte Stärken wieder wach rütteln!“

Susi Kentikian und Uwe FoxNachgefragt beim bekannten Box-Experten und Trainer Uwe Fox aus Rostock, der in Schwerin lebt…

Frage: Susi Kentikian verteidigte am 17. Juli ihren Titel – allerdings nach einem Verlauf, der verletzungsbedingt jäh endete. Dennoch, aus Ihrer Sicht: Was zeichnet Susi aus? Wie bewerten Sie ihren leider nur kurzen Kampf?

Uwe Fox: Susi fand in der auch noch unbesiegten Mexikanerin eine ebenfalls engagierte Kämpferin. Beide gingen von Beginn an ein hohes Tempo, zeigten, dass sie unbedingt die Weltmeisterschaft mit nach Hause nehmen wollten. Im Eifer des Gefechts dann der Kopfstoß, der zum Abbruch und Remis führte. Bei diesem Kopfstoß hatten beide eine Schuld. Also, ein gerechtes Urteil und für beide eine Chance auf ein Re-Match. Allerdings muss Susi dann wirklich beweisen, dass sie zu Recht den Kampfnamen “ Killer- Queen“ tragen darf. Erst wenn sie alte Stärken wieder wach rüttelt, wird sie die Mexikanerin besiegen können.

Frage: Auch die beiden starken Russen Alexander Alekseev und Denis Lebedev lieferten sich einen heißen Fight. Wie ist hier Ihr Urteil?

Uwe Fox: Es hat in diesem Kampf der frischere Athlet und vor allem taktisch Klügere gewonnen. Dass beide Kämpfer über eine enorme Schlagkraft verfügen, war von vornherein klar. Aber der Sieg geht auch immer an denjenigen, der im entscheidenden Moment seine Stärken einsetzen und zeigen kann. Alekseev als größerer Boxer ging vorwärts, verkürzte so die Distanz und machte es Lebedev leicht, den entscheidenden Schlag anzusetzen. Lebedev wird es Marco Huck als kommenden Gegner nicht einfach machen und so können sich die Boxfans auf ein heißes Duell freuen.

Frage: Mecklenburg-Vorpommern mit z.B. den Zentren Schwerin, Wismar, Rostock oder Greifswald ist die deutsche Box-Hochburg. Während man in der Vergangenheit bei den Amateuren drei Olympiasiege bejubeln konnte, waren auch die Profis „Made in M-V“ sehr erfolgreich. Der legendäre Schwergewichts-Weltmeister Max Schmeling, der vor 5 Jahren starb, wurde 1905 in Klein Luckow (heutiger Landkreis Uecker-Randow) geboren. Mit Jürgen Brähmer (WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht), Sebastian Zbik (WBC-Weltmeister im Mittelgewicht) und Sebastian Sylvester (IBF-Weltmeister im Mittelgewicht) stellt M-V drei aktuelle Profi-Weltmeister. Aus Ihrer Sicht: Worin liegen die früheren Erfolge im Amateur-Bereich und die aktuellen Erfolge im Profi-Bereich begründet? Wie beurteilen Sie die Zukunft des Amateur-Boxsportes?

J. Brähmer und S. Kentikian mit SchwerinerinnenUwe Fox: Es gibt da ein schönes Sprichwort: „Vernunft, Geduld und Zeit machen möglich die Unmöglichkeit!“. Im Sport ist es wie überall im Leben, wo fleißig und mit Köpfchen gearbeitet wird, da ist der Erfolg auch vorprogrammiert. Schwerin war eine erfolgreiche Box-Hochburg, weil die Trainer eine umfangreiche, wissenschaftlich fundierte Ausbildung hatten, die gepaart mit menschlichem Geschick den Erfolg ermöglichte. Unsere Trainer waren meist auch sehr erfolgreiche Boxer und wie am Beispiel Fritz Sdunek einer, der es bis zum heutigen Tag unwahrscheinlich gut versteht, Menschen auch als wirkliche Menschen zu behandeln und das auch bei weniger Erfolg. Das alleine ist wichtig für ihn im Leben. Unser Amateur- Boxsport befindet sich im Umbruch und ist durch die jüngsten Erfolge wieder auf einem guten Weg. Man hat erkannt, dass die ehemaligen Erfolge des DDR- Sports ein System hatten. Mit Dr. Michael Bastian von der DHfK Leipzig und auch Karl-Heinz Nitsche, dem ehemaligen Cheftrainer des Boxclubs „Traktor“ Schwerin, hat man zwei Leute ins Boot geholt, die für den Erfolg stehen. Sie werden dem Amateur-Boxsport wieder die „Boxwissenschaft“ beibringen.

Frage: Jürgen Brähmer konnte verletzungsbedingt seinen WM-Kampf gegen Alexandro Lakatus nicht bestreiten. Dennoch: Wie ist Ihre Meinung zu Jürgens Leistungen im Boxring der letzten Jahre?

Uwe Fox: Jürgen ist nach wie vor ein Boxer mit „Weltklasse- Format“. Aber für ihn heißt es – wie bei jedem anderen Boxer auch – dass der Kampf erst beim Schluß-Gong beendet ist und bis dahin gekämpft werden muss. Mit zunehmendem Alter muss ein Sportler noch bewußter trainieren und auch leben. Ich ziehe meinen Hut vor seiner Energie- Leistung in den letzten Kämpfen. Aber diese lassen eben auch viel Substanz. Nun kommt es für ihn darauf an, den Kopf noch besser einzusetzen. Wir können auf die nächsten Fights wirklich gespannt sein.

Frage: Am letzten Wochenende fanden in Wismar die Deutschen Amateur-Meisterschaften im Frauen-Boxen, das 2012 olympisch wird, statt. Wie schätzen Sie das Niveau im Frauen-Boxsport in Deutschland ein?

Uwe Fox: Das Finale in der Hansestadt Wismar zeigte schon deutliche Steigerungen gegenüber den Vorjahren. Auch das ist ein erstes Ergebnis des neuen DBV. Bis Olympia 2012 ist noch etwas Zeit. Ich denke, dass Deutschland dort schon mit drei bis vier Medaillenhoffnungen an den Start gehen kann.

Frage: Wie sehen Ihre boxsportlichen Ambitionen – als Trainer – aus?

Uwe Fox: Nach meinem Umzug in meine alte Boxheimat Schwerin bin ich mit meinem derzeitigen Stand zufrieden. Zurzeit bin ich in Gesprächen mit mehreren Vereinen und auch Institutionen. Ein Trainer- Team steht – und viele Schweriner Interessenten warten bereits, dass ihnen über den Boxsport ein gesundheitsorientiertes Zentrum für Sport, Freizeit und Fitness geboten wird. Auch hier werden die soziale Komponente, das Miteinander im Vordergrund stehen. Wir bieten dann für alle Sport, ob Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, sowie Spaß für Jedermann/Jederfrau.

Dann maximale Erfolge für Sie mit ihren sportlichen und sozialen Projekten!

Marko Michels

Aufnahmen: Michels

1. : Sie war die Queen, sie bleibt die Queen: Susi Kentikian verteidigte ihre Titel, aber der Verlauf des Kampfes am 17. Juli war suboptimal.
2. : Box-Trainer Uwe Fox, hoffte mit Susi.
3. : Starkes Duo, Jürgen Brähmer (verletzungsbedingt am 17. Juli nicht aktiv) und Susi Kentikian, umrahmt von sympathischen Schwerinerinnen.


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