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Vom Waldglas zur modernen Glasgestaltung

Schleswig-Holstein-Haus zeigt in großer Sommerausstellung Waldglaskunst

WaldglaskunstEinen Einblick in bedeutende Waldglassammlungen des Landes gibt vom 25. Juni bis zum 29. August 2010 die  große Sommerausstellung des Schleswig-Holstein-Hauses. Zu sind in der am Donnerstagabend  beginnenden Ausstellung „Waldglaskunst“ Waldgläser und Glaskunst aus fünf Jahrhunderten.

Im Mittelpunkt des historischen Teils der Ausstellung stehen die Formensprache sowie die Gebrauchsweise der Gläser des 17. bis 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig  geht die Ausstellung der Frage nach, was aus dem alten Handwerk geworden ist und worin die Besonderheit des Mecklenburgischen Waldglases besteht.

Mecklenburg gehört zu den bedeutendsten deutschen Glashüttenzentren der Vergangenheit. Immerhin 275 unterschiedliche Glashüttenstandorte lassen sich über einen Zeitraum von mehr als 300 Jahren auf dem Territorium des heutigen Mecklenburg-Vorpommern nachweisen.  Längst zählen auch unverzierte Gebrauchsgläser nicht nur in Museen zu geschätzten Sammlerstücken.

Obwohl in den vergangenen Jahrhunderten Tausende Waldgläser und Flaschen in Mecklenburg produziert wurden, gehören diese heute zu ausgesprochenen Raritäten.

Etwa hundert Jahre nach dem Ende der letzten Glashütte in Mecklenburg befassen sich heute vorrangig Künstler mit der Herstellung hochwertiger Glasobjekte unterschiedlicher Funktion. So betreiben die Künstler Regina und Norbert Kaufmann eine Glashütte  an dem traditionellen Hüttenstandort bei Glashagen in der Nähe von Bad Doberan.

WaldglaskunstUnter dem Motto  „Die Natur hat’s erfunden“ stellen Sammler aus Schwerin natürliche Gläser vor, die sie von den unterschiedlichsten Orten dieser Welt zusammengetragen haben. Entstanden sind solche oft bizarren Objekte z.B. durch die ungeheure Hitzeeinwirkung beim Aufprall von Meteoriten auf die Erdoberfläche. Aber auch der Vulkanismus oder das Einschlagen von Blitzen schufen die sonderbarsten Gebilde aus Glas ohne menschliches Zutun. Das dabei entstandene Naturglas Tektit begeisterte durch seine Formenvielfalt und Entstehungsgeschichte den Schweriner Goldschmied Michael Ahnsorge. Im  böhmischen Budweis suchte er selbst nach Moldawiten, die ihn dann zu besonderen Schmuckstücken inspirierten.

Ganz anders entstehen die „Glaslinge“ aus der Werkstatt von Oliver Drobar. “Organisches Design“ nennt Drobar seine intime Arbeit mit Glas, dessen Schmelze Anlass zur Empfindung von Formen und deren Entwicklung gibt. Der Glaskünstler arbeitet mit Vorliebe an Strukturen, die an Naturformen erinnern. Er spürt dem Glas so lange nach, bis es lebendig wirkt. Die Schönheit, die in der Natur pulsiert, ist in ihren vielfältigen Erscheinungsformen im Großen wie im Kleinen das vollkommene Ideal. Diese Schönheit – in der Wahrnehmung fragil und anmutig – ins Glas zu bringen, ist Ziel des Künstlers.

WaldglaskunstIm  zweiten Teil der Ausstellung wird der Bogen vom Waldglas zur modernen Glasgestaltung geschlagen und zu funktionalen Objekten zurückgekehrt. Da sind auf der einen Seite die Kaufmanns aus Glashagen mit Schalen, Flaschen, Vasen und Trinkgläsern – einfachen Gefäßen, die in ihrer Klarheit und Strenge an skandinavische, aber eben auch an norddeutsche Traditionen erinnern. An der Glasmacherpfeife wird die erdachte und gezeichnete Form lebendig. Die Kooperation zwischen Gestalter und Glasmacher ist hier grundlegend für das Gelingen.

WaldglaskunstSusanne und Ulrich Precht kommen aus Lauscha. Ihre Studioglasobjekte sind mit zarten Grafiken versehen. Bei anderen Arbeiten werden unterschiedliche Materialien, wie zum Beispiel Blattsilber, in hohl geblasene Objekte eingeschmolzen bzw. aufgedampft. Das geschieht oft in mehreren Schichten. Auf diese Weise entsteht das Dekor in der Tiefe des Materials und schafft zusätzliche räumliche Effekte. Im Gegensatz dazu befassen sich Thomas Kuzio aus Neu-Sommersdorf und Andreas Wolff aus Berlin vorrangig mit Glas am Bau – in der  modernen Architektur ebenso wie an historisch interessanten Gebäuden. Es entstehen auf unterschiedliche Weise  Fenster- und Wandgestaltungen. Kuzio  bemalt oder besprüht sandgestrahltes Glas und brennt die Farbe anschließend ein. Wolff verändert die Oberfläche farbiger Gläser durch thermische Verformung oder bearbeitet die unterschiedlichen Gläser ebenfalls mit einem Sandstrahl.

Die Ausstellung „Waldglaskunst“ ist vom 25. Juni bis 29. August täglich von 10 bis 18 Uhr im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin, Puschkinstraße 12, zu sehen. Eröffnung am 24. Juni 17 Uhr.

Michaela Christen

Fotos:
1. Foto: altes Mecklenburger Waldglas
2. Foto: „Serengeti“ von Sabine und Ulrich Precht aus Lauscha
3. Foto: ein von Michael Ahnsorge aus Schwerin zu Schmuck verarbeiteter gläserner Meteorit
4. Foto: Produkte von Regina und Norbert Kaufmann aus Glashagen


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