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Vor 25 Jahren: Montagsdemo in Schwerin

Politische Wende?! – Ein Kommentar


Vor 25 Jahren gab es sie dann endlich auch in Schwerin, die erste große Montagsdemonstration gegen das politische System in der DDR. Mehr als 30.000 Schwerinerinnen und Schweriner demonstrierten mutig gegen das Block-Regime aus SED, Ost-CDU, LDPD, NDPD und Bauernpartei, um ihren Willen eindeutig zu bekunden: So wie es ist, geht es nicht weiter! Wir wollen Reformen, echte Veränderungen – und vor allem eine wirkliche Demokratie.

Der real existierende Sozialismus, besser gesagt der Stalinismus, hatte seine Unfähigkeit bewiesen, politische bzw. persönliche Freiheiten zu gewähren und ein effektives Wirtschaftssystem zu gestalten. Wer sich nicht der herrschenden Meinung anschloss, gar Widerspruch und Opposition wagte, mußte schlimmste Repressalien hinnehmen. Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze, politische Haftstrafen, intensive Bespitzelungen durch die Staatssicherheit und Berufsverbote waren Kennzeichen der Verhältnisse in der DDR. Nicht nur. Aber insbesondere.

Mit dem Niedergang der politischen Verhältnisse in der damaligen DDR bestätigte sich auch die Prophezeiung des damaligen evangelischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, der bereits vor dem englischen Baptistenkongreß Ende der 1950er Jahre eindeutig meinte: “Der Kommunismus wird versagen und verschwinden, denn er hat keine Antwort oder eine falsche und irreführende Antwort auf die entscheidende Frage: Wie können menschliche Wesen endlich wirkliche Menschen werden ?” – “Die Würde des Menschen geht (im Kommunismus) verloren und seine Freiheit wird zerstört. Am Ende bedeutet kommunistischer Idealismus nur Nihilismus und deshalb ist er kein Weg zu tatsächlicher Menschlichkeit.”

Menschlichkeit – gerade die fehlte in der politischen DDR! Wie meinte der damalige Sozialdemokrat Otto Buchwitz in Sachsen, ein glühenden Befürworter der Vereinigung von KPD und SPD zur SED 1946, Jahre später selbstkritisch: „Meiner Meinung haben wir eines nicht gelernt – Menschlichkeit!“

Und dieser mangelnde Wille für eine menschliche Gesellschaft zu sorgen, durchzog die DDR seit ihrer Gründung 1949 bis zu ihrem Ende 1989/90 wahrlich wie ein roter Faden. Der Niedergang der DDR hatte dabei vielerlei Gründe. Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl hat sicher auch recht, wenn er meint: „… Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der Heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und habe die Welt verändert…“ Natürlich stellt er auch den Mut vieler damaliger Bürgerinnen und Bürger zwischen Rügen und Sächsischer Schweiz heraus, ohne deren Aufbegehren die DDR-Diktatur niemals hätte hinweggefegt werden können.

Was aber vielen bereits damals zuwider war, ist das Verhalten zahlreicher Bürgerrechtler, die sich selbst so bezeichneten und von anderen oberflächlich urteilenden Beobachtern so beurteilt wurden. Als habe es als Hort des Widerstandes nur die evangelische Kirche gegeben und als haben nur Pfarrer und Friedensaktivisten in der DDR aufbegehrt. Ein alter vorpommerscher Sozialdemokrat, der fünf Jahre von den Nazis im KZ eingesperrt und gequält und später in der DDR aus politischen Gründen wieder inhaftiert wurde, meinte dazu treffend: „Wer wirklich gelitten hat, lebt nicht von großen Sprüchen!“. Leider ist es jedoch so, dass viele der echten oder unechten Bürgerrechtler so auftreten, als haben sie das „Copyright“ an dem „Titel Bürgerrechtler“. Und als habe es, beispielsweise, nie die „Kirche im Sozialismus“ gegeben, ein enges Miteinander zwischen Kirchenführungen und DDR-Staat.

Auch dieses Thema gilt es aufzuarbeiten. Alles andere wäre Geschichtsklitterung.

Eine Frage beantwortete auch die real existierende Demokratie bislang nicht, die bereits erwähnte von Martin Niemöller: „Wie können menschliche Wesen endlich wirkliche Menschen werden?!“ Mehr als 40 Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen, eine strauchelnde Weltwirtschaft, ein immer noch herrschender Casino-Kapitalismus, massive Umweltzerstörungen und politisches Versagen bei der friedvollen Lösung von Konflikten zeigen, dass die Menschheit ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges nicht wirklich dazu lernte.
Gibt es aber Alternativen zur Demokratie? Hierzu hatte der berühmte George Bernard Shaw eine eindeutige Meinung: „Die Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen…“

… Schade nur, dass bei allen „Erinnerungsfeierlichkeiten“ viele echte Bürgerrechtler in Vergessenheit geraten, wie zum Beispiel der gebürtige Schweriner Dr. Jürgen Schmidt-Pohl, der sich weder vor noch nach der Wende den herrschenden politischen Protagonisten beugte und das bis zum heutigen Tag unter größten persönlichen Opfern tut.

von Marko Michels


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