Vor dem Formel 1-WM-Finale: Motorsport in Schwerin

Starke PS seit mehr als einem Jahrhundert in der Landeshauptstadt …

Die Formel 1-Saison 2007 endet heute mit einem spannenden Dreikampf zwischen Kimi Räikkönen (Finnland), Lewis Hamilton (England) und Fernando Alonso (Spanien) um die Fahrer-WM in Sao Paulo (Brasilien).
Doch auch die mecklenburgische Landeshauptstadt hat ein imposante Motorsport-Tradition – mit nicht nur regionalen Erfolgen !

Die Entwicklung des Motorsportes in Schwerin

Nach 1900 erfuhren die motorsportlichen Disziplinen, wie Motorradsport, Automobilsport, Motorbootsport und Motorflugsport, in der mecklenburgischen Landeshauptstadt eine zunehmend positive Resonanz unter der Schweriner Bevölkerung.

Insbesondere der Schweriner Motorrad-Club von 1924 und der Großherzoglich Mecklenburgische Automobil-Club konnten echte Begeisterung bei den Schwerinerinnen und Schwerinern entfachen.

Zum Automobilsport

Der Automobilsport entstand kurz nach der Entwicklung der ersten Kraftfahrzeuge, die mit Kraftstoff, Gas, Dampf oder Strom angetrieben wurden. J.-N. Cugnot (Dampfwagen 1769), S. Maybach (atmosphär. Motor 1870) sowie C. Benz und G. Daimler unabhängig voneinander und gleichzeitig (1885/86) gehören dabei zu den Pionieren des Automobilbaus.

Im Jahr 1887 konnte der Franzose G. Buton mit einem Dampf-Vierrad das Rennen Paris-Versailles über 32 km gewinnen.

Höhepunkte des internationalen Automobilsportes waren aber auch die Jahre 1894 und 1895: So siegten am 22.7.1894 die beiden Wagen von R. Panhard, E. Levassor und A. Peugeot im Automobilrennen Paris-Rouen mit einem Stundenmittel von 17 km.

Im Jahr 1895 triumphierte E. Levassor beim Rennen Paris-Bordeaux-Paris über 1178 km, das als Großer Preis von Frankreich ausgeschrieben war und als erstes Grand-Prix-Rennen gezählt wird.

Bereits ein Jahr später – 1898 – konstituierte sich in Luxemburg der Internationale Verband für Auto-Touristik; die ersten Schnelligkeitsrekorde wurden aufgestellt. In Deutschland fand das erste Automobilrennen 1898 statt – zwischen Berlin-Potsdam (hin und zurück).

100 PS Gordon Bennett 1904Um die Jahrhundertwende erließ G. Bennet die ersten technischen Rennvorschriften und 1904 wurden die Automobile nach Maßen und Gewichten in Klassen eingeteilt. Zwischen 1925 und 1934 erreichte der Automobilsport eine besondere Blüte: Nahezu alle führenden Hersteller von Motorfahrzeugen beteiligten sich an den internationalen Wettbewerben, z.B. seit 1935 an den Europameisterschaften oder bereits seit 1923 an den Stunden-Rennen von Le Mans.

4,5L Opel Grand Prix Wagen 1914Die automobilsportliche Begeisterung erreichte Schwerin im Jahr 1911. In jenem Jahr gründete sich hier der Großherzoglich Mecklenburgische Automobil-Club, zugleich Automobil-Club von Deutschland, dessen Protektor – wie der Name vermuten läßt – der mecklenburgische Großherzog war.

Zum Motorradsport

rennm1000er Chief von 1921Nach Entwürfen von G. Daimler und W. Maybach wurde am 16.8.1883 das erste Motorrad der Welt hergestellt und im Jahr 1885 zum Patent angemeldet. Es dauerte aber noch 12 weitere Jahre, ehe das erste Motorradrennen stattfinden konnte (1897 zwischen Paris und Dieppe).

Das älteste noch heute ausgetragene Motorradrennen ist die englische Tourist Trophy. In Belgien begann man mit den Grand-Prix-Rennen 1921, in Italien 1922 und in den Niederlanden sowie Deutschland 1925. Die Registrierung von Geschwindigkeitsweltrekorden wurde 1920 eingeführt (Beiwagen 1923).

Motorsport Logo1938/39 gab es die ersten europäischen Titelkämpfe.
Im Jahr 1924 gründete sich dann auch in Schwerin ein motorradsportlicher Verein, der „Schweriner Motorrad-Club von 1924 (Deutscher Motorradsport-Verband)“.

Noch im Gründungsjahr veranstaltete der „SMC“ die Klubmeisterschaft von Mecklenburg, für die der Großherzog ab 1925 einen Wanderpokal stiftete.

Dazu aus einem Schreiben des „SMC“ an den Großherzog vom 4.Juli 1924: „ … Der Schweriner Motorrad-Club von 1924, welcher sich zu Anfang dieses Jahres hiergebildet hat und heute (Juli 1924 – Anm.d.V.) 82 Mitglieder zählt, beabsichtigt am 31.August d.J. eine Zuverlässigkeitsfahrt auf nachfolgender Strasse zu veranstalten: `Schwerin-Crivitz-Parchim-Neustadt-Ludwigslust-Schwerin-Wismar-Grevesmühlen-Rehna-Gadebusch-Schwerin`, ca. 215 km. Wir beabsichtigen bei dieser Fahrt zugleich die Klubmeisterschaft von Mecklenburg unter den dem D.M.V. ( = Deutscher Motorradsport-Verband – Anm.d.V.) angeschlossenen Vereinen auszufahren, worunter z.Zt. Rostock-Wismar und Schwerin fällt, wenn sich inzwischen nicht noch weitere Klubs bilden, wofür überall starke Bestrebungen im Gange sind.

Ganz untertänigst bitten wir Euer Königl. Hoheit uns für diese Veranstaltung einen Wanderpokal zu stiften, mit der näheren Bedingung wie derselbe ausgefahren werden soll.

Es ist unser Bestreben das sportliche Interesse für das Motorrad, welches im ganzen Deutschen Reiche in den letzten Jahren besonders hervorgetreten ist, auch in unserem Heimatlande Mecklenburg zu fördern, und soll dieser Pokal hierzu besonders Anlass dienen.

Wir hoffen auch weitere namhafte Preise aussetzen zu können. Ferner beabsichtigen wir am 27.d.M. (Juli 1924 – Anm.d.V.) eine Propagandaveranstaltung nach Ludwigslust zu unternehmen, um auch dortselbst Interesse für die Gründung eines „Motorrad-Klub(s)“ wachzurufen.

Zugleich wollen wir eine Auffahrt unseres Klubs auf dem Schlossplatz vornehmen und erbitten Euer Königl. Hoheit Erlaubnis hierzu. Wir möchten nicht unterlassen zu bemerken, dass unserem Klub auch Offiziere wie Unteroffiziere und Mannschaften, der II.Preuss.Kraftfahr-Kompanie Schwerin, angehören …“

Persönliche Querelen im Vorstand des „SMC“ sowie Unstimmigkeiten mit dem Großherzog über die Vergabe seines Wanderpokals führten zur Auflösung des „Schweriner Motorrad-Clubs von 1924“ im Jahr 1929; dessen Funktionen übernahmen noch im gleichen Jahr – 1929 – die in Schwerin neu gegründeten Motorradsport-Vereine „Motorsport-Club“, der die meisten ehemaligen Mitglieder des „SMC“ an sich binden konnte, sowie der „Schweriner Automobil-Club e.V. / Ortsgruppe des A.D.A.C.“ , der zahlreiche neue motorradsportbegeisterte Schweriner in seinen Reihen hatte.

Bis 1933 fanden alljährlich die mecklenburgischen Motorrad-Meisterschaften um den Wanderpokal des Großherzogs unter der „Obhut“ des „Schweriner Automobil-Clubs“ statt.

Zum Motorbootsport

Die Anfänge des Motorbootsportes gehen bis 1890 zurück. Damals fanden u.a. einige motorisierte Boot-Rennen auf der Themse statt.

Die erste internationale Regatta fand anläßlich der Weltausstellung während der Olympischen Spiele 1900 in Paris statt; damals gewannen Boote mit Daimler-Motoren.

Seit 1901 fanden regelmäßig internationale Regatten an der Riviera, häufig in der Bucht von Monaco statt. In Deutschland setzte sich der Motorbootsport um die Jahrhundertwende durch.

Erst nach dem I.Weltkrieg konnten sich auch die Schweriner für diese Sportart begeistern und gründeten den „Schweriner Motorboot-Club e.V.“.

Dieser veranstaltete bis 1933 jährlich Club-Regatten mit auswärtiger Beteiligung, die meistens in der Zippendorfer Bucht, auf dem Großen Schweriner See oder auf dem Burgsee stattfanden. Für diese Regatten stiftete der Magistrat Schwerin einen Wanderpreis.

Zum Flugsport

Mit den Flugvorführungen der Brüder O. und W. Wright, der französischen Pioniere L. Bleriot, H.Latham und H.Farman sowie den Gebrüdern Voisin begann zwischen 1908 und 1910 die Entwicklung des Flugsportes.

In Berlin-Johannisthal bestritten 1909 und 1910 neben mehrheitlich ausländischen Startern auch einige deutsche Flieger die dort organisierten internationalen Flugwochen. Ein maßgeblich internationales Reglement für diese Sportart wurde bis 1914 entwickelt. Erst 1931 erfolgte der erste Deutschland-Flug.

Nach 1918 begannen sich ebenfalls in Schwerin flugsportliche Aktivitäten zu entwickeln. So konstituierte sich in der mecklenburgischen Metropole der „Flieger-Verein zu Schwerin in Mecklenburg“, der sich zunächst im „Ring der Flieger e.V. Berlin“, ab 1930 im „Deutschen Luftfahrt-Verband e.V., Berlin“ organisierte.

Tupolew ANT-1 SportflugzeugSehr engagiert war der „Flieger-Verein zu Schwerin“ bei der Durchführung von Wettkämpfen:Zwischen 1925 und 1933 fanden einige Wett- und Schau-Fliegen in Schwerin statt.

Aus: Marko Michels „Chronik des Schweriner Sportes vom 19.Jahrhundert bis 1933″/einschl. Dokumente- und Foto-Sammlung, Stadtsportbund Schwerin, Manuskript 2000 / Fotos: LHA Schwerin)


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