20. filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern – der erste Wettbewerbstag

Festivalstimmung im Schweriner Capitol! Einen Tag nach der Eröffnungsveranstaltung wurden dem gespannten Publikum die ersten Wettbewerbsfilme in den Kategorien Spielfilm, Kurzfilm und Dokumentarfilm präsentiert.

Im Programm waren Filme aus verschiedenen Genres zu sehen, mit „Transfer“ auch ein Science-Fiction, unter deutschen Produktionen eine Rarität. Die Erwartungen der Zuschauer konnten erfüllt und auch überrascht werden, alle Filme wurden am Ende mit viel Applaus belohnt.
Nicht nur das Publikum blickte gespannt auf die Leinwand, auch die Jury um Spielfilmjurypräsident Michael Ballhaus nahm ihre Tätigkeit auf und sah die Filme mit einem kritischen Auge.

„Cindy liebt mich nicht“ von Hannah Schweier war der erste Spielfilm des Tages. Wie aus dem Nichts taucht Maria im Leben zweier Männer auf, genauso plötzlich verschwindet Sie auch wieder. Aus der Suche nach Cindy wird ein Roadmovie, der die beiden grundverschiedenen Männer, den geheimnisvolle Barkeeper Frank und den eher langweiligen David, Referendar bei der Staatsanwaltschaft, bis nach Dänemark führt. Dort treffen sie allerdings nicht auf Cindy, sondern: auf einen dritten Mann. Allerdings klärt sich auf, was Maria mit Cindy zu tun hat und warum die Kneipe, in der Barkeeper Frank arbeitet „Cindy liebt mich nicht“ heißt.
Die Darsteller Anne Schäfer und Peter Weiß waren sich im Filmgespräch einig über die leichte Spielweise des Films und die leichte Behandlung des Themas in der Romanverfilmung.

Der zweite Spielfilm, „Transfer“ von David Lukacevic kam als Uraufführung nach Schwerin. Transfer spielt im Deutschland der nahen Zukunft und handelt vom Traum der ewigen Jugend. Hermann und seine schwerkranke Frau Anna lassen sich auf das Wagnis eines Persönlichkeitstransfers in einen jungen Körper ein.
„Also, wenn ich so schön wäre, wie ich in dem Film in dem anderen Körper war, dann wäre ich schon gern wieder jung.“, sagte Hauptdarstellerin Ingrid Andree. Anders sah es Ihr Kollege Hans-Michael Rehberg, „Wenn man heute jung ist, hat man es doch viel schwieriger, als wir damals, in jeder Hinsicht!“

Der dritte Film im Spielfilmwettbewerb war „Die Liebe der Kinder“ von Franz Müller. Die Hauptfiguren Robert und Maren lernen sich über eine Kontaktanzeige kennen und stürzen sich kopfüber in die neue Beziehung, die bald mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Gleichzeitig entwickelt sich die Liebe der beiden Kinder des Paares zueinander. In der parallelen Entwicklung der beiden ungleichen Paare liegt die spannungsgeladene Dramatik des Films, der so nie vorhersehbar wird.
„Der Film ist autobiografisch, er ist aus meinem Leben geschrieben“, erzählt der Regisseur und Drehbuchautor Franz Müller im Filmgespräch. Auch die Beziehungen der Figuren besitzen Parallelen zu deren Leben außerhalb des Films. „Die beste Freundin ist tatsächlich die beste Freundin, die Verlagsaffäre wird gespielt vom Ex-Mann der Hauptfigur und die Mutter ist die Schauspiellehrerin“, berichtet Franz Müller weiter.

Im Kurzfilmwettbewerb liefen ebenfalls drei Filme. Der zweiminütige Film „Baader-Meinhof-Komplett“ von Till Penzek und Jon Frickey eröffnete diesen Wettbewerb mit einem, wie der Name besagt, kompletten, leicht boshaften Überblick über den RAF-Hype in Manier eines überzogenen Marketingfilmes für Sammelfiguren. Der zweite Film „Faustschlag“ von Malte Olrogge, der auf dem Festival uraufgeführt wurde, zeigte in elf Minuten ein rassistisch motiviertes Verhör und einen Boxer, der sich seine große Chance nicht entgehen lassen will. „Ein Film über Ohnmacht und Ausgeliefertsein.“, sagte Olrogge.

„Mein Mallorca“ von Bernadette Knoller, der dritte Kurzfilm, gab in 15 Minuten einen Einblick in das ungewöhnliche Leben einer Patchwork-Familie im ländlichen Mecklenburg-Vorpommern und ihren Traum von „Mallorca“, als einer Oase der Ruhe.

Der Dokfilmwettbewerb startete mit der Kinopremiere „David wants to fly“ von David Sieveking. Einem Film, in dem sich Filmemacher David auf der Suche nach Inspiration und Überwindung der Sinnkrise befindet, dabei die Transzendentale Meditation entdeckt. Er  begegnet auch seinem Idol, dem Regisseur David Lynch. Eine Begegnung, die im Nachhinein aufgrund einer sektenartigen Verstrickung der „TM“ seine Schwierigkeiten mitbrachte, wie Sieveking im anschließenden Filmgespräch erläuterte.
„Eine von 8“ von Sabine Derflinger, begleitet eine Frau nach der Brustkrebsdiagnose. Ein sehr authentischer Film, höchst bewegend und lebhaft ohne jeden Voyeurismus.
Der Dokumentarfilmabend endete schließlich bei der Uraufführung „Zwischen den Welten – Das Leben der Margit Pittmann“, einer Revolutionärin aus Überzeugung.
Margit Pittmanns Leben sei wie „ein Buch der Weltliteratur, das es zu würdigen und zu bewahren gilt.“, sagte Hartmut Schulz, Kameramann, Drehbuchautor und mit der Artia Nova Film auch Produzent des Films und Sponsor des Kamerapreises im Kurzfilmwettbewerb des diesjährigen filmkunstfestes M-V.

Während im Festivalkino Capitol die Wettbewerbe liefen, wurde im „Speicher“ gerockt.
Zu Ehren des 1996 verstorbenen Rio Reiser, der während des 6. filmkunstfestes M-V in Schwerin sein letztes Konzert gab, ließ die Rostocker Band „Rettung“ Reisers Lieder erklingen und der Dokfilm „Ich bieg Dir `n Regenbogen: Rio Reiser Rockpoet“ von Hanno Brühl wurde gezeigt.

„An Rio Reisers Tod konnte ich mich noch ganz genau erinnern…“, sagte Jan Bajen, der letzte Lebensgefährte Rio Reisers. Mit diesem Satz begann die diesjährige Musikfilmnacht, nach der Begrüßung durch Torsten Jahn, den Geschäftsführer der FilmLand M-V gGmbH. Rio Reisers Musik und das Erinnern an eine besondere Musikfilmnacht beim 6. filmkunstfest lockte viele Zuschauer in den Speicher. Statt wie angekündigt Gerd Möbius, kam Jan Bajen nach Schwerin und las einige Zeilen aus der inoffiziellen Biografie „Das Alles und noch viel mehr“ vor. „Eine Premiere“, meinte er. Nach dem Satz „denn sein Name war Mensch“ hielt er inne. Das war das Stichwort für die Band „Die Rettung“ den musikalischen Teil des Abends einzuläuten.

Die Rostocker Band, die sich durch Rios Musik und Begegnungen mit dessen Familie inspirieren ließ, entführte das Publikum auf eine Zeitreise durch das musikalische Schaffen, des 1996 verstorbenen Künstlers, von Ton Steine Scherben-Songs bis zu Rios Solokarriere. Das Publikum bewegte sich im Takt der Musik und sang textsicher die gespielten Lieder.

Das 20. filmkunstfest M-V geht noch bis zum kommenden Sonntag, den 9. Mai 2010. Bereits am Samstag ab 20.00 Uhr werden die Preise verliehen, unter anderem der „Goldene Ochse“, der Ehrenpreis des Festivals an Manfred Krug und der mit 7.500 € dotierte „Fliegende Ochse“, der Hauptpreis im Spielfilmwettbewerb.


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