Die Ruder-WM 2015 im Rückspiegel

Nachgefragt bei Hannes Ocik


Die Ruder-Weltmeisterschaften 2015 (in Aiguebelette) sind wieder Historie. Mittendrin statt „nur dabei“ war natürlich auch der gebürtige Rostocker Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft), Schlagmann im Deutschland-Achter. Und wie schon in den beiden Vorjahren kam das deutsche Boot im Finale knapp hinter der Konkurrenz aus Großbritannien ins Ziel. Dieses mal betrug der Abstand auf den neuen alten Weltmeisteter sogar nur 18 hundertstel Sekunden.

Schwerin-News hat mit Hannes Ocik gesprochen

„Rennen verlief fast optimal…“

Hannes Ocik (Copyright: Martin Steffen)Frage: Hannes, nochmals Glückwunsch zum Silber-Platz. Wie verlief das Rennen aus Deiner Sicht?

Hannes Ocik: Vielen Dank. Das Rennen verlief aus unserer Sicht fast optimal. Wir sind ein gutes Profil gefahren und konnten unseren Streckenschlag auf einem hohen Niveau durchbringen. Leider konnten uns die Briten auf dem Mittelteil einen Meter zu viel abnehmen und diese Lücke konnten wir dann anschließend auf den zweiten 1000 Metern nicht mehr schließen.

Frage: Im Hinblick auf Rio… Wo könnte noch ein letzter Feinschliff erfolgen, um eventuell Olympia-Gold zu erkämpfen?

Hannes Ocik: Man konnte gut sehen, dass wir in diesem Jahr auf einem ziemlich hohen Level gerudert sind. Was uns im Vergleich zu den Briten ein wenig fehlt, ist die Physis. Da müssen wir ab Oktober noch intensiver an uns arbeiten.

Frage: Wie war das ganze „Drumherum“ bei den WM in Aiguebelette?

Hannes Ocik: Es war ein riesiges Event mit Melderekord und Massen an Zuschauern! Dazu faire Wetterbedingungen. Einfach super…

Frage: „Ein Wort“ zu den anderen M-V-Startern…

Hannes Ocik: Für Marie lief die WM meines Erachtens schon nahezu optimal. Nachdem sie das letzte Jahr wegen der Geburt ihres Sohnes ausgesetzt hatte, kam sie in diesem Jahr richtig stark wieder. Mit Platz 6 im Finale und der damit verbundenen Olympia-Qualifikation wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht. Doch wie ich Marie kenne, brennt sie darauf, im nächsten Jahr nochmal auf die Medaillenränge zu fahren. Was aus meiner Sicht nicht unrealistisch ist, da mit ihrer noch sehr jungen Partnerin Fini Sturm im leichten Doppelzweier einiges Entwicklungspotenzial vorhanden ist.

Für Stefan Krüger ist es natürlich ärgerlich. Nach dem Sieg auf der Kleinbootmeisterschaft, EM-Gold und Platz zwei in Luzern hatte er sich eine Medaille bei der Weltmeisterschaft verdient.
Für den Frauenriemen-Bereich und Julia Wärmer kann ich nur hoffen, dass sie sich von dem WM-Auftritt nicht entmutigen lassen und weiter an sich glauben, um im nächsten Jahr die Olympia-Qualifikation doch noch zu schaffen.

Frage: Und nun… Wie geht es jetzt weiter? Erst mal Urlaub?!

Hannes Ocik: Ja, auf jeden Fall. Nachdem ich das ganze Jahr in Dortmund und in Trainingslagern verbracht habe, ist es jetzt an der Zeit, mal wieder ein paar Tage in meiner Heimat Schwerin und Rostock zu verbringen. In der nächsten Woche werde ich dann ans Mittelmeer verschwinden, um meine Akkus für die anstehende olympische Saison aufzuladen. Ein Dankeschön auch an alle Sportinteressierten, Fans und Freunde, die mir immer wieder ein schönes Feedback gegeben haben! Begleiten könnt ihr mich weiterhin auf meiner Facebookseite (www.facebook.com/Hannesocik).

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!
Die Fragen stellte Marko Michels

 

Wissenswertes zu den Ruder-WM 2015

Rund 1.300 Ruderinnen und Ruderer aus 77 Nationen nahmen an den WM teil. In den 26 Entscheidungen im olympischen, nicht-olympischen und paralympischen Rudern waren am erfolgreichsten:

– Großbritannien (5 x Gold, 9 x Silber, 1 x Bronze)
– Neuseeland (5 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze)
– Deutschland (3 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze)
– Australien (3 x Gold, 2 x Silber)
– USA (3 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze)

Insgesamt erkämpften Ruderinnen und Ruderer aus 23 Ländern WM-Medaillen. Elf Nationen erruderten einen oder mehrere WM-Titel. Die deutschen Goldmedaillen gingen auf das Konto des Herren-Doppelvierers, des leichten Herren-Achters und des leichten Frauen-Doppelvierers.

Aus M-V-Blickwinkel waren sechs Ruderinnen und Ruderer im deutschen WM-Aufgebot 2015:

– Stephan Krüger (Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock) im Doppelzweier
– Felix Drahotta, gebürtiger Bad Doberaner und einstiges Mitglied des Rostocker Ruder-Clubs von 1885 (jetzt Bayer Leverkusen. Ruder-Abteilung) im Achter
– Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft) im Achter
– Julia Wärmer (Rostocker Ruder-Club von 1885) im Frauen-Achter
– Marie-Louise Dräger (Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock) im leichten Doppelzweier
– Wiebke Hein, gebürtige Bützowerin und ehemaliges Mitglied des Olympischen Ruder-Clubs von 1956 Rostock (jetzt Potsdam) als Ersatz-Starterin

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