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Nachdenklich und realistisch: „Bessere Zeiten“ in Schwerin

Ein Kommentar inklusive Interwiew mit einer Schweriner Studentin

Es war soziale Theater-Stimmung an einem ungewohnten Ort – im Club ZENIT, einer kühlen und gestylten Lokalität, mit Fabrik-Charakter, in der sonst zu Disco- und Techno-Klängen ausgiebig getanzt wird. Am 20. Februar wurde jedoch nicht getanzt, sondern gespielt – auf einer Bühne, deren Ausstattung zwar karg, aber darum umso aussagekräftiger war. Es ging um Lebensschicksale, um Lebensepisoden, um Gefühle und Ziele völlig unterschiedlicher Menschen, die nur eines verband – die Hoffnung auf „bessere Zeiten“. Vieles erinnerte dabei an einen Film, der vor 44 Jahren Premiere hatte „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss…“ mit Jane Fonda und Michael Sarrazin. Ging es in dem Hollywood-Film um einen Tanzmarathon zur Zeit der Weltwirtschaftskrise 1932, bei dem ein Preisgeld von 1.500 Dollar ausgelobt wurde, so stand bei der Schweriner Theater-Aufführung nur eines im Vordergrund – „Bessere Aussichten…“, so auch der Titel des Stückes.

Tanzten vor mehr als vier Jahrzehnten „Gloria“ und „Robert“ um ihr Leben, so hatte man anno 2013 in der Landeshauptstadt MV bisweilen den Eindruck, als spielten dort die jungen und reiferen Protagonistinnen und Protagonisten um ihr Leben, um ihre berufliche Zukunft. Keine Aufführung, die träumen ließ. Keine Minute des Entspannens. Keine Sekunde der Kurzweil. Wer an diesem 20. Februar bisweilen lachte, dem fehlte jede Empathie, jede Nachdenklichkeit, die notwendig ist, um das Geschehen auf der ZENIT-Bühne wirklich tiefgründig zu verfolgen.

Beeindruckend wie sich die Darstellerinnen und Darsteller – alle in einer extrem widrigen Lebenssituation, auf Hartz IV angewiesen – präsentierten. Mit viel Herzblut, mit viel Enthusiasmus und mit viel Engagement waren sie bei der künstlerischen Sache. Insbesondere die „karriereorientierte Monika“ offenbarte mehr als Spiel, hier war jemand – auch wenn es „abgedroschen“ klingt – mit „Leib, Herz und Seele“ dabei. Kaum zu glauben, dass „Monika“ auf ein gesellschaftliches Abstellgleis geriet. Hoffentlich gelingt es ihr, wie den anderen auch, Fahrt aufzunehmen, eine neue Weichenstellung für ihr Leben zu erreichen.

Eigentlich hätte das Stück auch ganz gut in den  „Goldenen Saal“ des Neustädtischen Palais in Schwerin „gepasst“ – mit Pflichtpräsenz für die Mitglieder der Landesregierung MV und des Landtages MV – damit einigen ihr Tun besser bewusst wird und etwas gelingt, was sonst oftmals nicht der Fall ist – einmal empathisch nachzudenken. Geschönte Statistiken zum Arbeitsmarkt helfen nicht. „Statistik“ ist noch lange nicht Realität. Oder wie der große Lyriker Bert Brecht sagen würde: „Wer die Wahrheit nicht kennt, ist ein Dummkopf. Wer die Wahrheit jedoch kennt und eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher!“ Nicht mehr. Und nicht weniger!

Nachgefragt bei Zuschauerin Lara-Marie Rose, Studentin des „Baltic College“ Schwerin

„Es ist nachdenklich und realistisch…“

Frage: Sie sind seit 2010 Studentin für Hotel und Tourismus-Management am Baltic College in Schwerin. Wie gefiel Ihnen das Stück „Bessere Zeiten“?

Lara-Marie Rose: Ich halte die Beurteilung „gefallen“ und „nicht gefallen“ zu dieser Thematik nicht für angemessen. Hier ging es um ein sozial orientiertes Theater-Projekt, das einerseits den Laien-Darstellerinnen und Laien-Darstellern, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, weitere soziale Kompetenz vermitteln, anderseits reale Gegebenheiten den Zuschauern, den Betrachtern nahe bringen soll. Die Realität ist oft nicht schön oder bunt, nein, so ist das Leben wahrlich nicht.

Das Leben draußen ist nun einmal äußerst hart. Hier ging es nicht um eine „heile Welt“ mit „Happy End“, hier ging es um konkrete Lebensumstände einzelner Charaktere. Für mich war es ein sehr nachdenkliches, sehr realistische Aufführung und damit eine echte Bereicherung.

Frage: Würden Sie jedoch von einer erfolgreichen Vorstellung sprechen?

Lara-Marie Rose: Erfolg ist immer eine relative Betrachtung. Ist das Stück erfolgreich, weil viele diese Vorstellung besuchen? Ist es in dem Sinne erfolgreich, dass sich die Darstellerinnen und Darsteller weiter entwickelten? Und: Konnte „Bessere Aussichten“ zum Reflektieren anregen? So eine Thematik wird nie den Geschmack eines Massen-Publikums treffen, das nur unterhalten sein will, nur abschalten möchte, insofern ist die Quantität des Publikums ein untergeordneter Maßstab.

Was viel wichtiger ist: Die Darstellerinnen und Darsteller konnten proben, sich erproben. Zeigen, was sie „drauf haben“. Verborgene Talente offenbaren. Und für mich persönlich erreichten sie auch etwas: Nicht irgendeinem Klischee-Denken zu folgen, sondern die Nöte und den Lebenskampf der anderen auch wahrzunehmen. Auch einmal nach links und nach rechts zu schauen, um zu erkennen, dass das eigene Dasein stets nur in Relationen zu betrachten ist.

Frage: Was ist die Lehre aus diesem Stück für Sie?

Lara-Marie Rose: Nie aufzustecken, immer weiter zu kämpfen! – Und seine Ziele, auch unter schwierigsten Bedingungen, niemals aus den Augen verlieren!

Vielen Dank! Und weiterhin beste Erfolge beim Studium!

Marko Michels


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