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Spar-Debatte in Schwerin

Ein Kommentar

Es gibt wieder einmal Vorschläge. Vorschläge zu mehr Sparsamkeit. Zu mehr Einnahmen. Zu weniger „Verschwendung“. Wo?! In unserer liebevollen Stadt Schwerin, in der es untereinander – „ab und zu“ – gar nicht so liebevoll zugeht.
Nun waren wieder einmal Experten vor Ort, um mit dem „Blick von außen“ die „Sehschärfe nach innen“ zu richten. Wie kann Schwerin besser sparen? Wie kann Schwerin sein Potenzial besser nutzen?

Das Ergebnis mutet nahezu „sensationell“ an. Städtische Gebühren und Abgaben sollen erhöht, kulturelle und sportliche Einrichtungen geschlossen und Kürzungen im Sozialbereich vorgenommen werden. Vieles, was Schwerin also ausmacht, die sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Angebote, gehören demnach auf den Prüfstand.

Wozu eigentlich einen großen Zoo, wenn sich nun einige Leute aufführen, wie die drei Affen: Ja, nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Nur mit dem „Blick von außen nach innen“, aber nicht über den Tellerrand hinaus. Die Devise könnte lauten – angesichts schwankender Holzpreise: „Sterbt jetzt, die Särge werden billiger!“, wie der Publizist und Philosoph Manfred Hinrich meint.

Das würde bezogen auf Schwerin bedeuten: Erst mal das, was Schwerin ausmacht, wegrationalisieren, um dann die letzten tatkräftigen Schwerinerinnen und Schweriner zu vertreiben, um wiederum mehr Geld für die „städtische Beerdigung“ zu haben. Wozu auch Theater, Klubs, Museen, Bildungseinrichtungen, Sporthallen – alles unwichtig. Kostet doch nur Geld! Weg damit! Die Bürgersteige am Spätnachmittag hochklappen, Licht ab 17 Uhr aus, die Paulshöhe zur Rollator-Rennstrecke umwandeln und an den Stadtzugängen plakatieren: „Willkommen in der Senioren- und Beamten-Stadt Schwerin! R.I.P.!“.

Sparen ist immer gut. Ist es das aber tatsächlich? Kultur, Sport, Soziales wird immer Geld kosten. Auch die Wirtschaft, ob die große oder kleine, und außerdem die Politik, ebenfalls die große und die kleine, kosten Unmengen an Geld: Sitzungsgelder, Diäten, Pensionen, Subventionen, Zuschüsse für Azubis und Investitionen und und und.

Da soll natürlich nicht gespart werden. Im Gegenteil. Die Bürgerinnen und Bürger Schwerins dürfen aber für das wirtschaftliche und politische Miss-Management ihrer Eliten zahlen: Nahverkehr, Theaterkarten, Bildungsangebote – bald alles teurer.

Gerade fand am Wochenende in einem bekannten Schweriner Konsum-Tempel das Aktionsprogramm „WIR. Erfolg braucht Vielfalt“ statt. Die Resonanz war groß. Wo bleibt dieses „Wir“ aber in Schwerin. Braucht Schwerin keine (kulturelle und sportliche) Vielfalt mehr? Keinen Erfolg …?

Wer hätte nach erfolgreicher BUGA 2009 und dem Stadt-Jubiläum 2010 erahnt, dass die damalige Aufbruchsstimmung in der Stadt so schnell abhanden kommen würde. Nur die Wenigsten. Einige Skeptiker, die schon lange wissen, was auch hinter den städtischen Kulissen wirklich läuft. Nun flammt die Spar-Debatte erneut auf. Der große amerikanische Automobil-Unternehmer Henry Ford meinte einst, dass Sparen die Lieblingstugend der halblebendigen Menschen sei.

Vielleicht gibt es nach den etwaigen Einsparungen, dann ein „Mehr“ an Zombies in Schwerin – mit einem Blick nach oben!

Marko Michels


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