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Statt „Oscar“ lieber „Egon“

Das Filmkunstfest M-V 2017 wird „mächtig gewaltig“…

Der Countdown läuft. Nur noch zwei Monate – dann ist es so weit. Wenn das 27. Filmkunstfest M-V am 2. Mai und startet, heißt es wieder sechs Tage lang „Filme, aber auch Kunst bzw. Kultur, nonstop“. In diesem Jahr ist Dänemark Gastland des Filmkunstfestes. Ob nun „etwas faul“ im Staate Dänemark ist oder doch hierzulande, wird vielleicht cineastisch gezeigt. Auf alle Fälle haben die Dänen drei Filme über die legendäre „Olsenbande“, mit dem Trio Egon, Benny und Kjeld, im Gepäck.

 

Highlight des Filmkunstfestes wird am 6. Mai wieder die Preisgala sein, wenn die besten Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Jugendfilme gekührt werden. Eine Preisträgerin steht bereits jetzt schon fest: Iris Berben erhält den „Goldenen Ochsen“ für ihr Lebenswerk. Was vom Filmfestival sonst noch zu erwarten ist, haben wir im Interview mit Pressesprecher Max-Peter Heyne erfahren.

INTTERVIEW

„Es gibt auch 2017 zahlreiche Highlights…“

 

So kurz vor dem Start… Wie viele Filme werden beim diesjährigen Filmkunstfest gezeigt? Wie viele Preise werden vergeben?

Max-Peter Heyne: Da der Einreichungsschluss für das 27. Filmkunstfest MV gerade erst abgelaufen ist, sichten die Kollegen der Programmredaktion noch fleißig etliche der über 1.000 Einreichungen, die wir an Dokumentar-, Spiel- oder Kurzfilmen erhalten haben. Wir werden aber eine ähnlich große Auswahl wie in 2016 treffen, also rund 130 Filme und davon ca. 50 Kurzfilme zeigen (exklusive der Kurzfilmnacht am 5. Mai im Speicher!).

Auch bei den Preisen wird es so sein wie 2016: Wir vergeben 12 Preise, darunter den Goldenen Ochsen als Ehrenpreis für das Lebenswerk an die Schauspielerin Iris Berben. Vor allem freuen wir uns, dass der LEO-Preis für den besten Film im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb wieder vom Bundesfamilienministerium gestiftet und bei der Abschlussfeier am 6. Mai von Bundesministerin Manuela Schwesig persönlich überreicht wird.

 

Dieses Jahr ist Dänemark Gast. Warum gerade die Dänen? Was prädestiniert diese so gut für das Filmkunstfest M-V?

Max-Peter Heyne: Uns als Veranstalter hat es sehr überrascht, festzustellen, dass Dänemark noch nie das Gastland auf einem Filmkunstfest MV war. Dabei ist die Landeshauptstadt Schwerin und das gesamte Land Mecklenburg-Vorpommern Dänemark traditionell auf vielfältige Weise verbunden: historisch, wirtschaftlich, kulturell und politisch. Vor allem seit 1990 haben sich diese Kontakte intensiviert, die nie ganz abgebrochen waren. Wir haben bei unseren Recherchen erfahren, dass in Mecklenburg viele Geschäftsleute aus Dänemark aktiv sind und Firmen leiten. Andere sind qua Heirat als Lehrer, Beamte oder Kulturschaffende in der Region tätig. Jedenfalls haben wir viel Resonanz auf unsere Ankündigung erfahren.

Dänemark ist zwar eine kleine Filmnation, gehört aber seit Beginn der Filmgeschichte zu den aktivsten und vielseitigsten Filmproduzenten. Große Werke der Stummfilmgeschichte sind in Dänemark entstanden – oft in deutscher Koproduktion, also in Babelsberg. Einen dieser Filme, die Shakespeare-Verfilmung „Hamlet“ mit Asta Nielsen, zeigen wir beim 27.Filmkunstfest MV als Stummfilmkonzert mit der Neuvertonung von Michael Riessler. Der Komponist wird den Film auch live begleiten.

Über Asta Nielsen gibt es auch eine Verbindung zu Mecklenburg-Vorpommern, denn sie als einer der bedeutendsten Stars der Stummfilmära, hat zwischen 1928-1936 auf der Insel Hiddensee ihre Sommerurlaube verbracht. Es existiert ja immer noch Nielsens berühmte Villa „Karusel“, die der renommierte Architekt Bruno taut eigens für sie errichten ließ.

Wir werden einen neuen Dokumentarfilm über Asta Nielsen aufführen („Ein roter Teppich für Asta Nielsen“). Außerdem wird die Autorin Renate Seydel wird aus ihrer 2011 erschienenen Asta Nielsen-Biografie (Demmler-Verlag) eine Lesung abhalten.

Und nicht zu vergessen: Die legendäre Olsenbande verbindet die Dänen mit den Ostdeutschen in ganz besonderer Weise. Sie wurden in der DEFA-Synchronversion zu Kultfiguren. Im Westen fanden diese Filme kaum Anklang – ein interessantes West-Ost-Phänomen. Der letzte noch lebende Olsenbanden-Darsteller, Morten Grunwald, hat mir vor einigen Jahren in einem Interview berichtet, dass er bei Besuchen im geteilten Deutschland ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat: Fuhr er nach Ostberlin oder in die DDR, wurde er ständig angesprochen und um Autogramme gebeten. Nur einige Kilometer weiter, in Westberlin, konnte er überall hingehen, ohne erkannt zu werden. Grunwald kommt zusammen mit Jes Holtsø, der in der Filmreihe hin und wieder den Sohn von Kjeld, Børge, spielte, zum Fimkunstfest MV und wird eine Ausstellung im Schleswig-Holstein-Haus eröffnen, die in Kooperation mit der Kunsthalle Rostock entstanden ist.

Viele Requisiten aus der Filmreihe sowie Plakate und Fotos werden dort vom 2. Mai bis Mitte Juni zu sehen sein. Über diese wunderbare Kooperation mit den beiden Museen freuen wir uns sehr, denn so können wir den Olsenbanden-Fans nicht nur Filme zeigen – was wir natürlich auch machen werden!

 

Zu den letzten Filmkunstfesten kamen zwischen 17- und 18.000 Besucher – nicht wenige davon auch zum kulturellen Rahmenprogramm. Welche Highlights wird es 2017 noch geben?

Der Hauptveranstaltungsort des Filmkunstfestes MV 2017 – das 1936 eroffnete Capitol in Schwerin. © M. Michels

Max-Peter Heyne: Neben den schon genannten Dänemark-Highlights wird es noch einige andere schöne Sonderveranstaltungen geben:

1. Die festliche Eröffnung am 2. Mai 2017 im Capitol Filmpalast mit der Verleihung des vom Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop mit 1.000 Euro dotierten „Stipendiums für Drehbuch“ und des WIR-Vielfaltspreises, den wieder die Präsidentin des Landtags in MV, Frau Sylvia Bretschneider, überreichen wird.

2. Zum dritten Mal die Reihe „Focus Baltic Sea“ mit neuen Filmen aus dem Kulturraum Ostsee, also 9 Langfilme aus Skandinavien, den baltischen Staaten, Polen und Russland.

3. Ebenfalls zum dritten Mal findet vormittags zwischen dem 2.-4. Mai das französische Jugendfilmfestival Cinéfête mit 8 Filmen für den französischen Fremdsprachenunterricht in Kooperation mit dem Institut Français in Rostock.

4. Wieder eine Reihe mit 4-5 aktuellen NDR-Produktionen unseres langjährigen Medienpartners.

5. Ein Konzert der Gustav-Peter-Wöhler-Band am 4. Mai 2017 im Großen Saal des Festivalkinos Filmpalast Capitol. Der beliebte Schauspieler ist nämlich auch ein begabter Sänger und Entertainer und gibt orginelle Coverversionen großer Hits mit seinen hervorragenden Musikern zum Besten. Der Vorverkauf dafür wie für die Eröffnungs- und Abschlussfeier läuft bereits. Also nix wie hin zum Capitol!

 

Gerade wurden die „Oscars“ verliehen. Mit Blick von Schwerin nach Hollywood: Wie beurteilen Sie die Preisverleihung?

Max-Peter Heyne: Dass keiner der nominierten deutschen Beiträge gewonnen hat, ist natürlich schade. Wir vom Filmkunstfest MV bedauern aber insbesondere, dass die großartige dänische Produktion „Unter dem Sand“ ebenfalls leer ausging. Denn dieses packende, bewegende Drama um deutsche Jugendliche, die am Ende des 2. Weltkrieges von den dänischen Truppen dazu verdonnert wurden, an den Stränden Minen zu suchen und zu räumen, wird auf dem 27. Filmkunstfest MV in der Reihe des Gastlandes Dänemark zu sehen sein!

Nun haben wir zwar keinen „Oscar“-Gewinner, aber der Film verliert ja dadurch nicht an Brisanz und Qualität. Was die inzwischen legendäre Panne am Ende der Show betrifft: Es ist schon ein arger Schnitzer. Aber wir sind auch erleichtert, dass solche Pannen selbst den amerikanischen Kollegen und Kolleginnen passieren können, die sich immer sehr viel auf ihre tadellose Professionalität einbilden.

Wir hoffen, dass uns ein solcher Fauxpas am 6. Mai nicht passiert. Die Voraussetzungen sind hervorragend: Denn der beliebte und versierte Radiojournalist und Moderator Knut Elstermann wird wieder durch die Eröffnungs- und Abschlussfeier leiten – und zu später Stunde mit Filmgästen Interviews im Kulturcafé Platon in den Schweriner Höfen führen. Das kam 2016 sehr gut an und sorgte für fröhliche Laune bei den Nachtschwärmern, deshalb haben wir diese Filmtalks für 2017 fest eingeplant.

 

Vielen Dank, dann erfolgreiche cineastische Tage im Mai und weiterhin bestes Engagement für das Filmkunstfest MV!
Die Fragen stellte Marko Michels

 

Weitere Informationen unter www.filmland-mv.de


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