Vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking

Vor 80 Jahren: Erstes Olympia-Gold für heutiges M-V …

 

Die erste Goldmedaille bei Olympischen Spielen für die Region des heutigen Mecklenburg-Vorpommern gewann am 11.August in Amsterdam der Dressur-Reiter Carl Friedrich Freiherr von Langen, der aus dem vorpommerschen Ort Parow (bei Stralsund/Provinz Pommern) stammte.

Carl Friedrich von LangenIn einem der hochklassigsten Dressur-Wettbewerbe der olympischen Geschichte verwies von Langen mit seinem Pferd „Draufgänger“ mit 237,42 Punkten den Franzosen Charles Marion auf „Linon“ (231 Punkte) und den Schweden Ragnar Olson auf „Günstling“ (229,78 Punkte) auf die Ehrenplätze.

Die Prüfungszeit betrug damals zum ersten Mal 13 Minuten und das Dressur-Viereck erhielt seine bis heute unveränderten Maße von 20 x 60 Metern.

Aber auch weiterhin – wie bei den olympischen Entscheidungen zuvor – mußte der Galoppteil zwei Meter von der Einfassung entfernt geritten werden, wobei die Ecken der Bahn für den inneren Hufschlag gekennzeichnet waren.

Von Langen beherrschte die zweitägige Dressur-Entscheidung (am 10. und 11.August 1928) – deutlicher als alle seine Vorgänger seit 1912.

Die Team-Wertung, die bei den Spielen 1928 in Amsterdam olympische Premiere feierte, wurde ebenfalls von der deutschen Mannschaft mit von Langen an der Spitze vor Schweden und den Niederlanden gewonnen. Errechnet wurde diese aus den Punktzahlen der drei teilnehmenden Reiter jedes Landes.

Fast 3000 Athleten in Amsterdam …

Insgesamt 2971 Sportlerinnen und Sportler (Frauen: 288) starteten bei Olympia 1928 in Amsterdam.

In 17 Sportarten, die 120 Wettbewerbe beinhalteten, wurde um Plätze und Medaillen gewetteifert. „Team Germany“ belegte hinter den USA mit 10 x Gold, 7 x Silber und 14 x Bronze Platz zwei in der Gesamtwertung.

Erstmals starteten Frauen in der Leichtathletik, wobei hier die Nordamerikanerinnen (USA/Kanada) mit 8 x Edelmetall (dreimal Gold) am erfolgreichsten waren. Die Deutsche Lina Radtke siegte aber im 800 Meter-Lauf. Im Schwimmen war „Tarzan“ Johnny Weissmuller über 100 Meter-Kraul und in der 4 x 200 Meter-Kraul-Staffel der Konkurrenz überlegen – ebenso wie Sport-Legende Paavo Nurmi aus Finnland während des 10000 Meter-Laufes.

Im Radsport waren die Dänen die Top-Nation; das Fußball-Turnier gewann Uruguay, das Hockey-Turnier die Inder.

Die Amerikaner dominierten in der Leichtathletik und im Schwimmen, während im Turnen die Schweizer „kräftig absahnten“.

Auch Kunstwettbewerbe standen auf dem Programm. Der DeutscheAdolf Hensel erhielt den ersten Preis für seinen Entwurf „Das Nürnberger Stadion“.

Von Langen war jedoch mit seinen beiden olympischen Goldmedaillen einer der erfolgreichsten Athleten 1928.

Von Langen, geboren am 25.Juli 1887, war ein excellenter Reitsportler, der in den Folgejahren sehr viel nationale und internationale Anerkennung genoss.

Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde seitens der braunen Machthaber versucht, den im ersten Weltkrieg verwundeten deutschen Patrioten zu vereinnahmen.

In dem NS-Propagandafilm „Reitet für Deutschland“ spielte von Langen zwar eine Hauptrolle: Gleichwohl nahm er auch weiterhin an internationalen Wettbewerben im Dressurreiten, Jagdspringen und sogar in der Military teil; zu seinen olympischen Konkurrenten von 1928 pflegte von Langen freundschaftliche Kontakte.

Seine weiteren reitsportlichen Ambitionen wurden jäh am 15.Juli 1934 gestoppt. Bei einem Military-Wettkampf in Döberitz verunglückte von Langen schwer. Wenige Tage später – am 3.August 1934 – erlag der herausragende Reiter seinen Verletzungen.

Von Langen verfaßte eine Biographie; zudem existieren verschiedene Bücher über den Reitsportler. Am ehesten empfehlenswert ist dabei das Buch von Clemens Laar „Reitet für Deutschland. Das Reiterschicksal des C.F. von Langen.“ (1936/mit Foto-Tafeln).

Wissenswertes über C.F. von Langen und sein „Lieblings“pferd Hanko …

Der Wallach Hanko, anglo-arabischer Abstammung, kam während des ersten Weltkrieges nach Deutschland und fand einen Eigentümer in Pommern, der ihn vor allem für Geländeritte nutzte. Da sich Hanko jedoch verletzte, wollte ihn der damalige Besitzer verkaufen.

Von Langen sah das talentierte, aber gesundheitlich beeinträchtigte Pferd, kaufte es und „päppelte“ es auf seinem Gut in Parow wieder auf.

Trotz seiner Kriegsverletzung schaffte es von Langen, den Wallach reitsportlich zu trainieren und auf ihm Turniere zu bestreiten. Der begnadete Reiter von Langen erkämpfte nach dem ersten Weltkrieg zahlreiche internationale Triumphe auf Hanko, seinem bevorzugten Pferd, u.a. bei den internationalen Reiterspielen in Malmö bzw. vor allem beim deutschen Spring-Derby.

– Hanko war 30 Jahre als er seinen Gnadenbrot erhielt !

Erstes Olympia-Gold bei den Frauen für das heutige M-V erst 36 Jahre später …

Während von Langen vor 80 Jahren die erste olympische Goldmedaille für Mecklenburg und Vorpommern überhaupt gewann, konnte eine Frau aus unserer Region – bei Berücksichtigung der „Faktoren“ Geburtsort und/oder Klubzugehörigkeit in „Meck-Pomm“ – erst 36 Jahre später, 1964, Olympiasiegerin werden.

Ingrid Engel-KrämerUnd „Hilfe“ kam ausgerechnet aus Sachsen: Die Dresdner Wasserspringerin Ingrid Krämer, die seinerzeit unter ihrem neuen Namen Engel für den SC Empor Rostock startete, erkämpfte bei den Olympischen Spielen 1964 Gold im Kunstspringen und dazu – trotz Verletzung – Silber vom Turm.

Bereits vier Jahre zuvor, bei den Spielen 1960 in Rom, hatte die damals Siebzehnjährige sensationell die US-Amerikanerinnen im Kunst- und Turmspringen geschlagen.

Nach erneuter Heirat startete sie noch 1968 bei Olympia in Mexico-City und wurde gute Fünfte im Kunstspringen. In der anschließenden Trainer-Tätigkeit machte sie einige Talente für das Wasserspringen „fit“, so auch die Olympiasiegerin von 1980, Martina Jäschke.

Bei Olympia 1976 in Montreal schlug die „goldene Stunde“ für Schwerin – und das gleich vierfach: Zweimal Gold gab es für die gebürtige Schweriner Schwimmerin Andrea Pollack, Ruder-Gold sicherte sich Michael Wolfgramm, ebenfalls in Schwerin geboren, und Gold gab es für einen Boxer des SC Traktor Schwerin, für Jochen Bachfeld.

Marko Michels

Fotos: DOG (2)
 
 


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